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Jaguar F-Pace SVR im Test: Das Power-SUV spurtet bis zu diesem beachtlichen Tempo

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Von: Sebastian Oppenheimer

Potente SUV sind begehrt: Jedes zehnte verkaufte Modell des Jaguar F-Pace ist die 550 PS starke Topversion SVR. Und die zeigt sich sportlicher denn je.

Coventry – Man muss die Zeiten genießen, in denen man noch einen Kraftprotz mit einem derart brabbelnden und sprotzenden Kompressor-Achtzylinder bewegen darf. Die immer strenger werdende Abgasvorschriften machen dem charismatischen Achtzylinder in den nächsten Jahren wohl den Garaus. Das ficht den überarbeiteten Jaguar F-Pace SVR nicht an, denn er darf auch nach der jüngsten Modellpflege nach Lust und Laune aus seinen vier Endrohren brüllen. Zwar nicht mehr ganz so ungehorsam und wild wie in den Jahren vor Euro 6, aber immer noch so, dass man sich die Wildkatze nur verlieben kann. Das Paket auf dem 2,1 Tonnen schweren Allrad-SUV ist nicht so perfekt wie der BMW X3 / X4 M, aber auch nicht so aufdringlich wie ein Mercedes-AMG GLC 63 und schlicht ein Volltreffer. Unglaublich schnell und dabei immer lässig unterwegs – wer kann das schon von sich behaupten? (BMW iDrive: iX und i4 künftig ohne Tastendruck – Bediensystem OS 8 funktioniert völlig anders)

Fahraufnahme eines Jaguar F-Pace SVR.

Der 5,0-Liter-V8 mit Kompressoraufladung leistet im Jaguar F-Pace SVR gewaltige 550 PS. © Jaguar

Jaguar F-Pace SVR im Test: Das Power-SUV spurtet bis zu diesem heftigen Tempo

Die Modellpflege gibt dem sportlichsten Modell der Jaguar-F-Pace-Familie nicht nur das neue Markengesicht, ein deutlich schickeres Heck oder einen edlen Innenraum mit einem endlich besseren Multimediasystem. Auch an Fahrwerk und Fünfliter-V8-Motor wurde in den vergangenen zwei Jahren mächtig gearbeitet. Dabei hätten die umtriebigen Briten in der SVO-Abteilung von JLR dem Sportler durchaus ein paar Pferdestärken mehr unter die mit Lüftungskiemen versehene Motorhaube packen sollen. Dabei ist es nicht so, dass die 404 kW (550 PS) irgendwelche Wünsche offenlassen würden – im Gegenteil. Doch ein neues Modell bekommt normalerweise schon aus Vermarktungsgründen ein leichtes Leistungsplus, das dem V8-Kraftprotz Dank Aufladung durchaus abzuringen gewesen wäre. „Doch wir haben uns bewusst entschieden, die Leistung gleich zu lassen“, unterstreicht Michael van der Sande, Leiter der Abteilung Special Vehicle Operations, „doch der F-Pace SVR fährt sich deutlich anders als zuvor. Das liegt nicht nur an den 20 Nm mehr Drehmoment.“ (Serien-Killer: Wasserschlag-Senke killt Motoren – auch Jaguar F-Pace fällt ihr zum Opfer (Video))

Fahraufnahme eines Jaguar F-Pace

Der Jaguar F-Pace SVR schafft eine Höchstgeschwindigkeit von 286 km/h. © Jaguar

Jaguar F-Pace SVR im Test: Drehmoment steigt um 20 Nm

In der Tat wurde hier von 680 auf 700 Nm maximales Drehmoment nachgelegt. Im Fahrbetrieb lässt sich davon wohl nur im direkten Vergleich etwas spüren und ob dies eigene Empfinden dann nur das Drehzahldelta ist – naja. Denn es wurde auch bei der Gangabstufung der achtstufigen Getriebeautomatik nachgearbeitet und das ist allemal zu spüren. Der Wandlerautomat passt prächtig zum willig drehenden Achtzylinder und es macht tatsächlich jede Menge Laune, bei sportlicher Gangart auch einmal manuell in die Gangwahl einzugreifen. Gerade im Dynamic-Modus geht das Heraufschalten dann besonders bissiger zur Sache. Die einzelnen Fahrstufen schnacken heftig rein und das ist in dieser Fahrzeugklasse durchaus ungewöhnlich – macht Spaß. (Jaguar F-Pace 400e im Test: Facelift kommt vor allem einem Bereich zugute)

