1. 24auto
  2. Tests
  3. Fahrbericht

Range Rover P530 im Test: Der neue Offroader ist noch komfortabler geworden

Erstellt:

Von: Marcus Efler

Kommentare

Mit dem neuen Range Rover ist dem britischen Autobauer ein richtig gutes Automobil gelungen. Er startet mit V8 von BMW, doch auch effizientere Antriebe sind lieferbar.

Solihull (Großbritannien) – Wenn es um die Tradition geht, verstehen die Briten wenig Spaß. Und bei Ikonen wie dem Range Rover schon gleich zweimal nicht. Eine optische Radikalkur des Luxus-SUV würde in den Gentlemen’s Clubs zwischen London und Newcastle ebenso für heftige Missbilligung sorgen wie bei den Kunden in aller Welt. Also ziert auch die fünfte Generation des Range Rovers das vertraute Gesicht, die Silhouette samt der leicht abfallenden Dachlinie bleibt unverkennbar.

Nur am Heck wagt die Truppe um Gerry McGovern, Chefdesigner von Jaguar Land Rover, eine Erneuerung: Eine Spange, die quer über die ganze Breite des Autos reicht, formt mit zwei senkrecht nach unten verlaufenden Leisten einen Sichelbogen. Die beiden vertikalen Elemente dienen nicht nur der Dekoration, sondern sind zugleich auch die LED-Heckleuchten und verhelfen dem Range Rover vor allem bei Dunkelheit zu einem standesgemäßen Auftritt.

Ranger Rover P530, fahrend
Auch der neue Range Rover zeigt die vertrauten Proportionen. © Jaguar Land Rover

Range Rover P530 im Test: Der neue Offroader ist noch komfortabler geworden

So vertraut die Optik, so neu ist die Technik. Der neue Luxus-Offroader aus dem indischen Tata-Konzern basiert auf einer Plattform, die nicht nur eine normale Version mit 5,05 Metern Länge sowie eine lange 5,25 Meter Variante ermöglicht, in die drei Sitzreihen passen, sondern auch hilft, die Karosserie um 50 Prozent steifer zu gestalten als beim Vorgänger. Zusammen mit dem Zweikammer-Luftfahrwerk ergibt das eine deutliche Komfortsteigerung: Wir waren im Topmodell P530 unterwegs, das immerhin 2.585 Kilogramm auf die Waage bringt – und das Fahrwerk löste jede Aufgabe mit Bravour. Selbst schlechte Straßen werden im Komfort-Modus souverän glattgebügelt.

Range Rover P530, von seitlich hinten, fahrend
Die Heckansicht wirkt schon deutlicher modernisiert. © Jaguar Land Rover

Range Rover P530 im Test: Wer Komfort möchte, bekommt ihn

Wer also Komfort will, bekommt ihn im Range Rover auch. Die Karosserie wirkt indes ziemlich entkoppelt und wippt bei aufeinanderfolgenden Unebenheiten etwas nach. Wer es straffer will, wechselt auf guten Straßen in den Dynamic-Modus. Ansonsten wählt man Automatik und überlässt dem System die Entscheidung. Unkommod ist der Range dabei niemals, alles andere würde seiner Natur widersprechen. Dazu passt auch, dass trotz der 48-Volt-Wankstabilsierung mithilfe zweier Stabilisatoren, die ein Elektromotor gegeneinander verwindet, die Karosserie dem Fahrer nie eine trügerische Sicherheit vorgaukelt, wenn es schnell in die Kurve geht. Allerdings greift im Falle des Falles die Fahrstabilitätsregelung ESC ziemlich ruppig ein.

