Kompakter Shooting-Brake im Test

Kia ProCeed 1.4 T-GDI DCT: Die besondere Karosserieform stört dieses Sicherheitsbauteil

Fahraufnahme eines Kia ProCeed von schräg vorn
+
Beim Kia ProCeed in der GT-Line sind LED-Scheinwerfer serienmäßig.
  • Jan Schmidt
    vonJan Schmidt
    schließen

Wer schön sein will, muss leiden? Im Fall des Kia ProCeed ist eher das Gegenteil der Fall. Es gibt zwar ein paar konzeptbedingte Schwächen, die man angesichts des gelungenen Gesamtpakets jedoch gerne verzeiht.

München – Kombis der Kompaktklasse sollen vor allem eines sein: praktisch. Hingucker-Qualitäten spielen hingegen eine eher untergeordnete Rolle. Doch Familienoberhäupter können sich durchaus für verschwenderisch schicke Proportionen begeistern. Für echte Ästheten hat Kia in seiner Ceed-Familie zusätzlich zum Nutzwert-Klassiker Sportwagon noch eine Shooting-Brake-Version namens ProCeed aufgelegt, die nicht nur Nachbarn neidisch, sondern auch seine Insassen glücklich machen kann. Der coupéhaft akzentuierte Familien-Laster verwöhnt mit schicker Einrichtung sowie reichlich Platz und bietet darüber hinaus sogar noch überraschend dynamische Fahrtalente. (Kia Ceed 1.6 CRDi iMT: Diesen Vorteil bringt die elektronische Kupplung)

Kia ProCeed 1.4 T-GDI DCT: Die besondere Karosserieform stört dieses Sicherheitsbauteil

Zwar ist der ProCeed ein Vertreter der Kompaktklasse, mit 4,61 Meter Länge wirkt er ihr allerdings schon entwachsen. LED-Leuchten, Chromschmuck, Hochglanzflächen, prächtige Räder sowie seine flache und gestreckte Silhouette vermitteln ebenfalls die Aura höherer Klassen. Doch ist er nicht nur ein Gernegroß, denn hinter seiner großen und im Fall der von uns getesteten Version elektrisch öffnenden Klappe steckt auch wirklich viel Platz: 594 bis 1.545 Liter können sich sehen lassen. Zudem gibt es clevere Lösungen wie etwa eine auf Schienen verschiebbare Alustange, die das Verrutschen von Ladegut verhindert. Unterm hochklappbaren Kofferraumboden findet sich noch Stauraum für Kleinkram, außerdem lässt sich die Rückbanklehne im Verhältnis 40:20:40 umklappen. Manchmal nervig: Da die Heckklappe zum Fahrzeugende stark abflacht, muss man höheres Ladegut, etwa eine Getränkekiste, vergleichsweise tief ins Gepäckabteil hieven. (Corona-Gewinner: Diese acht Automodelle haben gegen den Trend zugelegt)

Hinter der Heckklappe des Kia ProCeed verbirgt sich ein Kofferraumvolumen von 594 bis 1.545 Liter.

Kia ProCeed 1.4 T-GDI DCT: Vorbildlich gestaltetes Cockpit

Auf der Rückbank fordert die Formgebung hingegen keine Abstriche. Kopf- und Kniefreiheit sind gut. Außerdem baut der Kardantunnel flach, weshalb es selbst drei Fondgästen problemlos gelingt, ihre sechs Füße bequem unterzubringen. Eine Reihe weiter vorne wird es noch luftiger und ist es für den Fahrer ein Leichtes, die angenehm konturierten Sportsitze sowie das Lenkrad optimal an seine Bedürfnisse anzupassen. Ebenfalls jedem Bedarf gerecht werden dürfte der aufgeräumte und klar strukturierte Arbeitsplatz. Alle Tasten sind schön groß und übersichtlich angebracht – für ein Fahrzeug aus dem Volumensegment geradezu vorbildlich. Materialqualität wie Verarbeitung bewegen sich zudem am oberen Ende des Klassenniveaus. Das aufpreispflichtige digitale Kombiinstrument ist mit 12,3 Zoll großzügig dimensioniert, mittig im Armaturenbrett gibt es einen 10,25 Zoll großen Touchscreen. (Kia Sonet: Neues Kompakt-SUV auch für Deutschland?)

