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DS9 im Test: Franzose punktet mit Platz und Komfort – aber nicht gerade mit Sportlichkeit

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Von: Christian Schulz

Die französische Limousine DS9 E-Tense 225 wird in China gefertigt. Der Plug-in-Hybrid überzeugt weniger mit Sportlichkeit – dafür mit Platz und Komfort.

Frankfurt am Main – Die automobilen Vorzeichen kehren sich langsam um: Wurden früher die Autos nach China importiert, ziehen immer mehr westliche Autobauer dort eine lokale Produktion hoch und verschiffen die Autos nach Europa. Der DS9 E-Tense 225 Plug-in-Hybrid ist eines der ersten Fahrzeuge, die diesen neuen Weg einschlagen. Der westlich orientierte Autofahrer würde jetzt annehmen, dass es bei einem solchen Fahrzeug Veränderungen beim Fahrwerk gibt. Schließlich sind die Fahrgewohnheiten in München und Hamburg anders als in Shanghai. Mitnichten. „Das Auto ist identisch mit der in China verkauften Version“, erklärt Produktmanager Tijl Verhelst.

Der DS9 E-Tense 225 Plug-in-Hybrid von vorne

Der DS9 E-Tense 225 Plug-in-Hybrid kommt im Herbst 2021 auf den Markt – das Design ist ansehnlich. © DS Automobiles

Beim Fahrwerk ist diese Nachbesserung auch nicht notwendig. Denn der DS9 hat eine Kombination aus adaptiven Dämpfern und einer Kamera, die die Straße vorm Auto überwacht und die Befehle an jedes einzelne Rad schickt, das diese innerhalb von 150 Millisekunden umsetzt und so den Unebenheiten entgegenwirkt. Der fliegende Teppich à la Paris funktioniert. Trotz eines Gewichts von 1.845 Kilogramm bügelt die Technik von Rissen im Asphalt bis hin zu Schlaglöchern alles weg, ohne unnatürlich entkoppelt zu sein. So merkt der Fahrer auch weiterhin, was unter den vier Rädern vor sich geht. (Neuer DS9 legt Wert auf Design und Komfort – doch bei den Motoren hapert’s)

DS9 im Test: Franzose punktet mit Platz und Komfort – aber nicht mit Sportlichkeit

Bei den Assistenzsystemen bietet die französische Oberklassen-Limousine Einiges, erreicht aber nicht die Opulenz einer Mercedes S-Klasse. Zum Beispiel gibt es kein Head-up-Display und virtuelle Richtungspfeile fliegen schon gar nicht. Aber auch der französische Luxuskreuzer bietet Einiges an Assistenzsystemen: Ein Totwinkelwarner oder ein adaptiver Tempomat gehören heute schon in niedrigeren Preisklassen zum guten Ton, ein echtes Highlight ist aber der Nachsicht-Assistent, der sogar Kaninchen ab einer Körperhöhe von 45 Zentimetern erkennt. (Neuer DS4: Jetzt gibt’s Extras aus der Oberklasse auch im Kompaktsegment)

Das Cockpit im DS9 E-Tense 225

Das DS-typische Cockpit der Franzosen kommt mit einem Zwölf-Zoll-Monitor. © DS Automobiles

Das Infotainment des Zwölf-Zoll-Touchscreens und die Rauten-Grafik der Instrumente sind verspielt und bilden einen Kontrast zum klar strukturierten Ansatz hierzulande. Ganz ohne deutschen Einfluss geht es dann aber doch nicht: Auf Wunsch werden die Sitze und die Interieur-Applikationen mit Leder überzogen, das von bayerischen Rindern stammt. (Facelift Citroën C3 Aircross: Kompakt-SUV wird komfortabler – und maximal individualisierbar)

