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Kia Sportage im Test: Das neue Korea-SUV wurde für Europa entwickelt

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Von: Marcus Efler

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Das neue, kompakte SUV Kia Sportage soll hierzulande gegen VW Tiguan und Co bestehen. In einem Detail haben es die Entwickler bei der Europäisierung aber übertrieben.

Frankfurt – Das Segment der Kompaktwagen gilt in Europa, und ganz speziell in Deutschland, als Haifisch-Becken. Geht es um SUV oder Crossover, haben die Konkurrenten besonders scharfe Zähne. Schließlich winken in dieser Klasse satte Verkäufe. Genau in diesem anspruchsvollen Umfeld, in dem sich Wettbewerber wie Škoda Karoq, Mazda CX-5 oder VW Tiguan tummeln, hat sich der Kia Sportage etabliert. Ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, ohne dabei als Billigheimer daherzukommen, war bisher die Erfolgsformel. Das soll auch bei der fünften Generation so bleiben. (Kia Rio 1.0 T-GDI (Facelift): Sein Spritverbrauch liegt fast auf Diesel-Niveau)

Kia Sportage im Test: Das neue Korea-SUV wurde für Europa entwickelt

Damit die Koreaner aus dem Hyundai-Konzern mit dem neuen SUV möglichst viel von dem Rahm der hochgelegten Golf-Kasse abschöpfen, haben sie die fünfte Generation des Sportage speziell für Europa entwickelt. Zur Wahl steht eine umfangreiche Palette an Antriebskombinationen – Diesel- und Ottomotoren, die mit manuellem Getriebe, Automatik oder einem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe kombiniert werden können. Die Plug-in-Hybridversion folgt im Frühjahr 2022, der Vollhybrid ohne Stecker kommt gar nicht nach Deutschland. (Kia Sorento Plug-in-Hybrid im Test: „Weltneuheit“ steigert die Leistung des SUV)

Kia Sportage, fahrend
Mit wuchtiger Front: Der neue Kia Sportage fällt auf. © Thorsten Weigl/Kia

Kia Sportage im Test: Interieur mit Details aus dem Stromer EV6

Für eine erste Testfahrt haben wir uns für den Mildhybrid-1.6 T-GDI-Benziner mit 180 PS samt Siebengang-DCT entschieden. Das betont futuristische Front-Design mit der riesengroßen Tigernase (BMW lässt grüßen) und dem v-förmigen Tagfahrlicht ist Geschmackssache, der Innenraum überzeugt dagegen umso mehr. Das Interieur mit den beiden 12,3 Zoll großen Displays und der breiten Mittelkonsole übernimmt Elemente des Stromers Kia EV6, der ja nicht die schlechteste Referenz ist. Zumal beim neuen Sportage ein paar praktische Details dazukommen. Zum Beispiel schnalzen die Rahmen der beiden Becherhalter in der Mittelkonsole erst auf Knopfdruck heraus. Sind diese versenkt, finden auch größere Teile Platz. An den Rücklehnen der Sitze befinden sich Kleiderbügel, in deren obere Einbuchtung auch Tablets passen könnten. Jedenfalls merkt man, dass die Koreaner sich auch bei Dienstwagenfahrern beliebt machen wollen. (Kia EV9 Concept: Koreaner geben Ausblick auf siebensitziges E-SUV)

Kia Sportage, von seitlich hinten
Auch in der Heckansicht zeigt der Kia Sportage Charakter. © Thorsten Weigl/Kia

Kia Sportage im Test: Mehr Platz bei nur wenig gewachsenen Außenmaßen

In der Länge legt der Crossover überschaubare drei Zentimeter auf 4,52 Meter zu, in der Breite um einen Zentimeter auf 1,87 Meter, genauso wie beim Radstand, der auf 2,68 Meter wächst. Bei der Raumökonomie haben die Koreaner dagegen eine ganze Schippe draufgelegt: Hinten hat man viel Platz – und dass die Lehnen der Rückbank per Hebel nach vorne schnellen, zahlt ebenfalls in die Bequemlichkeitsrechnung ein. Der Ladeboden steigt allerdings leicht an. Dafür ist das Kofferraumvolumen mit 562 bis 1.751 Litern mehr als ordentlich. (16-Jähriger klaut Kia-SUV – und will dreist die Polizei austricksen)

