1. 24auto
  2. Tests
  3. Fahrbericht

Rivian R1T im Test: Der Rivale des Tesla Cybertruck ist schon da

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Marcus Efler

Kommentare

Elektrische Pick-ups gelten in den USA als künftiges Boom-Segment. Jetzt bringt das Start-up Rivian seinen R1T auf die Straße – der einen Porsche Taycan glatt stehen lässt.

Los Angeles (USA) – Die Amerikaner und das Abenteuer: Das ist eine unendliche Geschichte, seitdem die ersten Siedler mit ihren Planwagen gen Westen aufbrachen. Und wer heute etwas auf sich hält in Kalifornien, Colorado oder Oregon, der fährt mit archaischen Pritschenwagen in die Pampa, um von dort aus die Wüste zu durchwandern oder die Berge zu erklimmen. Falls er das auch noch in Zukunft so machen will, fährt er dabei möglicherweise einen Rivian. Oder zählt zumindest zu den mehr als 70.000 Vorbestellern.

Denn noch bevor Tesla seinen Cybertruck fertig hat und Chevrolet den Silverado EV, allerdings nach dem begehrten Ford F-150 Lightning, hat das Start-up seinen elektrischen Lademeister in den Handel gebracht. Wenn 2024 das Basismodell kommt, wird es den 5,51 Meter langen R1T bereits ab 67.500 Dollar (ca. 64.500 Euro) geben. Wer jetzt schon damit rumfährt, hat mindestens 85.000 Dollar (fast 81.000 Euro) bezahlt. Und wer im Webshop alle Kreuzchen macht, kommt auch auf sechsstellige Summen.

Rivian R1T im Fahrtest
Der Rivian R1T hebt sich beim Design deutlich von konventionellen Trucks ab. © Rivian

Rivian R1T im Test: Der Rivale des Tesla Cybertruck ist schon da

Gegenüber den gut 30.000 Dollar, die konventionelle Pick-up-Trucks kosten, ist das natürlich ein kräftiger Aufschlag. Doch für ein Elektroauto ist er ein Schnäppchen. Denn der Rivian hat nicht nur größere Akkus als ein Porsche Taycan, sondern mit rund 845 PS auch mehr Leistung. Und selbst wenn die Höchstgeschwindigkeit auf 200 km/h limitiert ist, was schon mehr ist als bei den allermeisten Pick-ups alter Schule, beschleunigt er dabei auch noch besser: Von 0 auf 100 km/h in kaum mehr als drei Sekunden, und das in einem Koloss von drei Tonnen, knapp zwei Meter über dem Boden – da fühlt sich der Kick-Down an wie ein Katapultstart auf einem Flugzeugträger..

Rivian R1T im Test: Mehr als 1.200 Newtonmeter Drehmoment und 600 Kilometer Reichweite

Die vier Motoren des Rivian RT1 erbringen ein kollektives Drehmoment von mehr als 1.200 Newtonmeter. Auch der Akku ist weitgehend konkurrenzlos: Die ersten Exemplare werden mit einer 135-kWh-Batterie ausgeliefert und kommen in der offiziellen Norm auf eine Reichweite von 505 Kilometern. Später soll es sogar eine Version mit 180 kWh und einem Aktionsradius von mehr als 600 Kilometern geben. Selbst das künftige Einstiegsmodell kann imponieren: Mit dann nur noch einem Motor pro Achse hat es noch immer über 600 PS, und mit 105 kWh bietet auch der kleinste Akku so viel Energie wie das Top-Modell etwa des Mercedes EQS.

Rivian R1T im Test: Schneller als der Taycan – theoretisch

Zwar genügt ein Kick-Down, um das Weltbild jedes Porsche-Fahrers ins Wanken zu bringen. Doch ist das nicht das Wesen dieses Fahrzeugs. Wie jeder Pick-up ist auch der Rivian von der gelassenen Sorte, man thront über den Dingen, schwimmt gelassen durch den Verkehr und erlebt dabei einen Komfort, wie es den in klassischen Pritschenwagen so selten gegeben hat. Die leise und mühelose Beschleunigung und die Luftfederung machen ihn zur Limousine unter den Trucks. Dass er sich nicht gegen jede enge Kurve sperrt, keine Kardanwelle knirscht und sich keine Achsen verschränken, lässt den Koloss fast so handlich wirken wie einen Kleinwagen.

Rivian R1T im Off-Road-Test
Der Rivian R1T ist überaus geländegängig. © Rivian

Passend dazu die Optik: iPod statt Panzer lautete die Devise der Designer offenbar. Wenn der fast zwei Meter hohe R1T mit seinen glatten Flanken und den spektakulären LED-Scheinwerfern durch die Wildnis pflügt, gewinnt man den Eindruck, Captain Kirk mache Camping. Dazu passt auch die Kabine, die mit großen kahlen Flächen und noch größeren Bildschirmen eher Cockpit sein will als Maschinenraum.

Noch mehr spannende Auto-Themen finden Sie in unserem kostenlosen Newsletter, den Sie gleich hier abonnieren können.

Rivian R1T im Test: Captain Kirk beim Camping

Auch wenn der Rivian bei Nutz- oder Anhängelast locker mit den klassischen Trucks mithält, und mit vier Geländeprogrammen samt XXL-Bodenfreiheit überragende Off-Road-Fähigkeiten mitbringt, taugt er nicht wirklich als Firmenwagen für Farmer, Rinderzüchter und Bauunternehmer. Deshalb positioniert ihn Rivian auch nicht als „Workhorse“, als Arbeitspferd, sondern als Spielzeug für die klimabesorgte Freizeitgesellschaft. Natürlich gibt es für den Rivian allerlei Outdoor-Zubehör: Von der ausziehbaren Camping-Küche im praktischen „Gear Tunnel“ – jenem durchgehenden Staufach zwischen Kabine und Pritsche, das erst möglich wird, weil der Rivian keinen Tank und keine Kardanwelle hat – über das Hauszelt auf der Pritsche bis hin zum Kleiderschrank im Frunk, dem Front-Stauraum, der schon allein größer ist als der Kofferraum der meisten Kleinwagen.

Interieur des Rivian R1T
Puristisch im iPad-Stil: Das Interieur des Rivian R1T. © Rivian

Rivian R1T im Test: Spektakuläre Rekordfahrt durchs Gelände

Zwar wissen sie auch bei Rivian, dass es bis zur Elektrifizierung der Farmer und Förster im dünn besiedelten mittleren Westen noch weit ist, und nehmen das Land deshalb erst einmal von den Küsten aus in die Zange. Doch dass der R1T keine Angst vor der Pampa hat und die Infrastruktur dort weiter ist als gedacht, haben sie im letzten Jahr mit einer spektakulären Rekordfahrt beweisen: Als erstes Elektroauto überhaupt hat der Stromer-Truck den Trans America Trail bewältigt und damit den gesamten Kontinent durchquert – ohne auch nur einmal eine Straße zu benutzen. (Benjamin Bessinger/SP-X)

Auch interessant

Kommentare