Range Rover P530 im Test: Wendig dank Hinterachslenkung

Unter der Haube steckt ein Biturbo-V8 von BMW mit 530 PS, der wie gemacht scheint für den Luxus-Briten. Nach 4,6 Sekunden erreicht man aus dem Stand die 100-km/h-Marke, und ist bis zu 250 km/h schnell. Doch diese Daten geben nur unvollständig wieder, wie souverän man unterwegs ist. Auf der Straße spielt der Range Rover in einer eigenen Liga. Unangestrengt und souverän gleitet er dahin, allerdings muss man den Tachometer ständig im Blick haben, um nicht Gefahr zu laufen, seinen Führerschein abgeben zu müssen.

Interieur des Range Rover
Das Interieur verbindet edle Materialien mit moderner Technik. © Jaguar Land Rover

Dank der Hinterachslenkung, welche die Räder bis zu 7,3 Grad einschlägt, ist der Range Rover trotz seiner stattlichen Abmessungen (und auch in seiner Langversion) ziemlich wendig. Dank des längeren Radstandes agiert der Range Rover noch unaufgeregter und lässt sich dennoch ziemlich flott durch enge Kurven zirkeln.

Noch mehr spannende Auto-Themen finden Sie in unserem kostenlosen Newsletter, den Sie gleich hier abonnieren können.

Range Rover P530 im Test: Eine voll elektrische Version folgt 2024

Ein Level unter dem V8 rangiert ein elektrifizierter Sechszylindermotor samt Mildhybridsystem mit völlig ausreichenden 400: eine echte Alternative für diejenigen, die keine 180.400 Euro für die extrastarke First Edition ausgeben wollen oder können. Allerdings sind die 141.600 Euro für den P400 HSE AWD auch kein Schnäppchen. Dafür gehört das von den Engländern selbst entwickelte Aggregat ebenfalls zu den Leisetretern seiner Zunft. Noch leiser ist man natürlich mit zeitgemäßer Elektrifizierung unterwegs – in einer der beiden Plug-in-Versionen, oder in zwei Jahren voll-elektrisch. Für den europäischen Markt dürften bis dahin vor allem die Diesel-Versionen ab 240 PS und knapp 126.000 Euro eine wichtige Rolle spielen.

Range Rover P530
Motor/Getriebe/Antrieb4,4l-V8-Biturbo/8-Gang-Automatik/Allrad
Leistung/Drehmoment390 kW (530 PS) / 750 Nm
Länge/Breite/Höhe5,05/2,05/1,87 m
Kofferraumvolumen818 – 1.841 l
Vmax/0–100 km/h250 km/h / 4,6 s
Normverbrauch/CO2-Emission12,8 l/100 km / 294 g/km
Preis180.400 Euro
Basispreis Range Rover D250125.900 Euro

Auch im Innenraum des Range Rovers geht es, auch dank Kopfstützen mit Noise-Cancelling-Technologie, extrem ruhig zu. Vor allem im Fond herrscht eine angenehme Stille. Man fühlt sich wie in einer rollenden Trutzburg auf einem bequemen Sofa mit feinstem Leder und dicken Polstern im Thronsaal mit viel Beinfreiheit – gerade in der Langversion. Auch beim Infotainment legen die Briten zu: Updates Over-the-Air sind selbstverständlich, und das Cockpit ist sichtlich entschlackt. Bei dem Touchscreen, der von elf auf 13,2 Zoll gewachsen ist, muss man die virtuellen Knöpfe mit haptischen Feedback aber genau treffen und mit einem gewissen Nachdruck betätigen.

Range Rover P530 im Test: Auch innen endlich mit zeitgemäßer Technik

Auch das 13,7 Zoll Display, auf dem die virtuellen Instrumente dargestellt werden, ist gestochen scharf, aufgeräumt und einfach abzulesen, dazu wurde das Head-up-Display verbessert. Außen wie innen ist der Range Rover also endlich in der Moderne angekommen. Denn auch die Briten wissen: Wer sich zu lange allein auf seine Tradition verlässt, fährt irgendwann hinterher. (Wolfgang Gomoll/press-inform)

Auch interessant

Kommentare