1. 24auto
  2. Tests
  3. Fahrbericht

Dacia Sandero Stepway TCe 100 Eco-G im Test: Extreme Reichweite zum kleinen Preis

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Sebastian Oppenheimer

Bekommt der Renault Clio jetzt etwa Konkurrenz aus dem eigenen Konzern? Der neue Dacia Sandero Stepway bietet jedenfalls extrem viel zum Schnäppchenpreis.

Mioveni – Ähnlich wie die Konzerne von Volkswagen oder PSA setzt auch Renault-Nissan mehr denn je auf eine Plattformstrategie. Nur so lassen sich die gigantischen Entwicklungskosten für ein neues Modell reduzieren, Ableitungen sparen und eine breite Modellpalette umsetzen. Bestes Beispiel dafür ist der neue Dacia Sandero. Der sieht nicht nur noch gefälliger aus als sein allemal erfolgreicher Vorgänger, sondern ist in Sachen Plattform, Antrieb und Sicherheitssysteme mit der gleichen Technik unterwegs, die auch der deutlich teurere Renault Clio nutzt. Wer genau hinschaut und Preise vergleicht, könnte sich daher für das deutlich günstigere Modell mit dem Dacia-Signet entscheiden, weil längst auch Design und Verarbeitung stimmen. Der günstige Preis ist beim Sandero längst nicht mehr Kaufgrund Nummer eins – doch die Preise von Sandero und Sandero Stepway müssten andere Hersteller eigentlich fassungslos machen. Längst schielen Fiat, Citroën, Hyundai, Škoda oder eben Renault hinüber.

Fahraufnahme eines Dacia Sandero Stepway
Der Dacia Sandero Stepway hat eine SUV-mäßige Optik, die vielen Kunden gefällt. © Dacia

Dacia Sandero Stepway TCe 100 Eco-G im Test: Extreme Reichweite zum Schnäppchenpreis

Der Clou ist dabei die optische SUV-Ableitung des 4,10 Meter langen Dacia Sandero Stepway, für die sich rund 60 Prozent der Kunden entscheiden. Dunkle Kunststoffdetails rundum sowie 41 mm mehr Bodenfreiheit und Dachträgerleisten, die sich mit einem Dreh zum Gepäckträger machen lassen, sorgen dafür, dass der neue Sandero schick aussieht und jede Menge Alltagsnutzen bietet. Vorbei sind die Zeiten, als die Dacia-Modelle die ausgediente Technik der alten Renaults noch ein paar Jahre auftragen mussten. Abgesehen von dem wenig empfehlenswerten 65-PS-Basisantrieb für den Standard-Sandero gibt es moderne Turbo-Benziner, die eben auch Renault Clio & Co. befeuern. So behält der neue Dacia Sandero Stepway TCe 90 in der Basisversion Essential einen günstigen Preis von 11.390 Euro.

Der besser ausgestattete Dacia Sandero Stepway Comfort mit dem 100-PS-Bifuel-Benziner kostet ebenfalls gerade einmal 13.090 Euro und bietet dafür LED-Scheinwerfer, Nebelscheinwerfer, Navigationssystem, Klimaanlage oder Einparkhilfe. Für 550 Euro extra bekommt der Franzose, der in Rumänien oder Marokko vom Band läuft, schlüssellosen Zugang, Mittelarmlehne und elektrische Parkbremse. Für weitere 450 Euro dürften sich viele Kunden für Totwinkelassistent, Rückfahrkamera und Einparkhilfe vorne entscheiden. (Dacia Spring Electric (2021): Wird das das günstigste E-Auto in Deutschland?)

Fahraufnahme eines Dacia Sandero Stepway
Die Bifuel-Variante des Dacia Sandero Stepway fährt sowohl mit Super als auch mit Flüssiggas. © Dacia

Dacia Sandero Stepway TCe 100 Eco-G im Test: Moderner Antrieb und viel Platz

Zu diesem Schnäppchenpreis erwartet potenzielle Käufer ein gutes Platzangebot, gefälliges Design und ein moderner Antrieb. Der ein Liter große Dreizylinder-Turbo klingt kernig und fährt sich auch so. 74 kW (101 PS) und ein maximales Drehmoment von 170 Nm ab 2.000 U/min sind in dieser Liga allemal ausreichend – auch weil der Dacia Sandero Stepway TCe 100 Eco-G kaum mehr als 1,2 Tonnen Leergewicht auf die Waage bringt. Aus dem Stand in 11,6 Sekunden auf Tempo 100 geht ebenso in Ordnung wie eine Höchstgeschwindigkeit von knapp über 180 km/h. Dabei liegt der Normverbrauch bei 4,6 Liter Super auf 100 Kilometer, wenn man Super tankt. Mit Flüssiggas verbrennt der Franzose 6,5 Liter auf der gleichen Strecke. Daher kaum ein Grund, einen noch sparsameren Dieselmotor zu vermissen, den die Franzosen aus dem Programm geworfen haben. (JP Kraemer fährt Dacia Duster: „Musste halt drehen, das Ding“)

