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McLaren 720S GT3X im Test: So extrem war noch kein Brite

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Von: Marcus Efler

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Für den schnellsten McLaren außerhalb der Formel 1 haben die Entwickler alles Hightech verbaut, das sie finden konnten. Und so fährt er sich.

Los Arcos (Spanien) – Die Kurvenkombination vor der langen Start-Ziel-Geraden auf dem „Circuito de Navarra“ ist nur der Prolog vor dem wilden Sturm. Der kurze Linksknick geht noch mit Volllast, aber wer hier zu spät in die Bremsen steigt, zahlt bei der folgenden engen Rechts und vor allem dann beim Geradeausstück mit Tempoverlust. Also mit Schmackes und trotzdem gefühlvoll rauf aufs Bremspedal und gleichzeitig den McLaren 720S GT3X ausrichten. (McLaren Albert Speedtail by MSO: Seltsam aussehender Extrem-Sportler)

McLaren 720S GT3X im Test: So extrem war noch kein Brite

Der Stunt gelingt. Die Schnauze der Briten-Flunder biegt sofort in die Kurve und wir können schon kurz vor dem Scheitelpunkt aufs Gas. Die Leuchtdioden schnellen nach rechts. Mit dem Schaltpaddel schnalzen wir die Gänge rein, hinter uns kreischt und sägt der Vierliter-Achtzylinder-Biturbo voller Inbrunst.

Schon vor der Zielgeraden ist die sechste Stufe des sequenziellen Getriebes erreicht, und wir drücken den gelben Knopf ganz links oben auf dem Steuer. „PTP“ steht für „Push to Pass“ (drücken, um zu überholen) und setzt 30 PS zusätzlich zu den 720 PS frei. „Go! Baby go!“, feuert uns das Display an. Die Extra-Vitamine wuchten den 1.210 Kilogramm schweren GT-Sportler nach vorne. Schon am Ende der Geraden wartet die nächste knifflige Aufgabe: erst ein schneller Rechtsknick, auf den zwei Kurven folgen, von denen die letzte massiv zumacht. Wieder sind die Pirelli-Slicks im Zusammenspiel mit dem mächtigen Heckspoiler gefordert. (McLaren 765LT Spider: Briten bauen stärkstes Cabrio aller Zeiten)

McLaren 720S GT3X im Test: Das dunkle Biest lässt sich sauber dirigieren

Kein Problem. Das dunkle Biest sieht zwar furchteinflößend aus, lässt sich aber sauber dirigieren. Wir konzentrieren uns auf jeden Zentimeter Asphalt. Dieser McLaren, von dem nur 15 Exemplare gebaut werden, hat den „Hill Climb“ beim „Goodwood Festival of Speed“ gewonnen und diesen Anstieg feuern nur Könner mit Raketen hoch. Wenn also ein Auto das Prädikat „Track Tool“ verdient, dann dieses.

McLaren 720S GT3X, auf der Rennstrecke fahrend
Boden-Rakete: der McLaren 720S GT3X auf der Rennstrecke © McLaren

„Wir haben geschaut, was wir ohne Einschränkungen machen können, um eine optimierte Version des McLaren GT3 zu kreieren“, erklärt Chef-Designer Sam Purvis. Die Vorgabe war eindeutig: Einfach den schnellsten McLaren außerhalb der Formel 1 zu bauen. Mission erfüllt! Der 720S GT3X nimmt dem auch nicht langsamen GT3 auf dieser Rennstrecke rund fünf Sekunden pro Runde ab. Das sind Welten. (McLaren Elva im Test: Der Bolide hat weder Dach noch Windschutzscheibe – aber 815 PS)

McLaren 720S GT3X im Test: Technik für zukünftige Modelle

Doch hinter dem internen Aufrüsten steckt noch mehr: Der 720S GT3X dient als rollendes Labor und einige der Verbesserungen werden in zukünftigen Modellen der britischen Sportwagen-Schmiede zu finden sein. Deswegen lohnt ein Blick in die Geheimnisse des GT-Renners, der auch im Kundensport eingesetzt wird. Mehr als 90 Prozent der Teile wurden von der Serienversion des McLaren 720S übernommen, doch der Rest hat eine große Wirkung.

Heck des McLaren 720S GT3X
Spoiler und Diffusor entstanden im Formel-1-Windkanal. © Patrick Gosling/Beadyeye/McLaren

Im Zentrum steht der handgefertigte, doppelt aufgeladene Achtzylinder, bei dem die Ingenieure an einigen Stellschrauben gedreht haben. Ergebnis: ein optimierter Zylinderkopf, verstärkte Kolben, größere Turbolader und ein verbesserter Ansaugtrakt. Damit steigt die Leistung gegenüber dem 720S GT3 um gut 200 PS, dazu kommt noch die „Go! Baby go!“-Extrapower. Passend zur gesteigerten Leistung erhalten auch die vom GT3 übernommenen Bremsen eine bessere Kühlung. (McLaren Senna Can-Am: Darum kostet dieser Supersportler mehr als drei Millionen US-Dollar)

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McLaren 720S GT3X im Test: Aerodynamik aus dem Formel-1-Windkanal

Die gesamte Aerodynamik der Verbundwerkstoff-Karosserie erhielt im Formel-1-Windkanal den Feinschliff inklusive Heck samt imposantem Spoiler und dem optimierten Unterboden samt Diffusor. Als wenn das Überholen eines McLaren 720 GT3X nicht schon schwer genug wäre, haben die Briten noch Radarsensoren ins Heck gepackt, die den Fahrer warnen, wenn sich Konkurrenten von hinten nähern.

Cockpit des McLaren 720S GT3X
Im Cockpit herrscht Renn-Atmosphäre pur. © Patrick Gosling/Beadyeye/McLaren

Am Lenkrad lassen sich per Drehschalter das Motor-Mapping, das ABS, die Bremsbalance und die Traktionskontrolle verstellen und auf dem Display alle Parameter wie Reifendruck, Motor- und Bremsentemperatur sowie die Rundenzeiten ablesen. Das ist Racing pur. Wer jetzt Lust auf die Jagd nach Bestzeiten bekommen hat, sollte schon mal mehr als 700.000 Euro auf die Seite legen. (Von Wolfgang Gomoll/press-inform)

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