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Genesis GV80: Hat das SUV der Hyundai-Edelmarke in Deutschland eine realistische Chance?

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Von: Marcus Efler

Hyundais Edelmarke Genesis startet mit dem SUV GV80 in Deutschland. Kann es gegen die hiesigen Platzhirsche bestehen? Ein Experte ist eher skeptisch.

Offenbach – So langsam will es der Hyundai-Konzern wissen. Als wäre es nicht genug, dass die Koreaner mit ihrer Kernmarke und mit Kia den VW-Konzern gehörig in die Zange nehmen, drängen sie jetzt mit dem luxuriösen Ableger Genesis auch noch ins Oberhaus. Daheim und in Amerika schon seit ein paar Jahren erfolgreich auf den Spuren von Lexus und Infiniti, startet Genesis im Sommer nun auch im Heimatland von BMW, Audi und Mercedes. Als Türöffner setzen die Koreaner dabei neben der Limousine G80 vor allem auf ihr erstes SUV, den GV80, das für Preise ab 62.200 Euro an den Start geht. (Hyundai: Dieser Edel-Ableger soll BMW, Audi und Mercedes Paroli bieten)

Genesis GV80, fahrend von schräg vorn

Nein, kein Bentley: Das ist der Genesis GV80 auf Deutschland-Kurs. © Hyundai

Genesis GV80: Hat das SUV der Hyundai-Edelmarke in Deutschland eine Chance?

Mit einer Länge von 4,95 Metern und einer 500 Euro teuren dritten Sitzreihe spielt der GV80 zwar in einer Liga mit Audi Q7 oder Mercedes GLE – sieht aber auf den ersten Blick ein bisschen aus wie ein Bentley Bentayga, der vor der Midlife-Crisis ins Sportstudio geflüchtet ist: Irgendwie bullig und barock, aber doch schlank und muskulös mit seinen doppelten Blinkerleisten. Innen ist der GV80 einem Bentley ebenfalls näher als einem Benz: Zumindest in den gehobenen Varianten sind die Polster aufwendig gesteppt. Es gibt offenporiges Holz und viel blankes Metall, und sogar ein paar Bedienelemente – wie etwa das Touchpad auf der Mittelkonsole – die wirken, als wären sie aus Milchglas geschliffen. Und natürlich sind die Sitze nicht nur vielfach elektrisch verstellbar und klimatisiert, sondern massieren die Insassen auch mit individuellen Programmen, die von der Elektronik automatisch auf den jeweiligen Körperbau zugeschnitten werden. (Hyundai: Neue Marke nur für Elektroautos – Name setzt sich zusammen aus ...)

Genesis GV80, fahrend von schräg hinten

Auch von schräg hinten wirkt der GV80 elegant. © Hyundai

Genesis GV80: Wunsch und Wirklichkeit wollen nicht zusammenpassen

Das sieht alles fein aus und funktioniert tadellos, wirkt allerdings sehr klassisch und konservativ in einer Zeit, in der schon Luxusmarken mit der Generation iPhone flirten. Auch beim Fahren wollen Wunsch und Wirklichkeit nicht so recht zusammenpassen: Zwar wirkt der GV80 trotz seines stolzen Formats schnittiger als etwa ein Audi Q7. Doch darf man sich vom sportlichen Look nicht täuschen lassen. Nicht nur, dass die Motoren beim Kräftemessen mit der Konkurrenz das Nachsehen haben und die Fahrleistungen entsprechend schlechter sind: Auch die Abstimmung zeugt eher von Gelassenheit denn von Angriffslust. Selbst im Sportmodus bleibt der GV80 ein kommoder Gleiter, der sich nur schwer aus der Ruhe bringen lässt. So bügelt das vorausschauende Fahrwerk mit Kamerasteuerung für die adaptiven Dämpfer auch üble Pisten glatt. (Golf-Star Tiger Woods bei Unfall mit Genesis GV80 schwer verletzt – wird er wieder gehen können?)

Innenraum des Genesis GV80

Edel, aber konservativ: das Interieur des Genesis GV80 © Hyundai

Genesis GV80: Extras wie Wankstabilisierung oder Hinterachslenkung fehlen

Dafür aber fehlen dem GV80 dynamisierende Extras wie eine Wankstabilisierung oder gar eine Hinterachslenkung. Während man sich auf der linken Spur bis weit jenseits von 200 km/h schnell zu Hause fühlt, fremdelt das Dickschiff mit kurvigen Landstraßen und lässt sich nur mit schwerem Gasfuß zu lustvollen Ausflügen ins Mittelgebirge motivieren. Auch die beiden Motoren bedienen nur bedingt die Standards des Segments. So gibt es weder einen prestigeträchtigen V6-Benziner noch einen politisch korrekten Plug-in-Hybriden, sondern als einzigen Benziner einen 2,5 Liter großen Vierzylinder, der mit tatkräftiger Hilfe eines Turbos und feinfühliger Sortierung einer Achtgang-Automatik immerhin 304 PS leistet – aber mit 10 Litern deutlich mehr verbraucht als beispielsweise ein stärkerer BMW X5. Für 1.200 Euro Aufpreis bieten die Koreaner einen hierzulande wahrscheinlich beliebteren, sparsameren Reihensechszylinder-Diesel an, der mit 278 PS und 588 Nm die Fuhre in 7,5 Sekunden auf Tempo 100 wuchtet. (Genesis GV70: Schon 2021 will er es mit diesen deutschen Mittelklasse-SUV aufnehmen)

Technische Daten Genesis GV80 (Diesel)
Motor/Getriebe/Antrieb3,0l-Reihensechszylinder-Diesel / 8-Gang-Automatik / Allrad
Leistung/Drehmoment204 kW (278 PS) / 588 Nm bei 1.500 – 3.000 U/min
Länge/Breite/Höhe4,95 / 1,98 / 1,72 m
Vmax/0–100 km/h230 km/h / 7,5 s
Normverbrauch8,2 Liter/100 km
CO2-Ausstoß214 g/km
Basispreis63.400 Euro

Für die entspannte Landpartie mit der Familie gibt es wahrscheinlich kaum einen besseren Begleiter, doch für den sportlich orientierten Europäer bauen andere Hersteller passendere Autos. Um gegen die deutschen Platzhirsche noch ein paar Punkte gut machen zu können, müsste Genesis in irgendeiner Disziplin deutlich mehr bieten als das Trio aus dem deutschen Süden. „Der Marke fehlt das Einzigartige, das Besondere“, glaubt Automobilwirtschaftler Prof. Ferdinand Dudenhöffer. Sie habe im Gegensatz zu Tesla keine durchschlagende Innovation und anders als Mercedes oder BMW keine lange Geschichte. Seine düstere Prognose: „Deshalb wird sie in Europa als Tiger starten und als Bettvorleger enden.“ (Von Benjamin Bessinger/SP-X)

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