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Kia Sportage im Test: Viele Assistenten an Bord

Bei der Konnektivität und dem Infotainment spielt der Sportage ohnehin ganz vorne mit: Er bietet Einbindung des Smartphones via Apple CarPlay oder Android Auto und viele hauseigene Apps, die per Berührung aktiviert werden. Die schmale Touchscreen-Leiste unter dem großen Monitor für schnellen Zugriff auf Klima-Steuerung und anderen Funktionen vereinfacht die Bedienung. Allerdings ist ein Head-up-Display weder für Geld noch für gute Worte zu bekommen. Dafür sind unter anderem ein Totwinkel-Assistent und Querverkehrs-Erkennung inklusive Abbiegefunktion und Rundumkamera an Bord. Der adaptive Tempomat reagiert auf vorausfahrende Fahrzeuge und bremst zuverlässig ab. Etwas umständlich ist es dagegen, den flexiblen Beschleunigungsregler so zu konditionieren, dass er auch auf die Geschwindigkeits-Verkehrsschilder reagiert. (Tempobremse in allen Neuwagen: So funktioniert die neue EU-Regelung)

Interieur des Kia Sportage
Das dominante Display erinnert an das des Stromers Kia EV6. © Thorsten Weigl/Kia

Kia Sportage im Test: Das Fahrwerk wirkt nicht sehr harmonisch

Die automatische Schaltung wird per Drehregler aktiviert, genauso wie die Fahrmodi Eco, Normal und Sport. Ein Dynamiker ist der 1.648 Kilogramm schwere Crossover allerdings nicht. Nach neun Sekunden ist Landstraßentempo erreicht und bei 201 km/h ist Schluss. Beim Verbrauch gibt Kia 6,9 Liter pro 100 Kilometer, wir brauchten bei unserer ersten Testfahrt knapp acht Liter.

Kia Sportage 1.6 T-GDI DCT AWD
Motor/Getriebe/Antrieb1,6l-Vierzyl.-Benziner Mildhybrid/7-Gang-Doppelkupplung/Allrad
Leistung/Drehmoment132 kW (180 PS)/265 Nm bei 1.500 – 5.500 U/min
Vmax/0–100 km/h201 km/h / 9,0 s
Länge/Breite/Höhe4,52/1,87/1,65 m
Ladevolumen562 – 1.751 l
Leergewicht1.648 kg
Normverbrauch/CO2-Emission6,9 l/100 km / 156 g/km
Preis45.490 Euro (Basispreis 27.790 Euro)

Die Unterschiede zwischen den Fahrprogrammen sind spürbar. Zwar ist der Komfort immer gegeben, aber im Bestreben, dem SUV für den europäischen Geschmack mehr Dynamik einzuhauchen, haben die Techniker das Fahrwerk unharmonisch abgestimmt. Die adaptiven Dämpfer sind straffer eingestellt und vermitteln mehr Dynamik, aber die Karosserie wippt bei langen Wellen nach. Am besten klappt das Zusammenspiel noch im Sport-Fahrprogramm.

Der neue Kia Sportage kostet mindestens 27.790 Euro, die gefahrene Version mit Doppelkupplungsgetriebe, Allradantrieb und GT-Line schlägt mit 45.490 Euro zu Buche. Zum Vergleich: Der VW Tiguan beginnt bei 29.855 Euro. Zumindest beim Preis-Leistungs-Verhältnis hat der Koreaner seine Tigernase also vorn. (Wolfgang Gomoll/press-inform)

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