Kia ProCeed 1.4 T-GDI DCT: Die Rundumsicht ist stark eingeschränkt

Was den guten Eindruck trübt, ist einzig der Blick in den Rückspiegel. Durch das sehr schräg stehende Heckfenster schaut man wie durch eine Schießscharte, die stets große Bereiche des sonst üblichen Blickfelds verdeckt. Eine optimale Position für den Rückspiegel gibt es einfach nicht. Wird dieser zum Beispiel auf den Nahbereich ausgerichtet, sieht man auf der Autobahn mit hohem Tempo von hinten ankommende Fahrzeuge erst spät. Hinter den wuchtigen C-Säulen können sich zudem ganze Fahrradkolonnen dem Abbiege-Schulterblick entziehen. Dadurch wird das sicherheitsrelevante Bauteil ziemlich gestört, weshalb wir für den ProCeed einen digitalen Rückspiegel herbeisehnen. Immerhin hilft beim Rangieren eine Rückfahrkamera. (2021er Modelle: Kia frischt alle drei Picanto-Varianten auf)

Dank des Radstands von 2,65 Meter fällt das Platzangebot im Kia ProCeed auch im Fond großzügig aus.

Kia ProCeed 1.4 T-GDI DCT: Turbo-Direkteinspritzer mit Doppelkupplungsgetriebe

Für den ProCeed bietet Kia drei Benziner und einen Diesel mit einem Leistungsspektrum von 120 bis 204 PS an. Unser Testwagen steht mit dem 103 kW/140 PS starken 1.4 T-GDI schon gut im Futter. Gekoppelt ist der Turbo-Direkteinspritzer an ein geschmeidiges 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe. Den Vierzylinder erlebt man trotz kerniger Note als kultiviert und druckvoll zugleich. Die 242 Newtonmeter bringt die Vorderachse sauber auf den Asphalt. Während das Zusammenspiel mit dem Doppelkupplungsgetriebe für einen homogenen Tempozuwachs sorgt, der nach 9,7 Sekunden dreistelliges Niveau und im Höchstfall 205 km/h zulässt. Damit ist der Koreaner gewiss kein Bolide, kann sich aber auch gut auf der linken Spur behaupten. Auf langen Autobahntouren haben wir einen Diesel nicht vermisst, denn aus 5,7 Liter Normverbrauch wurden praktisch 6,7 Liter. (VW Golf 8 Variant und Alltrack: Neue Funktionen auch noch nach Auslieferung)

Die Sportsitze im Kia ProCeed GT bieten viel Seitenhalt.

Kia ProCeed 1.4 T-GDI DCT mit nahezu kompletter Ausstattung

GT-Line heißt die Ausstattung unseres Testwagens, die ihrem Namen in mehrfacher Hinsicht gerecht wird. Eine in hervorragender Weise verbindlich Rückmeldung gebende Lenkung sowie ein straffes jedoch keineswegs zu hartes Fahrwerk machen lange Autobahnfahrten wie auch kurvige Landstraßenritte verträglich und spaßig zugleich. Bei flotteren Links-rechts-Manövern halten die komfortablen Sportsitze die vorderen Insassen aufrecht. Geht es kerniger ums Eck, üben sich die Regelsysteme lange in Zurückhaltung. Andere Helfer, wie etwa der Abstandstempomat oder die Verkehrszeichenerkennung, sorgen zudem für Entlastung. (Škoda Octavia Combi: Warum der Neue nun in Baustellen sicherer unterwegs ist)

Kia ProCeed 1.4 T-GDI DCT – Technische Daten
Länge/Breite/Höhe4,61/1,80/1,42 Meter
Hubraum1.353 ccm
Leistung103 kW/140 PS
Drehmoment242 Newtonmeter
Beschleunigung von 0 bis 100 km/h9,7 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit205 km/h
Normverbrauch5,7 Liter/100 km
Testverbrauch6,7 Liter/100 km
Grundpreis29.234 Euro

State-of-the-Art-Technik, viele Qualitäten, starker Antrieb und gehobener Nutzwert – das ProCeed-Paket wird vielen Ansprüchen gerecht, hat allerdings auch seinen Preis. Los geht es bei 26.300 Euro für den 1,0-Liter-Basisbenziner, 3.000 Euro Aufpreis kostet der 1.4 T-GDI mit DCT. Für ein Modell der Kompaktklasse ein hoher Einstieg, allerdings finden sich in der Ausstattungsliste nur wenige Optionen. Kommen noch eine Sonderfarbe, das Navigations- und das Technologie-Paket obendrauf, lässt der ProCeed für rund 34.000 Euro kaum mehr Wünsche offen. (Von Mario Hommen/SP-X)

Das könnte Sie auch interessieren