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Ford Bronco im Test: So fährt sich der Jeep-Wrangler-Herausforderer

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Von: Marcus Efler

Der neue Ford Bronco tritt als urwüchsiger Allradler fürs Gelände an. Hat der Konkurrent des Jeep Wrangler in Deutschland eine realistische Chance?

Dearborn (USA) – Die beiden Mittfünfziger am Fischereihafen von Oceanside im Süden Kaliforniens sind ganz aus dem Häuschen, als sie den knallroten Ford Bronco auf dem Parkplatz sehen. „Ist der endlich auf der Straße?“, sagt der grauhaarige Angelfan, „sieht super aus. Ich wollte mir auch einen bestellen. Aber keiner der Händler konnte mir sagen, ob der im Frühjahr auch lieferbar gewesen wäre.“ Auch der andere Sonnenanbeter hat gleich das Smartphone gezückt und rundherum Fotos von dem neuen Offroader gemacht. „Ich würde ihn sofort nehmen“, strahlt er unter seiner Basecap hervor, „wenn ich Ihnen 100.000 US-Dollar geben würde – wie wär’s? Geben Sie mir ihn?“ (Ford F-150 Lightning: Elektrischer Pick-up zum Kampfpreis – nur nicht bei uns)

Ford Bronco, stehend
Optisch und technisch ein echter Kraxler: der neue Ford Bronco © Stefan Grundhoff/press-inform

Ford Bronco im Test: So fährt sich der Jeep-Wrangler-Herausforderer

Die Neuauflage des Klassikers Bronco weckt Begehrlichkeiten. Der 4,41 Meter lange Offroader, der auch als Viertürer mit längerem Radstand zu bekommen ist, hat in erster Linie den urigen Jeep Wrangler im Visier. Die Stellantis-Manager konnten sich bislang darüber freuen, dass es eigentlich keinen Konkurrenten mehr für ihren Geländewagen gab: Der Land Rover Defender ist seit seiner Neuauflage nicht wiederzuerkennen, die Mercedes G-Klasse wurde spätestens in den frühen 2000er-Jahren ebenso zum teuren Luxuskraxler wie der Toyota Land Cruiser. Diese Lücke hat Ford erkannt und sie nunmehr mit dem neuen Bronco geschlossen: Ein Auto, das mit seiner kantigen Form bereits vor dem mehrfach verschobenen Marktstart Kult wurde – und das schon deutlich über Listenpreis gehandelt wird. (Elektrische Mercedes-Benz G-Klasse: Kommt sie zur IAA Mobility 2021?)

Ford Bronco, stehend, von seitlich hinten
Der Ford Bronco zeigt auch in der Heckansicht seine Konkurrenz zum Jeep Wrangler. © Stefan Grundhoff/press-inform

Ford Bronco im Test: Außen urig, aber technisch zeitgemäß

„Wir haben die Bronco-Familie gegründet, um jeden Aspekt des Offroad-Abenteuers zu verbessern, und sie mit erstklassiger Chassis-Hardware und exklusiven Technologien ausgestattet“, wirbt Ford-Chef Jim Farley, und sieht die Robustheit des Pick-ups F-150 mit der Power eines Mustang vereint. Der Kunde hat die Wahl zwischen einem 2,3 Liter großen Vierzylinder-Turbo mit 270 PS, der im Mustang wegen anhaltender Erfolglosigkeit eingestellt wurde, und dem deutlich passenderem V6, der stattliche 310 PS leistet und an eine gut abgestimmte Zehngangautomatik gekoppelt ist. Vor allem aber hat der neue Bronco den Charme und das Design des alten Modells behalten, fährt sich aber wie ein moderner Geländewagen mit zugegeben spürbar hohem Schwerpunkt. Allzu flott sollte man daher auf kurvenreichen Straßen nicht unterwegs sein. Je nach Reifen ist der Bronco bis zu 160 oder 180 km/h schnell und verbraucht in der Praxis 10,8 Liter Super auf 100 Kilometer. (SsangYong Rexton: Das bietet die G-Klasse aus Südkorea)

Interieur des Ford Bronco
Robuster Charme: das Cockpit des Ford Bronco © Stefan Grundhoff/press-inform

Ford Bronco im Test: Optimiert für das Offroad-Abenteuer

Im Normalbetrieb wird die Motorleistung an die Hinterachse übertragen. Über einen Drehschalter am Mitteltunnel lässt sich Allradantrieb oder gar eine Gelände-Untersetzung anwählen. Oben am Armaturenbrett können die Differentialsperren zugeschaltet werden, wenn es abseits befestigter Pisten besonders brenzlig wird. Die stattliche Bodenfreiheit von rund 30 Zentimetern sorgt dafür, dass man bestens auch abseits befestigter Straßen vorankommt. Die Basisversion ist zudem mit einer Siebengang-Handschaltung zu bekommen, die jedoch kaum eine Chance gegen die Automatikversionen haben dürfte. Unterschiedliche Fahrprogramme sorgen dafür, dass der Bronco bestens durch Geröllfelder, Schneepisten, Matsch oder Sand fährt. Die Wattiefe durch Wasser liegt bei über 85 Zentimetern. „Ähnlich wie beim Modell der ersten Generation sind die quadratischen Proportionen, die kurzen Überhänge und die breite Haltung von Bronco für Offroad-Abenteuer optimiert“, erklärt Bronco-Chefdesigner Paul Wraith, „das Seitenprofil verfügt über eine flache, schnörkellose Oberfläche mit klaren Kanten und robust ausgestellten Kotflügeln.“

Ford Bronco 2.7 Ecoboost
Motor/Getriebe/AntriebV6-Benziner / 10-Gang-Automatik / Allrad
Leistung/Drehmoment228 kW (310 PS) / 540 Nm
Länge/Breite/Höhe4,41/1,93/1,85 m
Vmax180 km/h
Testverbrauch10,8 l/100 km
Preisca. 38.000 US-Dollar

Schalter, Bedienmodule und Karosseriedetails: Alles ist wie aus einem Guss und perfekt für ein amerikanisches Freizeitmobil. Dabei ist der Bronco in den Versionen Badlands oder Wildtrak sogar mit Offroad-Reifen bis zu einer Größe von 35 Zoll zu bekommen. Mit einigen Handgriffen lassen sich bei Zwei- und Viertürer die Dachmodule in einzelnen Segmenten entfernen und etwas umständlich hinten im Fahrzeug verstauen, wo die Rücksitze sowieso eher zum Umklappen denn zum realen Personentransport taugen. Neben diesem mehrteiligen Hartschalendach gibt es auf Wunsch auch ein Softtop, wobei sich die rahmenlosen Türen mit etwas mehr Aufwand ebenfalls entfernen lassen – ganz wie beim Jeep Wrangler. Auch beim Preis spielen die beiden in einer Liga. Das Basismodell des Ford Bronco 2.3 startet bei 28.500 US-Dollar. Kauftipp ist der Outer Banks mit dem 2.7-Ecoboost-V6-Motor, der mit Teilledersitzen, dem Luxuspaket nebst Sound- und Navigationssystem sowie ein paar netten Details statt der 38.000 dann knapp 51.000 US-Dollar kostet. So wäre der Ford Bronco auch in Europa ein Renner – ob und wann er es über den großen Teich unter anderem nach Deutschland schafft, ist allerdings noch offen. Wir sagen: Bitte möglichst schnell! (Von Stefan Grundhoff/press-inform)

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