Die Franzosen legen Wert auf Details. Sei es durch das extrovertierte Äußere der Chromleiste samt der DS-typischen Clous-de-Paris-Gravur, die die Motorhaube teilt, oder durch die mehrfarbigen Nähte am Lenkrad. Die sich drehenden LED-Scheinwerfer, die sich dem Fahrer entgegenstreckenden versenkbaren Türöffner und das ansehnliche Design des DS9 sind weitere Pluspunkte. Das größte Pfund ist allerdings der Platz. Mit einem Radstand von 2,89 Metern ist der DS der Spitzenreiter bei den Fahrzeugen des PSA-Konzerns, die auf der EMP2-Plattform basieren. Das schlägt sich in fürstlichen Raumverhältnissen auf der Rückbank nieder. Dass alle vier Sitze jetzt eine Massage-Funktion haben, freut Kilometerfresser. Ebenso der Fakt, dass der DS9 E-Tense 225 ab 52.810 Euro zu haben ist. Im Vergleich zu Mercedes-Benz S-Klasse oder BMW 7er durchaus günstig. (Citroën C5 X: Diese populäre Antriebsvariante gibt’s beim neuen Crossover nicht)

Der DS9 E-Tense 225 Plug-in-Hybrid von hinten

Macht auch von hinten eine gute Figur: der DS9 E-Tense 225. © DS Automobiles

DS9 E-Tense 225 im Test: Der Fokus der Franzosen liegt auf extravaganten Details – nicht auf Power

Ein Leitspruch bei DS heißt seit jeher, dass man die Deutschen nicht auf der Autobahn schlägt. Das ist auch beim DS9 so, der ab September beim Händler steht. Die Kombination aus Vorderradantrieb, einen Verbrennungsmotor mit 131 kW / 181 PS und einer E-Maschine mit 80 kW / 110 PS ist im PSA-Konzern nichts Neues. Das ergibt eine Systemleistung von 165 kW / 225 PS und ein maximales Drehmoment von 360 Newtonmetern. Ganz in Ordnung, aber in der Luxusklasse eher am unteren Ende der Nahrungskette angesiedelt. Dank der 11,9 Kilowattstundenbatterie kommt der DS9 auch rund 47 Kilometer (WLTP) mit maximal 135 km/h weit. (Citroën ë-C4: Diese beachtliche Reichweite holen die Franzosen aus den Akkus)

Die extravagant gestaltete 8-Gang-Automatik-Schaltung im DS9 E-Tense 225

Die extravagant gestaltete 8-Gang-Automatik erledigt ihren Job unaufgeregt. © DS Automobiles

Die Franzosen setzen alles daran, dass die Batterie nie komplett entleert werden kann. Aus gutem Grund: Im Zusammenspiel mit der E-Maschine kann man mit der Limousine sehr entspannt reisen. Das spiegeln auch die Fahrleistungen wider: Nach 8,7 Sekunden sind aus dem Stand die 100 km/h erreicht und die Limousine ist bis zu 240 km/h schnell. DS gibt einen Verbrauch von 1,6 l/100 Kilometer an. Bei unserer Testfahrt standen 5,1 l/100 Kilometer auf der Uhr. Den Sport-Fahrmodus haben wir schnell wieder deaktiviert, denn dann hört man dem Verbrennungsmotor sein Bemühen an, wenn man die Kraft des Antriebsstrangs ausreizen will. (Kultauto kommt zurück: Renault zeigt R5 als Elektro-Version – Reaktionen sind überwältigend)

Technische Daten DS9 E-Tense 225 Plug-in-Hybrid
Motor / Getriebe / AntriebR4-Benziner plus E-Motor / 8-Gang-Automatik / Frontantrieb
Leistung / Max. Drehmoment / Hubraum225 PS (165 kW) / 360 Nm bei 3.000 U/min / 1.598 cm³
Vmax / 0–100 km/h240 km/h / 8,7 Sekunden
Normverbrauch (Tankvolumen)1,6 Liter/100 km (42 Liter)
CO2-Ausstoß37 g/km
Max. Ladevolumen510 Liter
Neupreis Basismodell (Testversion)47.550 Euro (52.810 Euro)

Das ist deshalb bemerkenswert, weil es im DS9 ansonsten aufgrund der dicken Verbundglasscheiben ziemlich ruhig zugeht. Deutlich besser passen eigentlich der Allradantrieb und der 264 kW / 360 PS starke Antriebsstrang aus dem Peugeot 508 PSE mit den zwei Elektromotoren zum DS9 (E-Tense 4x4). Mit diesem Auto ist man zwar souveräner unterwegs, aber auch der Preis dürfte entsprechend höher sein. Wer gänzlich auf die Kraft des Elektroherzens verzichten will, greift zum 184 kW / 250 PS-Benziner, der als Puretech 225 ebenfalls später erscheinen wird. (Von Wolfgang Gomoll/press-inform)

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