1. 24auto
  2. Tests
  3. Fahrbericht

Mini Remastered im Test: Spektakulärer Restomod zum Porsche-Preis

Erstellt:

Von: Marcus Efler

Kommentare

Ein Klassiker, neu aufgebaut, mit ordentlich Power und noch mehr Liebe zum Detail: Deshalb ist der Mini Remastered den Preis eines Elfers Wert.

London (Großbritannien) – Im Londoner Nobelviertel St. John’s Wood ist man mit sich und der Welt zufrieden. Hier geht es den Leuten gut, und das zeigen sie auch: Ferraris und Bentleys parken am Straßenrand, ein Range Rover gilt schon als gewöhnlich. Da braucht es schon ein besonderes Vehikel, dass sich die mit Prada-Handtaschen behängten Damen umdrehen. Wir sitzen einem solchen Automobil. Sobald wir an den gut situierten Damen vorbeiflitzen oder höflich anhalten, um sie die Straße überqueren zu lassen, hellt sich der betont gelangweilte Blick auf, die Lippen öffnen sich und ein Lächeln zaubert sich auf das Gesicht, gefolgt von einem „Oh, how sweet!“ (Der ist aber süß!)

Mini Remastered, fahrend
Spaßmobil: Der Mini Remastered Oselli Edition © Stan Papior

Mini Remastered: Spektakulärer Restomod zum Porsche-Preis

Der Name des Womanizers: Mini Remastered, Oselli Edition by David Brown Automotive. Hinter dieser etwas sperrigen Bezeichnung verbirgt sich ein Spaßmobil, das nicht nur „sweet“, sondern auch brutal flink auf den Rädern ist. „Du lenkst, also wedle ich“, lautet die Maxime des britischen Kleinwagens. Da ist es also das Kart-Feeling in Reinkultur, wie es nur ein Ur-Mini kann (vor der BMW-Ägide, in der jetzt sogar eine chinesische Elektro-Variante möglich ist). Denn schließlich ist Oselli ein klassischer Mini-Tuner, der seit den 1960er-Jahren dem Kultmobil Dynamik einhaucht. Der Preis für diese Leichtfüßigkeit ist ein strammes Fahrwerk mit Bilstein-Dämpfern und die Kleinigkeit von mindestens 117.000 Euro. Für weniger bekommt man einen neuen Porsche 911 Carrera.

Mini Remastered: Erst mal Reifen warm fahren

Den Fun-Faktor trübt das null. „Passen Sie auf den ersten Kilometern auf, bis die Reifen warm sind“, warnt uns James, als er uns die Schlüssel in die Hand drückt. Die Warnung des freundlichen David-Brown-Beauftragten kommt nicht von ungefähr. Schon auf den ersten Metern meldet sich die Hinterachse lebendig zu Wort. Also erst mal piano. Vorne mimt ein Vierzylinder der Mini-A-Serie, aus dem die Tuner 128 PS herausgekitzelt haben, akustisch vom ersten Meter an das Alpha-Tier. Fällt bei einem Gewicht von 1.050 Kilogramm ja auch leicht. Im wahrsten Sinne des Wortes: In ähnlichen Gefährten haben Formel-1-Legenden wie James Hunt und Niki Lauda ihre Karrieren begonnen. Auch dieser Mini ist für die Rennstrecke wie gemacht, also das, was man gerne ein Track-Tool nennt. Macht aber auch auf der Landstraße einen Heidenspaß.

Mini Remastered, fahrend, von seitlich hinten
Kurvenkünstler: Der Mini Remastered auf der Rundstrecke. © Stan Papior

Mini Remastered: Sauberer Strich um jede Ecke

Jetzt sind die 13-Zoll-Pneus warm gefahren, das Sperrdifferenzial an der Hinterachse entfaltet die ihm zugeteilte Wirkung und wir bekommen das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Selten saßen wir in so einem Auto, bei dem wir auch auf kerzengeraden Strecken Kurven fahren wollten. Herrlich, dieses Asphaltcarven. Bei unserem Zweisitzer minimiert ein Rennkäfig die Verwindungen der Karosserie und reduziert den Platz im Fond. Bei einem Classic Mini ohnehin kein großes Thema. Dafür bewegt sich der Vorderwagen keinen Millimeter, wenn wir um die Ecken feuern. Gute Sportsitze inklusive der passenden Gurte sorgen dafür, dass wir uns nicht am Lenkrad festklammern müssen, sondern den sauberen Strich, den der Mini um jede Ecke zieht, exakt zirkeln und genießen können. Damit der Spaß auch ungetrübt bleibt, haben die Oselli-Tuner AP-Rennbremsen verbaut. Die beißen nicht nur herzhaft zu, sondern sind auch gut dosierbar. In der Nacht erhellen vier LED-Scheinwerfer im traditionellen Mini-Design die Fahrbahn.

Mini Remastered: Wer bolzen will, nehme ein anderes Auto

Die per Vergaser beatmeten vier Kolben brauchen aber Bewegung. Die präzise, leicht knorpelige Fünfgangschaltung macht dem Fahrer das Schalten freilich leicht. Erst bei 6.200 Touren steht die volle Kraft des Motors bereit, das maximale Drehmoment von 153 Newtonmetern bei 4.500 U/min. Gibt man dem Oselli-Mini kräftig die Sporen, erreicht er nach 7,8 Sekunden 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit von mehr als 160 km/h reizen wir ohnehin nicht aus. Wer mit diesem Mini Tempo bolzt, sitzt im falschen Auto.

Cockpit des Mini Remastered
Der Mini Remastered hat natürlich klassische Analog-Instrumente. © Stan Papior

Mini Remastered: Purismus trifft Stil

Zumal der puristische Innenraum mit den herrlichen analogen Rundinstrumenten zum Gucken einlädt. Die Interieur-Designer haben ganze Arbeit geleistet und stilsicher Tradition mit Moderne verbunden. Ein bisschen Komfort will man auch in diesem aufpeppten Klassiker haben. Also freuen sich die Insassen über eine Klimaanlage, elektrische Fensterheber und ein fein integriertes zeitgemäßes Infotainment-System, bei dem man sein Smartphone per Apple CarPlay und Android Auto nutzen kann. Das mit Alcantara bezogene Lenkrad fühlt sich griffig an und passt zur ultra-direkten, servo-unterstützten Steuerung und dem Wendekreis von 8,7 Metern.

Noch mehr spannende Auto-Themen finden Sie in unserem kostenlosen Newsletter, den Sie gleich hier abonnieren können.

Mini Remastered: Schon vor dem Einsteigen muss man schnell sein

Die Oselli-Minis werden in der David-Brown-Fabrik in Silverstone von Hand gefertigt. Die Verarbeitung passt: Auch wenn wir den kleinen Flitzer fliegen lassen, knarrt und klappert nichts. Das passt zum soliden, vertrauenerweckenden Eindruck. Wer sich die Rennsemmel in die Garage stellen will, muss schnell sein. Denn von diesem Mini werden nur 60 Stück gebaut. Vor allem in den USA, Japan, Italien und Deutschland reiben sich solvente Kunden schon die Hände. Porsche-Preis oder nicht. (Wolfgang Gomoll/press-inform)

Auch interessant

Kommentare