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Dacia Sandero TCe 90 im Test: So viel Auto gibt’s für so wenig Geld

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Von: Sebastian Oppenheimer

Einst mussten Dacias die abgelegte Technik der schickeren Renault-Brüder auftragen – doch die Billigheimer-Zeiten sind vorbei. Die Preise bleiben aber trotzdem günstig.

Mioveni – Gut sieht er aus, der neue Dacia Sandero. Bereits der Vorgänger konnte sich sehen lassen und räuberte dabei nicht nur bei der Konkurrenz aus Asien und Europa, sondern auch im eigenen Konzern. Auch Einstiegsmodellen von Nissan und speziell Renault bereitete der Sandero gerade als pseudo-rustikaler Sandero Stepway (60 Prozent Verkaufsanteil) einiges an Kopfzerbrechen. Das dürfte bei der neuen dritten Generation noch heftiger werden, denn der Sandero ist, was Plattform, Technik und Antrieb angeht, mit dem gleichen Rüstzeug wie der deutlich teurere Renault Clio unterwegs. (Dacia Spring Electric (2021): Wird das das günstigste E-Auto in Deutschland?)

Dacia Sandero TCe 90 im Test: So viel Auto gibt’s für so wenig Geld

Der neue Dacia Sandero hat nicht nur beim Design, sondern speziell auch bei der Technik deutlich nachgelegt. Die weitgehend nackte Basisvariante hat nach Renault-Aussagen gerade einmal eine Verkaufsquote von zwei Prozent. Bleibt die Frage, wieso der Dacia Sandero Access, der nur das Nötigste vom Nötigen bietet, überhaupt im Programm geblieben ist. Der Lockruf des Preises von billigen 8.490 Euro ist an einen Motor gebunden, der ebenfalls nicht mehr zeitgemäß ist. Die modernste Abgasreinigung kostete im Vergleich zum Vorgänger zudem ein paar Pferdestärken und so leistet er nur noch 49 kW (67 PS). Daher keinen Gedanken an den alten Saugbenziner in der Access-Variante verschenken und gleich eine Etage höher einsteigen – dann passt es auch mit dem exzellenten Preis-Leistungs-Verhältnis. Für 11.490 Euro gibt es ein Billigmodell, das längst keines mehr ist. (JP Kraemer fährt Dacia Duster: „Musste halt drehen, das Ding“)

Fahraufnahme eines blauen Dacia Sandero

Der Dacia Sandero sieht inzwischen ziemlich modern aus – und ist trotzdem noch ziemlich billig. © Dacia

Dacia Sandero TCe 90 im Test – mäßige Geräuschdämmung, ansprechende Fahrleistungen

Der Dacia Sandero TCe 90 Comfort bietet einen wahren Hightech-Benziner, der auch den deutlich teureren Renault Clio befeuert. Doch identisch motorisiert und kaum besser ausgestattet kostet der Renault Clio TCe90 Intens fast 19.000 Euro – ein sattes Aufgeld von über 7.000 Euro. Das sind rund 60 Prozent mehr. So viel muss einem der Clio erst einmal wert sein. Auch weil der aufgeladene Dreizylinder zwar aufgrund der sehr mäßigen Geräuschdämmung im Sandero nahezu in jedem Geschwindigkeitsbereich allzu präsent vor sich hin schnattert, doch im Gegenzug Fahrleistungen bietet, die keinen Kunden enttäuschen dürften. Der ein Liter große Turbo holt aus einem Liter Brennraum 67 kW (91 PS) ein maximales Drehmoment von 160 Nm, das ab 2.100 U/min anliegt. So beschleunigt der Fronttriebler akustisch deutlich vernehmbar, aber allemal flott aus dem Stand in 11,7 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 178 km/h. Mehr braucht in der Kleinwagenliga niemand. Der Normverbrauch: solide 4,8 Liter. Der im Vergleich zu vielen Konkurrenten standesgemäß dimensionierte Tank mit seinem Füllvolumen von 50 Litern sorgt für Reichweiten einstiger Dieselzeiten mit 1.000 Kilometern. (Dacia Sandero Stepway TCe 100 Eco-G im Test: Extreme Reichweite zum kleinen Preis)

