Briten bessern nach

Jaguar F-Pace 400e im Test: Facelift kommt vor allem einem Bereich zugute

Fahraufnahme eines Jaguar F-Pace
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Jaguar hat dem F-Pace ein umfangreiches Facelift spendiert – das merkt man vor allem im Innenraum.
  • Sebastian Oppenheimer
    vonSebastian Oppenheimer
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Jaguar legt beim F-Pace vor allem innen Hand an, rüstet Technik und Infotainmentsystem auf – und verpasst dem SUV dazu gleich auch das bekannte Plug-in-Hybrid-Modul.

Coventry – Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe. Bei Jaguar Land Rover trifft dieser Spruch mehr denn je ins Schwarze. Der Land Rover Defender und der Jaguar F-Pace teilen sich samt dem Kürzel P400e das Hybridmodul bestehend aus einem 221 kW (300 PS) Vierzylinder-Benziner und dem 105 kW (143 PS) Elektromotor, was in einer Systemleistung von 297 kW (404 PS) resultiert. Damit hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon auf. Der hochbeinige Schlammwühler Defender wird aufgrund der Reifen spätestens bei 209 km/h eingebremst, während der F-Pace bis 240 km/h weiter ballern darf. Könnte der Jaguar mit seinem breiten Kühlergrill grinsen, würde er das tun. Verschmitzt natürlich, wie es sich für einen Gentleman gebührt. (Land Rover Defender 110 im Test: In diesem Punkt schlägt er sogar die Mercedes G-Klasse)

Jaguar F-Pace 400e im Test: Facelift kommt vor allem einem Bereich zugute

Die Freude ist aber nachvollziehbar. Denn der Jaguar-Crossover F-Pace führt seit dem Erscheinen des Konzernbruders Defender ein Schattendasein. Ein tiefgreifendes Facelift soll sicherstellen, damit das einzige Jaguar-SUV nicht im Hype um die wiederbelebte Geländewagen-Ikone untergeht. Äußerlich sind die Korrekturen eher kosmetischer Natur. Die LED-Scheinwerfer blitzen schmaler und damit angriffslustiger. Dazu passen der größere Kühlergrill, die vergrößerten Lufteinlässe und die etwas veränderte Frontschürze. Deutlich umfangreicher sind die Veränderungen im Innenraum. Auf den ersten Blick fällt auf, dass jetzt auch beim Jaguar F-Type das Pivi-Pro-Infotainmentsystem mitsamt dem großen 11,4 Zoll Touchscreen Einzug gehalten hat. Dass sich die Krümmung des etwas abstehende Tablet-Bildschirms perfekt an die Form des Armaturenbretts anpasst, lässt stilbewussten Briten seinen Windsor-Krawattenknoten gleich entspannter binden. (Dreister China-Klon aufgetaucht: Hunkt Canticie kopiert schamlos Range Rover)

Vor allem das Interieur des Jaguar F-Pace hat durch das Facelift deutlich gewonnen.

Jaguar F-Pace 400e im Test: Leistungsfähiger Prozessor beflügelt das Infotainment

Dazu kommen feine Details wie der versenkbare Fahrmodus-Regler und der Automatikregler mit Lederbezug, der an einen Kricketball erinnern soll. Uns ist nur wichtig, dass er gut in der Hand liegt. Bei den Materialen geben sich die Briten ohnehin selten eine Blöße. Die metallischen Knöpfe oder die Applikationen aus Aluminium oder Holzfurnier und Klavierlack geben dem Ambiente einen edlen Touch. Keine Frage, das Interieur des Jaguar hat definitiv an Ausstrahlungskraft gewonnen und lädt zum Verweilen ein. Neben der gelungenen Optik ist auch die Funktionalität wichtig, denn die Unterhaltung wurde bei Jaguar Land Rover bisher eher stiefmütterlich behandelt. Dank einer Pufferbatterie fährt das System jetzt deutlich schneller hoch und ein leistungsfähiger Prozessor lässt die vom Fahrer angestoßenen Aktionen geschmeidiger ablaufen. (Serien-Killer: Wasserschlag-Senke killt Motoren – auch Jaguar F-Pace fällt ihr zum Opfer (Video))

Die Grafik und die Benutzeroberfläche mit den Apps sind ein klarer Fortschritt. Ganz intuitiv geht die Bedienung nicht von der Hand, aber nach einer gewissen Eingewöhnungszeit findet man sich problemlos zurecht. Dass im Head-Up-Display ein recht kleiner Kartenausschnitt statt der Piktogramme oder gar fliegenden Pfeile angezeigt wird, lässt noch Raum für Verbesserungen. Dass auch beim Jaguar F-Pace jetzt ebenfalls aufgrund der zweiten SIM-Karte im Hintergrund drahtlose Updates möglich sind, ist ein echter Schritt nach vorne. Ebenso wie die Möglichkeit, das Smartphone per Apple CarPlay oder Android Auto drahtlos einzubinden.

