Geschmeidiger Cruiser

Jeep Compass im Test: Endlich komfortabel – Innenraum-Schwächen sind Geschichte

  • Sebastian Oppenheimer
    vonSebastian Oppenheimer
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Nach vier Jahren Bauzeit frischt Jeep den kompakten Compass auf. Dafür haben die Baureihen-Spezialisten besonders die inneren Werte des SUV gestärkt – darum hat es sich gelohnt.

Toledo – Als die zweite Generation des Jeep Compass 2017 in den Handel ging, erhielt das kompakte SUV überwiegend wohlwollende Kommentare. Optisch angelehnt an den luxuriösen Bruder Grand Cherokee, profitierte auch der mittlerweile ab 28.000 Euro startende Compass von der Popularität seines Oberklasse-Bruders. Seine Schwäche war jedoch von Beginn an der Innenraum: Infotainment von gestern bestimmte das Bild, der Touchscreen wirkte nicht ganz so schick, und die hemdsärmelig gestalteten Tasten schrammten haarscharf an „Premium“ vorbei.

Im Gesamtpaket ist der Jeep Compass ein komfortabler Cruiser mit geschmeidiger Federung und solidem Platzangebot.

Jeep Compass im Test: Endlich komfortabel – Innenraum-Schwächen sind Geschichte

Genau hier haben die Innenarchitekten nun angesetzt. Jetzt strahlt ein neuer Monitor in Tablet-Form die Passagiere an, das alte Kombiinstrument mit Analoganzeigen wich reiner Bildschirm-Fläche (10,25 Zoll), auf der man nach Herzenslust herumkonfigurieren kann. Soll das Tempo lieber digital angezeigt werden oder doch analog? Kein Problem, auf Wunsch werden Rundskalen einfach nachgebildet. Allerdings muss man die Bedienschritte gründlich studieren, bevor man die Fülle an Funktionen beherrscht. Und auf dem großzügigen Tastenangebot des Multifunktionslenkrads kann man vielleicht eine Spur zu einfach von Meilen pro Stunde auf km/h umstellen, aber so etwas geht gerade noch als Schönheitsfehler durch. (Wird der Jeep Cherokee umbenannt? Indigenes Volk stört sich an Modellbezeichnung)

Nicht nur das Infotainment präsentiert sich inzwischen fitter, auch die Verarbeitungsqualität konnte Jeep nachhaltig und sichtbar verbessern. So wirken vor allem die vielfältigen Dekorelemente haptisch wie optisch höherwertig, schicke Ziernähte im Bereich der Armaturen verleihen dem Compass außerdem jene Noblesse, die einer Premium-Marke gebührt.

Im Zuge der Überarbeitung haben die Jeep-Verantwortlichen besonders den Innenraum des Compass aufgewertet.

Jeep Compass im Test: Allradantrieb gibt es nur noch bei den Hybridmodellen

Darüber hinaus gibt es weitere Neuigkeiten. Auch die Ingenieure durften Hand anlegen und haben insbesondere die konventionellen Antriebe ohne Elektrifizierung angepasst. Schade allerdings, dass der klassische Allradantrieb beim Compass ausgedient hat – hier dürften Marketingexperten mit Technikern gerungen haben. Denn die Offroad-Kompetenz liegt jetzt bei den Hybridmodellen, deren Hinterachse elektrisch angetrieben wird. Dagegen müssen die Verbrenner nun zwingend mit Vorderradantrieb auskommen. Doch ehrlicherweise darf man davon ausgehen, dass die Compass-Zielgruppe nur selten auf unwegbarem Terrain unterwegs ist. (Audi Q3 45 TFSIe Sportback im Test: Dem Plug-in-Hybrid fehlt ein wichtiges Extra)

Den Antriebs-Einstand bildet analog zum kleineren Jeep Renegade jetzt auch hier der neu entwickelte Vierzylinder-Benziner mit 1,3-Litern Hubraum aus der so genannten Global Small Engine-Familie. Mit 96 kW (130 PS) ist der betont leise laufende Turbo zwar kaum zum Bäume ausreißen aufgelegt, müht sich mit dem 1,5-Tonner aber auch nicht gerade ab. Er gibt sein Moment an ein leichtgängiges und passgenau abgestuftes Sechsganggetriebe weiter. Letzteres sorgt für niedrige Drehzahlen im großen Gang und damit am Ende für leise Fahrgeräusche. Wer auf Automatikgetriebe schwört, bekommt einen sechsstufigen Doppelkuppler in Verbindung mit dem einem etwas stärkeren, aber gleich großen Benziner. Dessen Drehmomentplateau von ebenfalls 270 Newtonmetern flacht erst später ab. Er bietet mit 110 KW (150 PS) immerhin 20 Pferdchen mehr als die Basis. In der Längsdynamik macht sich das indes nicht bemerkbar – vielmehr fällt auf, dass der Automat situativ ruhig einen Zacken schneller schalten dürfte. An der Sanftheit der Übersetzungswechsel gibt es hingegen nichts auszusetzen. (Honda HR-V Hybrid: Neuauflage mit geringerer Leistung – dafür mit cleveren Sitzen)

Den Jeep Compass gibt es auch in der Trailhawk-Variante.

Jeep Compass im Test: Das kostet das kompakte SUV in der Basis

Im Gesamtpaket ist der Compass ein komfortabler Cruiser mit geschmeidiger Federung und solidem Platzangebot bei kompakter Länge (4,40 Meter), so dass er auch in urbanen Räumen ganz ordentlich funktioniert. Auch mitfahren in der zweiten Reihe kann man sich länger gefallen lassen, das SUV wirkt insgesamt sogar einen Tick größer, als die Abmessungen vermuten lassen.

Wer häufig längere Strecken abspult, könnte mit dem einzig verbliebenen Diesel – Grundpreis ab 33.000 Euro – (96 kW/130 PS, nur Vorderradantrieb und Schaltgetriebe) glücklich werden, der mit 5,1 Litern je 100 Kilometer in der gemittelten Disziplin rund einen Liter sparsamer ist als die Benziner. Oder wie wäre es mit den Plug-in-Hybridmodellen, die mit 140 kW (190 PS) respektive 177 kW (240 PS) Systemleistung ungleich stärker ausfallen. Für das Topmodell gibt es gegen stattliche 47.600 Euro sogar eine Trailhawk-Version mit speziellem Blendschutz auf der Motorhaube, einem weiteren Offroad-Modus, Unterbodenschutz sowie speziell designten Stoßfängern, die den Compass burschikos aussehen lassen. Heute zum Standard gehörende Optionen wie LED-Scheinwerfer sowie diverse Assistenten von der autonomen Bremsung bis zum adaptiven Tempomat muss man selbstverständlich auch im Compass nicht missen. (Patrick Broich / SP-X)

Rubriklistenbild: © Jeep

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