Blick in den Innenraum des Jaguar F-Pace SVR

Der Fahrer im Jaguar F-Pace SVR nimmt auf bestens konturierten Sportledersitzen Platz. © Jaguar

Jaguar F-Pace SVR im Test: Das Fahrwerk könnte einen Hauch straffer sein

Man kann dem Sport-SUV kaum etwas vorwerfen, denn die Symbiose aus Antrieb, Fahrwerk und dem nicht unwesentlichen Luxusanspruch passt. Der F-Pace SVR kan bestens cruisen und dabei so schnell wie gewünscht mit seinen Insassen von A nach B kommen. Im Grenzbereich könnte das Fahrwerk bei ambitionierter Fahrweise gerade an der Vorderachse etwas straffer sein, denn ein leichtes Eintauchen kann der 550-PS-Bolide auch im Sportmodus nicht überspielen. Auch das Sperrdifferenzial könnte je nach Fahrprogramm gerne noch etwas bissiger und aggressiver zupacken. Doch im Ernst: wer fährt mit einem solchen Power-Koloss im absoluten Grenzbereich? Hier macht der Jaguar F-Pace SVR keinen Unterschied zur allemal breit aufgestellten Konkurrenz. Die Kunden wollen Leistung, ein mehr oder weniger dezentes Auftreten, hohen Alltagsnutzen und eine entsprechende Langstreckentauglichkeit. Über die kurvenreiche Landstraße düsen wird wohl kaum eines der verkauften Modelle.

Technische Daten Jaguar F-Pace SVR
Motor/Getriebe/Antrieb5,0-Liter-V8 mit Kompressoraufladung / 8-Gang-Automatik / Allradantrieb
Leistung/Drehmoment404 kW (550 PS) / 700 Nm bei 2.500 bis 5.500 U/min
Länge/Breite/Höhe4.737 / 2.071 / 1.670 mm
Vmax/0–100 km/h286 km/h / 4,0 s
Normverbrauch11,4 l/100 km
CO2-Ausstoß260 g/km
Ladevolumen650 – 1.731 Liter
Basispreis105.000 Euro

Jaguar F-Pace SVR im Test: Das kostet der Briten-Bolide in der Basis

Doch wie so oft in der Luxusliga – es ist gut zu wissen, dass man es könnte, und hier ist der F-Pace kein Aufschneider, denn er kann wirklich viel und ist ein echter Sportler. Dass sich die meisten Kunden eher für die bestens konturierten Sportledersitze begeistern, am neuen Navigationsbildschirm ihre helle Freude haben oder es genießen, mit derart viel Dampf unter der Motorhaube auch einmal bis zu 286 km/h schnell zu sein, dürfte kein Geheimnis sein. Ebenso wenig dürfte es die Kunden jedoch interessieren, dass der gut 105.000 Euro teure SVR durch die jüngste Überarbeitung nicht nur etwas schneller und edler ist, sondern auf 100 Kilometern mit 11,4 Litern Super immerhin einen halben Liter Kraftstoff weniger verbraucht oder den Imagespurt 0 auf Tempo 100 nunmehr in 4,0 statt bisher in 4,3 Sekunden erledigt. Liest sich gut, erzählt man gern – interessiert im Alltag jedoch beides eben niemanden. Da freut man sich eher über genügend Platz in den beiden Sitzreihen oder einen Laderaum, der sich schick ausgekleidet von 650 auf bis zu 1.731 Liter erweitern lässt. (Stefan Grundhoff / press-inform)

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