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Lexus ES 300h im Test: Kann der Japaner zur deutschen Premium-Mittelklasse aufschließen?

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Von: Sebastian Oppenheimer

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Der Lexus ES 300h gehört sicher nicht zu den Bestsellern in Deutschland. Dabei bietet die Mittelklasse-Limousine Komfort – ob’s für die deutsche Premium-Mittelklasse reicht?

Toyota (Japan) – Wenn ein Autohersteller wie Lexus über Verkaufszahlen in Europa, insbesondere in Deutschland spricht, kann man keine Zahlen erwarten, die die Vertriebler in München, Ingolstadt und Stuttgart in Angst und Schrecken versetzen. Für den Lexus ES 300h – Konkurrent von BMW 3er, Audi A4 und Mercedes C-Klasse – entscheiden sich in Deutschland lediglich 250 (!) Personen pro Jahr. Hierzulande greifen hauptsächlich Taxi-Fahrer zum ES-Schlüssel. Im Rest der Welt schaut die Sache aber anders aus, da zählt die Limousine zu den Bestsellern im Portfolio des japanischen Autobauers. (Lexus IS Wax Edition: Der Japaner hat ein sehr spezielles Extra im Handschuhfach versteckt)

Fahraufnahme eines Lexus ES 300h
Der Lexus ES 300h konkurriert hierzulande mit dem BMW 3er, dem Audi A4 und der Mercedes C-Klasse. © Lexus

Lexus ES 300h im Test: Kann der Japaner zur deutschen Premium-Mittelklasse aufschließen?

Schließlich gibt es den Lexus ES 300 schon in der siebten Generation und rund 2,8 Millionen Autofahrer haben sich während dieser Zeit für den Wagen entschieden. Jetzt ist es Zeit für eine Modellpflege. Die optischen Neuigkeiten sind eher überschaubar: Der Kühlergrill hat weniger Streben und die Bi-LED-Scheinwerfer drei Elemente. Innen hat sich vor allem beim Infotainment etwas getan: Der zentrale 12,3 Zoll große Monitor ist jetzt ein Touchscreen. Damit der vom Fahrer leichter bedient werden kann, haben die japanischen Techniker das Display um 11,2 Zentimeter nach vorne geschoben und um fünf Grad zum Fahrer geneigt. Gute Sache. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass Grafik sowie Anmutung des Infotainment und der Navigationsgrafik etwas in die Jahre gekommen sind. (Lexus LC 500 Cabrio im Test: Ansehnlich – und mit viel serienmäßigem Komfort)

Fahraufnahme eines Lexus ES 300h
Den Hybrid-Antriebsstrang des Lexus ES 300h haben die Japaner inzwischen spürbar verbessert. © Lexus

Lexus ES 300h im Test: Hybrid-Antriebsstrang wurde spürbar verbessert

Beim Antriebsstrang setzen die Japaner auf eine Kombination aus einem Elektromotor mit 88 kW/120 PS und einem 2,5-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 131 kW/178 PS, was in einer Systemleistung von 160 kW/218 PS resultiert. Der WLTP-Verbrauch beläuft sich laut Datenblatt auf 5,8 l/100 km. Wir brauchten bei unserer Testfahrt 0,7 Liter mehr. Mittlerweile werkelt die vierte Generation des Hybrid-Antriebsstrangs unter der Motorhaube und die Verbesserungen sind spürbar. Die Japaner treiben dem CVT-Getriebe langsam die Kaugummi-Charakteristik aus. Heißt: Solange man es nicht übertreibt, ist man mit dem Lexus ES 300h entspannt unterwegs. Fordert man die Elektro-Benziner-Kombination aber heraus, meldet sich auch der Verbrenner zu Wort, aber lange nicht so jaulend nervig, wie wir es schon bei dieser Konstellation erlebt haben. (Lexus-Fahrer findet merkwürdigen Parkplatz: „Keine Parkuhr da drüben“)

Blick ins Cockpit eines Lexus ES 300h
Auf Wunsch ersetzen im Lexus ES 300h Kameras die Außenspiegel – doch die Displays im Innenraum wirken wie eine Nachrüstlösung. © Lexus

Lexus ES 300h im Test: Bei Tempo 180 endet der Vortrieb

Ein echter Dynamiker ist der 1.680 Kilogramm schwere Japaner dennoch nicht. Zumal die Höchstgeschwindigkeit auf 180 km/h beschränkt ist. Den Standardsprint von null auf 100 km/h absolviert der Lexus ES 300h in 8,9 Sekunden. Das reicht für flottere Überholvorgänge, zumal man den Antriebsstrang mit dem Drehrad, das wie ein Horn aus dem Cockpit wächst, mit dem Fahrmodus „Sport“ scharf stellen kann. Dann ist das Ansprechverhalten auf das Gaspedal zwar besser, aber im Grunde genügt es, im Normal- oder Eco-Programm unterwegs zu sein. Zur Not kann man ja in die S-Gasse der Automatik wechseln oder mit den Schaltpaddeln selbst die Fahrstufe wählen. Beim Zurückschalten nutzt das System die E-Maschine als Motorbremse und rekuperiert gleichzeitig. Die Bremsen haben die japanischen Ingenieure zur besseren Dosierbarkeit neu abgestimmt und das Bremspedal vergrößert. Das Fahrwerk mit verbesserter Hinterradaufhängung ist komfortabel abgestimmt, wippt leicht nach, kommt aber selbst mit größeren Bremsschwellen gut klar. Nur ausgeprägte Querfugen steckt der Lexus nicht so gut weg.

Technische Daten Lexus ES 300h
Motor/Getriebe/AntriebVierzylinder-Benziner plus E-Motor / E-CVT / Front
Leistung/Drehmoment160 kW (218 PS) / 221 Nm bei 3.600 – 5.200 U/min
Vmax/0–100 km/h180 km/h / 8,9 s
Länge/Breite/Höhe4.975 / 1.865 / 1.445 mm
Leergewicht1.680 kg
Ladevolumen454 Liter
Normverbrauch5,8 l/100 km
CO2-Ausstoß132 g/km
Basispreis50.300 Euro

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Lexus ES 300h im Test: Das kostet der Japaner in der Basis

Die neuen Kamera-Seitenspiegel funktionieren auch im heftigen Starkregen einwandfrei und man hat den rückwärtigen Verkehr gut im Blick. Wenn sich ein Auto nähert, schlägt zusätzlich der Totwinkelwarner Alarm. Allerdings schauen die aufgesetzten Monitore in den A-Säulen mit ihren Hartplastik-Rahmen ein bisschen aus wie eine Nachrüstlösung. Generell täte dem Interieur eine Auffrischung gut. Und auch die Sitze könnten etwas mehr Seitenhalt und eine längere Sitzfläche vertragen. Dafür gibt es in der zweiten Reihe Beinfreiheit satt und erst ab einer Körpergröße von 1,85 Metern wird es um den Kopf herum enger. Bei den Assistenzsystemen hat Lexus den ES 300h nachgeschärft. Jetzt erkennen die Helfer auch Radfahrer bei Tag und Fußgänger bei Nacht. Der Autopilot hilft nicht nur, die Spur zu halten, sondern unterstützt den Fahrer auch bei einem Ausweichmanöver. Dazu kommt ein LED-Licht, das den Gegenverkehr nicht blendet. Mit einem Basispreis von 50.300 Euro ist der Lexus ES 300h kein Sonderangebot – aber ab Ende des Jahres zumindest eine Alternative. (Von Wolfgang Gomoll/press-inform)

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