Laut Jaguar sind im F-Pace P400e bis zu 59 Kilometer rein elektrische Reichweite möglich.

Jaguar F-Pace 400e im Test: Spezielle Akustik-Technik reduziert störende Außengeräusche

Die inneren Türgriffe haben eine andere Position, was zur Folge hat, dass man die Ablagen in den Türen besser erreicht. Die Summe der Detailverbesserungen machen das Fahren in dem aufgepeppten Jaguar F-Pace angenehmer: Die Fensterheber befinden sich jetzt vorne an den Armablagen, die Zonen der Sitzheizung- und Kühlung sind größer. Aus dem I-Pace halten die Luftionisierung und die Pollenfilterung Einzug, was vor allem Allergiker freut und mithilfe des Soundsystems werden störende Außengeräusche ähnlich wie bei einem Noise-Cancelling-Kopfhörer mit Gegen-Klangwellen reduziert. Diese Verbesserung der Ruhe-Akustik nimmt man beim Gleiten über die Landstraßen wahr, da zum Beispiel die Abrollgeräusche der Reifen deutlich reduziert werden. Wichtige Warntöne wie Hupen oder Martinshörner werden natürlich nicht ausgeblendet.

Auf der Straße gibt der Jaguar F-Pace eine gute Figur ab. Das Zusammenspiel aus alter und neuer Welt läuft dank der bekannten ZF-Achtgangautomatik geschmeidig ab. Schon im Eco-Modus schiebt der Antrieb den 2.189 Kilogramm schweren F-Pace souverän an, schaltet man auf Sport, färben sich die virtuellen Anzeigen im 12,3 Zoll Cockpit rot und der gesamte Antriebsstrang strafft sich und reagiert schneller auf die Beschleunigungswünsche des Fahrers. Dass die Lenkung etwas mehr Rückmeldung geben könnte, fällt nicht so sehr ins Gewicht wie die Tatsache, dass das Fahrwerk mit den adaptiven Dämpfern sich dem Komfortthema von der strafferen Seite nähert. Auf Wunsch geht es im F-Pace auch forciert voran und auch Kurven stellen keine große Herausforderung dar. Dass der Jaguar F-Pace kein Porsche Macan ist, ist aber ebenso klar. Flott ist die Offroad-Raubkatze dennoch: Schon nach 5,3 Sekunden sind 100 km/h erreicht.

Technische Daten Jaguar F-Pace P400e
Motor/Getriebe/Antrieb2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner, Achtgang-Automatik, Allradantrieb
Leistung/Drehmoment297 kW (404 PS) / 640 Nm bei 1.500–4.400 U/min
Leergewicht2.189 kg
Länge/Breite/Höhe4.747 / 2.071 / 1.664 mm
Vmax/0–100 km/h240 km/h / 5,3 s
Ladevolumen619 Liter
CO2-Ausstoß54 g/km
Normverbrauch2,4 l/100 km
Basispreis70.774,23 Euro

Jaguar F-Pace 400e im Test: Das kostet die Offroad-Raubkatze in der Basis

Die Batterie des F-Pace P400e hat eine Kapazität von 17,1 Kilowattstunden (13,7 kWh netto) Bei unserem Fahrtantritt zeigte das Display 40 Kilometer elektrische Reichweite an. Laut Jaguar sind bis zu 59 Kilometer möglich. Per Knopfdruck kann man rein elektrisch stromern, das Energieniveau der Akkus halten oder im Hybridmodus dem System die Entscheidung überlassen, welche Antriebsform die geeignete ist. Wir spielten alle Optionen durch, waren aber hauptsächlich im Hybrid-Fahrprogramm inklusive Autobahn unterwegs und kamen auf einen Durchschnittsverbrauch 5,9 Liter pro 100 Kilometer; Jaguar gibt 2,4 Liter an (17,6 kWh/100 km). Mit bis zu 7-kW-Ladeleistung sind die Batteriezellen innerhalb von rund 100 Minuten zu 80 Prozent gefüllt. Mit einem Preis von mindestens 70.774,23 Euro ist der Jaguar F-Pace allerdings kein Schnäppchen. (Wolfgang Gomoll / press-inform)

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