Eco-G – was sich liest wie der Name eines französischen Rappers aus einem Außenbezirk von Paris – ist die Bifuel-Variante, deren 100-PS-Version nicht nur über einen 50-Liter-Benzintank verfügt, sondern auch einen zusätzlichen 32-Liter-Flüssiggastank in der Reserveradmulde. Das soll Reichweiten von 1.300 Kilometer ermöglichen, die einen Diesel tatsächlich nahezu überflüssig machen. Der Dreizylinder ist akustisch in jedem Tempo überaus präsent und wird auf der Autobahn ab 130 km/h gerade im sechsten Gang sehr träge. Nur mühsam drückt sich die Tachonadel über die 150er-Marke bis an die Höchstgeschwindigkeit von 183 km/h. (Renault Clio E-Tech: Warum sich der Franzose von vielen anderen Hybriden unterscheidet)

Das Dach eines Dacia Sandero Stepway
Aus den Dachträgerleisten des Dacia Sandero wird im Handumdrehen ein Dachgepäckträger. © Dacia

Dacia Sandero Stepway TCe 100 Eco-G im Test: Die Lenkung ist extrem leichtgängig

Ebenso wie Design und Ausstattung ist auch das Fahrverhalten des Dacia Sandero über die Jahre und speziell mit der neuen Clio-Plattform erwachsen geworden. Die Abstimmung ist gerade beim Stepway allemal straff und die um vier Zentimeter erhöhte Bodenfreiheit macht sich durchaus bemerkbar, wenn es flotter durch Kurven geht. Die Hinterachse in Koppellenker-Konstruktion wirkt bei spürbaren Bodenunebenheiten stößig und etwas unkomfortabel. Die Lenkung ist präzise, aber gerade bei höheren Tempi zu leichtgängig und könnte mehr Rückmeldung von der Fahrbahn geben. Wirklich stören wird das jedoch kaum einen Kunden. Das sieht beim Geräuschniveau im Innern durchaus anders aus, denn der Franzose wird gerade bei höheren Geschwindigkeiten recht laut, was nicht nur am deutlich zu vernehmenden Dreizylindermotor liegt. Die Geräuschdämmung des Dacia Sandero könnte also besser sein. Das gilt auch für die Windgeräusche von Seitenscheiben und Außenspiegeln.

Technische Daten Dacia Sandero Stepway TCe 100 Eco-G
Motor/Getriebe/Antrieb1,0-Liter-Dreizylinder
Leistung/Drehmoment74 kW (100 PS) / 170 Nm ab 2.000 U/min
Vmax/0–100 km/h183 km/h / 11,6 s
Leergewicht1.182 kg
Ladevolumen328 – 1.108 Liter
Normverbrauch4,6 Liter Super
CO2-Ausstoß119 g/km
Basispreis13.090 Euro

Dacia Sandero Stepway TCe 100 Eco-G im Test: Im Innenraum kein Billigmodell mehr

Deutlich gewonnen hat der Innenraum des Dacia Sandero. Instrumente, Schalter und Bedienelemente sehen nicht nur besser aus, sondern fühlen sich ebenso wie viele Verkleidungen und Applikationen auch besser an. An ein Billigmodell vergangener Zeiten erinnert wenig und wieder einmal kommt einem in den Sinn, dass der Dacia Sandero nicht nur der externen Konkurrenz wehtut, sondern gerade in den höheren Ausstattungspaketen mit Textileinsätzen am Armaturenbrett auch am Renault Clio knabbert. Das Lenkrad – auf Wunsch mit Lederummantelung – liegt gut in der Hand, an den unsichtbaren Bediensatelliten für das Soundsystem über dem rechten Knie hat man sich beinahe schon gewöhnt und das Acht-Zoll-Navigationsdisplay mit benachbarten Handyhalterung ist praktisch (aber nicht schön).

Blick in den Innenraum eines Dacia Sandero Stepway
Im Innenraum hat der Dacia Sandero im Vergleich zum Vorgänger deutlich an Qualität zugelegt. © Dacia

Dacia Sandero Stepway TCe 100 Eco-G im Test: Eine Sitzheizung gibt es weder vorne noch hinten

Zudem sitzt es sich im Dacia Sandero Stepway besser als bisher. Was fehlt, ist eine Sitzheizung, die zum Markstart weder vorne noch hinten gegen Aufpreis angeboten wird. Das Platzangebot ist ordentlich und auch der Laderaum hat mit 328 Litern ein solides Volumen, das sich durch Umlegen der Rücksitze auf 1.108 Liter erweitern lässt. Praktischer als bisher: die um zwei Zentimeter abgesenkte Ladekante und der separate Öffner am Heckdeckel. Auf Wunsch bringt ein elektrisches Schiebedach mehr Luft und Licht in den Innenraum. Was will man für einen Preis von unter 15.000 Euro mehr? (Von Stefan Grundhoff/press-inform)

Auch interessant

Kommentare