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Genesis G70 2.0 T AWD im Test: Guter Motor mit kleinem Manko

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Von: Sebastian Oppenheimer

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Mit mehr Luxus ist der Genesis G70 ein echter Gegner für das deutsche Premiumtrio – denn auch auf der Straße weiß der Koreaner zu glänzen.

Seoul – Anfangs war Genesis gerade in Europa mit seinen emsigen Marktanstrengungen eher belächelt worden. Der immer wieder verzögerte offizielle Start machte es der zum Hyundai-Konzern gehörigen Marke nicht einfacher. Doch es überrascht, wie schnell Genesis nunmehr ein neues Modell nach dem anderen vorstellt – und auf den Markt bringt. So gab es noch vor dem offiziellen Start das edle Oberklasse-Doppelpack aus G80 sowie GV80 und jetzt kommt eine Liga darunter gleich das Triumvirat aus G70, G70 Shooting Brake und GV70.

Wer eine klassische Limousine bevorzugt und sich bisher für einen Audi A4 oder einen BMW 3er interessierte, dürfte sich auch für den 4,69 Meter langen G70 erwärmen können, der sich mit seinen Vierfach-Leuchten in der Designsprache der größeren Modelle präsentiert und insbesondere wegen seines stattlichen Kühlergrills nicht nur im Rückspiegel des Vorausfahrenden Eindruck schindet. Die kurzen Überhänge machen die Limousine noch schicker. (Genesis GV80: Hat das SUV der Hyundai-Edelmarke in Deutschland eine realistische Chance?)

Ein Genesis G70
Den Genesis G70 gibt es aktuell nur als Vierzylinder – das Topmodell leistet 180 kW (245 PS). © press-inform

Genesis G70 2.0 T AWD im Test: Klasse Motor mit kleinem Manko

Für den Antrieb gibt es etwas überraschend nur Vierzylinder: einen Diesel, zwei Benziner, aber keinen Plug-in-Hybrid. Hier scheinen sich die Koreaner auf eine komplette Elektrifizierung vorzubereiten. Topmodell ist der gut motorisierte Zweiliter-Turbo, der in seiner stärkeren Variante 180 kW / 245 PS und ein maximales Drehmoment von 353 Nm liefert. Aus dem Stand geht es in 6,6 Sekunden auf Tempo 100 – der Viertürer erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h.

Der Motor hängt direkt am Gas und bietet gerade aus mittleren Drehzahlen viel Fahrfreude, jedoch kann der Klang nicht überzeugen. Der wenig sonore Vierzylinder wird aus dem Boxensystem von einem allzu künstlichen Power-Sound übertüncht. Schaltet man die Computertrompeten aus, wird der Klang nicht besser – nur deutlich dünner. Gefallen kann weder das eine noch das andere. (Genesis GV70 im Test: Kann das Edel-SUV gegen Audi, BMW und Mercedes bestehen?)

Ein Genesis G70
Das „Vier-Augen-Gesicht“ der Front spiegelt sich auch in den Heckleuchten des Genesis G70 wider. © press-inform

Genesis G70 2.0 T AWD im Test: Verbrauch auf Sechszylinder-Niveau

Schade, weil die Kombination aus aufgeladenem Vierzylinder und achtstufiger Getriebeautomatik durchaus passt. Anders sieht das Ganze bei den Fahrprogrammen aus, denn neben dem Normal-Modus wirkt der Eco-Modus besonders träge und die Sport-Modi wollen einfach zu viel des Guten. Lässig und souverän ist anders und wer sich das gut abgestimmte Fahrwerk des Genesis G70 und den sinnvollen Allradantrieb anschaut, fragt sich ohnehin, wieso es keinen leistungsstärkeren Sechszylinder gibt, um gegen Wettbewerber wie Audi S5 oder BMW M340i anzutreten?

Und wer die Motorhaube öffnet, sieht rund um den zwei Liter großen Vierzylinder, der in einer schwächeren Variante auch mit 197 PS zu bekommen ist, ohnehin viel Platz für weitere Brennkammern. Hoffen kann man ja, dass noch ein mehrzylindriges Triebwerk im G70 landet, der eben auch als Kombi und SUV angeboten wird. Der Normverbrauch ist mit 9,1 Litern pro 100 Kilometer ohnehin bereits auf dem Niveau eines Sechszylinders. (Genesis GV60: E-Auto von Hyundai-Edelmarke kommt mit speziellen Außenspiegeln)

Blick ins Cockpit eines Genesis G70
Im Innenraum macht der Genesis G70 einen hervorragenden Eindruck. © press-inform

Genesis G70 2.0 T AWD im Test: Innenraum kann voll überzeugen

Einen sehr guten Eindruck macht der Genesis G70 wie schon seine großen Brüder im Innenraum. Hier geht es modern, aber nicht allzu innovativ zu. Dafür gibt es mehr Luxus und Noblesse als bei der Konkurrenz. Die klimatisierten Ledersitze sind exzellent und gerade für längere Fahrten ein Volltreffer. Das 12,3-Zoll-Kombiinstrument hat man sich beim aktuellen BMW 7er abgeschaut und das Zentraldisplay mit einer Diagonale von zehn Zoll ist ebenfalls sehr übersichtlich – was man nicht von allen Untermenüs und der Bedienung sagen kann. Dabei bleibt Geschmacksache, dass sich der Totwinkelwarner beim Blinken links in den Tacho und rechts in den Drehzahlmesser einblendet. Gerade bei Dunkelheit nicht immer ein Gewinn, doch allemal eine wichtige Sicherheitsausstattung, die man jedoch auch anders hätte lösen können. Wer auf der Autobahn häufig überholt, ist von den wechselnden Projektionen hinter dem griffigen Steuer jedenfalls schnell genervt.

Technische Daten Genesis G70 2.0 T AWD
Motor/Getriebe/AntriebVierzylinder-Benziner / 8-Gang-Automatik / Allrad
Leistung/Drehmoment180 kW (245 PS) / 353 Nm
Vmax/0–100 km/h240 km/h / 6,6 s
Leergewicht1.740 kg
Ladevolumen330 Liter
Normverbrauch9,1 l/100 km
CO2-Ausstoß206 g/km
Preis48.490 Euro

Genesis G70 2.0 T AWD im Test: Das kostet der Koreaner in der Basis

Das Platzangebot ist nicht die große Stärke des Genesis G70. So bequem es vorne zugeht, so überschaubar ist der Platz im Fond, wenn vorne Insassen mit Gardemaß sitzen. Noch schmaler wird es im Laderaum, denn hier glänzt nur die elektrische Heckklappe. Die 330 Liter Volumen sind auch in dieser Klasse einfach zu wenig. Der Basispreis für den 197 PS starken Genesis G70 Benziner mit Hinterradantrieb startet bei 39.100 Euro. Die exzellent ausgestattete Topversion des G70 2.0 T Luxury mit 245 PS und Allradantrieb kostet 48.490 Euro. Wer einfach einmal etwas anderes als Audi A4, BMW 3er oder Mercedes C-Klasse fahren möchte, ist mit dem Genesis G70 aber ganz gut bedient, wenn es kein Plug-in-Hybrid oder ein Elektromodell sein soll. Und wir träumen einfach weiter von einem Sechszylinder, der bestens in den G70 passen würde. (Von Stefan Grundhoff/press-inform)

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