Fahraufnahme eines blauen Dacia Sandero

Neben dem günstigen Preis spricht vor allem das gute Platzangebot für den Dacia Sandero. © Dacia

Dacia Sandero TCe 90 im Test: Wer noch mehr Reichweite braucht, kann zur LPG-Version greifen

Der Diesel ist bei Renault deutlich auf dem Rückmarsch und bei Dacia wegen des sinkenden Kundeninteresses gleich ganz gestrichen. Wer mehr Reichweite und weniger Verbrauch will, kann sich für eine LPG-Variante entscheiden, die neben dem Benzintank in der Reserveradmulde einen 32 Liter großen Gastank versteckt. Neben einem dezenten Leistungszuwachs auf 100 PS vergrößert das die Reichweite auf rund 1.300 Kilometer. Doch die meisten Sandero-Kunden dürften beim normalen 90er TCe bleiben, der ein guter Kompromiss aus Dynamik und Sparsamkeit ist. Das Fahrwerk ist dank der modernen CMF-Plattform ebenso auf der Höhe wie der Antrieb. McPherson-Vorderachse und Koppelachse hinten sind kein Wunder an Fahrdynamik oder Komfort für das knapp 1,2 Tonnen schwere Modell, aber allemal gut genug für ein Fahrzeug der unter 20.000-Euro-Liga. Die Rückmeldung der allzu leichtgängigen Lenkung ist gut, der Federungskomfort abgesehen von groben Unebenheiten ordentlich und das Fahrverhalten unaufgeregt abgestimmt. Gut: Die Sechsgang-Handschaltung, die einen nicht mit der stufenlosen CVT-Variante flirten lässt.

Technische Daten Dacia Sandero TCe90
Motor/Getriebe/Antrieb1,0-Liter-Dreizylinder, Sechsgang-Handschaltung, Vorderradantrieb
Leistung/Drehmoment67 kW (91 PS) / 160 Nm ab 2.100 U/min
Vmax/0–100km/h178 km/h / 11,7 s
Leergewicht1.147 kg
Laderaum328 – 1.108 Liter
Normverbrauch4,8 l/100 km
CO2-Ausstoß110 g/km

Neben dem günstigen Preis ist das gute Platzangebot des 4,09 Meter langen Dacia Sandero Kaufargument Nummer eins. Vier Personen finden in dem Franzosen mit rumänischen Wurzeln und marokkanischer Geburtsstätte allemal Platz. Zu dritt wird es im Fond jedoch etwas eng und so sollte man es bei maximal drei bis vier Personen im gesamten Innenraum belassen. Das Laderaumvolumen wuchs im Vergleich zum Vorgänger marginal auf 328 bis 1.108 Liter. Fahrer und Passagiere freuen sich mittlerweile über ordentlich verarbeitete Verkleidungen sowie Textilelemente in Türen und Armaturenbrett. Auf den Sitzen kann man auch größer gewachsen einmal ein paar hundert Kilometer abreißen.

Blick in den Innenraum eines Dacia Sandero

In der Comfort-Variante hat der Dacia Sandero TCe 90 viele Extras an Bord, die sich andere Hersteller teurer bezahlen lassen. © Dacia

Dacia Sandero TCe 90 im Test: Die Comfort-Version beinhaltet eine umfangreiche Serienausstattung

Unverständlich jedoch, wieso Selbstverständlichkeiten wie Sitzheizung vorne erst mal nicht lieferbar sind und die Billigversionen immer noch mit manuell bedienbaren Außenspiegeln und Fensterkurbeln produziert werden. Hier sollte der Rotstift angesetzt werden, um die Varianz zu reduzieren und die Ausstattung ab Werk zu erhöhen. Das hilft Hersteller wie Kunden. Die Serienausstattung des neuen Billigmodells hat als Comfort-Version jedenfalls unter anderem LED-Scheinwerfer, sechs Airbags, Notbremsassistent, Licht-/Regensensor, schlüssellosen Zugang und Totwinkelwarner. So viel Auto für so wenig Geld – nahezu unmöglich zu finden. (Von Stefan Grundhoff/press-inform)

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