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Honda e im Test: Der schicke Stromer enttäuscht vor allem in einer Disziplin

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Von: Sebastian Oppenheimer

Der Honda e verbindet aktuelle Technik mit urbanem Design. Doch der schicke Stromer hat auch einen üppigen Preis – und enttäuscht in einer wichtigen Disziplin.

Tokio – Der Honda e ist eines der wenigen Automodelle, das die vielgelobte Optik einer Messestudie inklusive technischer Gimmicks nahezu unverändert in die Serie übernommen hat. Das schnörkellose Design verbindet Kleinwagen-Niedlichkeit mit urbaner Eleganz und Tradition mit Zukunft. Für Letzteres stehen beispielsweise die die Spiegel ersetzenden Kameras und die riesigen Displays. Für die Vergangenheit die Anklänge an den Honda N 600 der 1960er-Jahre, wobei nicht wenige auch an den ersten VW Golf erinnert werden. Das sind ja mal keine schlechten Vorbilder. 

Honda e im Test: Der pfiffige Stromer patzt vor allem in einer Disziplin

Im Interieur kennt der Honda e keine Vergangenheit. Hier dominiert die Zukunft in Form von zwei Displays für die Kameras außen und einem riesigen Display – genau genommen sind es mehrere, die nahtlos ineinander übergehen und den vorderen Querträger zum Bildschirm machen. In unserem Testwagen kombinierte Honda graue Stoffsessel mit Holzapplikationen an Mittelkonsole, Türen und Dashboard. Sehr schick und ein wenig Lounge-artig. Das sieht gut aus und fühlt sich auch gut an. Zudem bietet der Kleinwagen sehr gute Platzverhältnisse vorne. Dass in Autos dieser Größe der hintere Platz nur noch als Ablage taugt, ist normal und ändert sich nur, wenn eine kleinere Person lenkt. (China-Hammer: Billig-E-Auto überholt Tesla Model 3 bei Verkaufszahlen – mit krassem Winzig-Preis)

Fahraufnahme eines Honda e
Das Fahren mit dem Honda e macht Spaß – doch die Batterie des Japan-Stromers ist arg klein geraten. © Honda

Honda e im Test: Fahren macht vor allem in der Stadt Spaß

Lenken klappt hervorragend. Der Honda e ist das erste reine Elektroauto der Marke und so nutzte man die Chance, um eine komplett neue Bodengruppe zu entwickeln: mit Hinterradantrieb und unten platzierter Batterie. Dadurch fehlen an den Vorderrädern jegliche Einflüsse der Kraftübertragung, was zum Beispiel dazu beiträgt, den Wendekreis mit 9,20 Metern extrem klein und das Auto entsprechend wendig zu halten. Es macht Spaß, mit dem Honda durch die Stadt zu wuseln, aber auch auf Landstraßen und Autobahnen fühlt er sich dank guter und zugleich komfortabler Abstimmung wohl. (Neuer Hyundai Ioniq 5: Dieser Stromer lässt sich nicht nur per Kabel laden)

Blick in den Innenraum des Honda e
Im Innenraum ist der Honda e erfrischend anders gestaltet – man fühlt sich fast wie in einer Lounge. © Honda

Honda e im Test: Der Akku des Japaners ist ziemlich klein geraten

Honda spendiert dem e wahlweise einen E-Motor mit 113 kW (154 PS) oder 100 kW (136 PS). Unser Testwagen verfügte über den stärkeren. Wenn nötig, beschleunigt er in 8,3 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h, bei 145 km/h wird zur Schonung der Batterie abgeregelt. Das ist auch gut so. Denn die ist relativ klein. 35,5 kWh speichert der Akku, was bei einem WLTP-Normverbrauch von 17,8 kWh je 100 Kilometer zu einer recht übersichtlichen Reichweite von 210 Kilometern führt. Honda nennt das Rightsizing, also Anpassung der Batteriegröße an den eher urbanen Einsatzzweck. Das kann man so machen, muss sich allerdings der damit verbundenen Einschränkungen bewusst sein. Aufgeladen wird der Akku beispielsweise an einer Wallbox, dann mit 6,6 kW in der Stunde, oder an einer Schnellladesäule mit maximal 56 kW. (Opel Mokka-e im Test: Ein absoluter Hingucker – doch der Antrieb des kleinen SUV enttäuscht)

Honda e im Test: Bei eisigen Temperaturen kommt man etwa 100 Kilometer weit

Der WLTP-Verbrauch bildet bekanntlich nicht die Wirklichkeit ab. Schon gar nicht im Winter. Bei durchaus gemäßigter Fahrweise verbrauchten wir immer mindestens 25 kWh, gerne aber auch mehr. Entsprechend zeigte der Bordcomputer morgens nach einer Nacht an der Wallbox bei tatsächlich eisigen Außentemperaturen Reichweiten von lediglich 100 Kilometern an. Die waren durchaus realistisch, denn unsere Testrunde mit Landstraße, Ortsdurchfahrten und Autobahn über rund 95 km absolvierten wir mit einer Restreichweite von 6 km. Damit ist man an der Grenze dessen unterwegs, die dem normalen Pendler zuzumuten sein dürfte und in etwa auf dem Niveau der ersten E-Modelle vor einigen Jahren liegt.

Ein Honda e
Der Honda e ist ein pfiffiger E-Kleinwagen, doch sein Preis ist schon etwas happig. © Honda

Honda e im Test: Der Preis ist auch abzüglich der Innovationsprämie üppig

Honda versüßt den Insassen den Aufenthalt an Bord mit einer komplexen und bunten Displaywelt, in der auch der Beifahrer sein Touch-Panel hat. Man kann die jeweiligen Anzeigen, zumindest die meisten davon, einfach umschalten, also von rechts nach links wechseln – je nachdem, was gerade gefragt ist. Im Normalfall, wenn man keinen Film gucken oder sonstige Infos betrachten will, schaltet das Display auf den vorher ausgewählten Hintergrund. Werksseitig waren unter anderem rote Blüten im Angebot, was dann doch etwas sehr an Blumenkästen erinnert. Nach dem beliebten Motto „Alles kann, nichts muss“ hat man dankenswerterweise einen Schalter unter dem Display platziert, mit dem man die Bilder- und Infoflut einfach ausschalten kann. Dann bleibt nur ein kleines Display vor dem Fahrer und zeigt Tempo, Reichweite und alles, was man zum Fahren braucht. 

Technische Daten Honda e Advance
Motor/AntriebDC-Elektromotor / HInterradantrieb
Leistung/Drehmoment113 kW (154 PS) / 315 Nm
Länge/Breite/Höhe3,90 / 1,75 / 1,51 m
Vmax/0–100 km/h145 km/h / 8,3 s
Akku-Kapazität35,5 kWh
Reichweite210 km (WLTP)
Kofferraumvolumen171 – 571 Liter
Basispreis38.000 Euro

Hier wäre durchaus Sparpotenzial vorhanden, denn das größte Manko des kleinen Japaners ist sein Preis. Glatte 38.000 Euro sind auch für einen nobel ausgestatteten Stadtwagen ziemlich viel, selbst wenn man 9.570 Euro Innovationsprämie abziehen kann. Dafür gibt es anderswo – unter Verzicht auf schicke Kameras und digitale Blumenkästen – deutlich mehr E-Auto mit alltagstauglicheren Reichweiten. (Von Günter Weigel/SP-X)

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