1. 24auto
  2. Tests
  3. Fahrbericht

Aiways U5 im Test: E-Auto mit viel Ausstattung für wenig Geld

Erstellt:

Von: Simon Mones

Kommentare

Mit dem Start-up Aiways gelingt es dem nächsten chinesischen Autobauer in Europa Fuß zufassen. Der U5 überzeugt dabei nicht nur durch seinen günstigen Preis.

Shanghai – Vor gerade einmal fünf Jahren wurde Aiways mit Sitz in Shanghai gegründet und macht sich nun auf, schrittweise Europa zu erobern. Das chinesische Start-up finanziert sich durch privates Kapital und wird von dem Batteriegiganten CATL unterstützt. In dieser Zeit haben die Chinesen einen elektrischen Crossover entworfen, entwickelt und in der neuen Fabrik in Shangrao produziert, der es mittlerweile auch nach Europa geschafft hat und sich gegenüber der hiesigen Konkurrenz nicht verstecken muss. Das 4,68 Meter lange SUV ist gefällig, volumentauglich und durch seinen 2,80 Meter langen Radstand sehr geräumig.

Vorne sitzt es sich bequem, hinten bietet der U5 eine schier unendliche Beinfreiheit und einen flachen Boden. Der Kofferraum hat dagegen ein eher bescheidenes Volumen von 432 Litern, das sich durch ein Unterbodenfach auf 539 Liter erweitert. Wer die im Verhältnis 1/3 zu 2/3 umklappbaren Rücksitze umlegt, kann bis zu 1.555 Liter nutzen. Unter der vorderen Haube befindet sich ein kleines Gepäckabteil, in dem die Ladekabel untergebracht werden können. Die Ladebuchse befindet sich ungewöhnlich positioniert unter dem linken Frontscheinwerfer. (Škoda Enyaq 80x im Wintertest: So schlägt sich der Stromer bei eisigen Temperaturen)

Aiways U5 im Test: E-Auto mit viel Ausstattung für wenig Geld

Innen geht es beim 4,68 Meter langen Aiways U5 ebenso nüchtern wie wohnlich zu. Für eine angenehme Atmosphäre sorgen Softtouch-Oberflächen während das Leder den Innenraum edel und wertig erscheinen lässt. Die Sitze des Aiways U5 sind bequem und großzügig dimensioniert. Der Fahrer blickt hinter dem Steuer auf ein Triptychon mit Fahrzeugstatusdaten und Bordcomputer auf der linken Seite, Instrumenten mit drei möglichen Inhalten in der Mitte und Multimedia-Steuerung auf der rechten Seite. In der Mitte des Armaturenbretts zeigt das horizontale Infotainment-Tablet eine bessere Grafik, Hintergrundbeleuchtung und Auflösung als die digitale Instrumententafel.

Der Innenraum des Aiways U5.
Der Innenraum des Aiways U5 wirkt übersichtlich und aufgeräumt. © Aiways

Sehr gut gefällt die Qualität der Bilder von der 360-Grad-Kamera, die nicht nur das Ein- und Ausparken zu einem Kinderspiel werden lässt. Schade ist hingegen, dass nahezu jede Funktion über den zentralen Bildschirm gesteuert wird, was Zeit verschwendet und den Fahrer von seiner Hauptarbeit am Steuer ablenkt. Nur die Klimaautomatik hat einen direkteren Bedienbereich außerhalb des zentralen Bildschirms, in der Verlängerung der Konsole zwischen den Vordersitzen. Darunter befindet sich ein offener Stauraum, der das fehlende Handschuhfach jedoch nicht ersetzen kann, da die dort abgelegten Gegenstände sichtbar sind. (Opel Astra Plug-in-Hybrid im Test: So weit kommt er rein elektrisch)

Aiways U5 im Test: Crossover überzeugt mit gutem Fahrwerk – Abzüge fürs Lenkverhalten

Zum Starten des chinesischen Elektromodells tritt der Fahrer einfach das Bremspedal und wählt die Fahrstufe D oder R an und es los. Der Aiways U5 lässt es komfortabel angehen, federt mit seiner Einzelradaufhängung gut über die meisten Unebenheiten weg und lässt sich selbst durch grobe Unebenheiten und Schlaglöcher nicht aus der Ruhe bringen. Bei flotterer Gangart gefällt der schon durch die 63-kWh-Batterie im Unterboden niedrige Schwerpunkt, sodass die Karosserie auch in schnell gefahrenen Kurven kaum wankt.

Noch mehr spannende Auto-Themen finden Sie in unserem kostenlosen Newsletter, den Sie gleich hier abonnieren können

Das oben und unten abgeflachte Lenkrad hat den richtigen Durchmesser und einen ausreichend dicken Kranz, aber das Lenkverhalten ist unbefriedigend, denn die Lenkung fühlt sich so leicht an, dass man sich in manchen Situationen fragt, ob die Räder überhaupt Kontakt zur Straße haben. Wer die Einstellung nach oben verändert, muss dagegen über das Feingefühl eines Goldschmieds verfügen, um irgendeine Veränderung wahrzunehmen. In dem Untermenü lässt sich nicht nur das Lenkgefühl, sondern auch der Grad der Energierückgewinnung beim Bremsen justieren. Die Wirkung ist ebenfalls gering, obwohl hier ein zumindest ein kleiner Unterschied spürbar ist. In der maximalen Einstellung lässt sich der U5 nur mit dem Gaspedal bewegen und die Fußbremse ist nahezu arbeitslos. Aiways verzichtet beim U5 auf Schaltwippen hinter dem Lenkrad, um die Verzögerung zu variieren. (Dacia Jogger im Test: So viel Auto für so wenig Geld gibt’s sonst nirgends)

Aiways U5 im Test: Von null auf 100 in knapp acht Sekunden

Die Auswahl der unterschiedlichen Fahrmodi erfolgt ebenfalls über eine Leiste im gleichen Untermenü auf dem Zentralbildschirm oder über eine Taste auf der Vorderseite des Lenkrads. Auch hier gibt es drei Modi, die die Reaktion des Fahrzeugs allerdings kaum beeinflussen, denn allein die Gasannahme ist im Sport-Modus besser. Die Höchstgeschwindigkeit des Aiways U5 ist mit 165 km/h allerdings sehr überschaubar.

Ein Aiways U5, fahrend.
Den Sprint von null auf 100 schafft der Aiways U5 in etwa acht Sekunden. © Airways

Mitunter hat der frontgetriebene Crossover jedoch Probleme, seine Kraft auf den Boden zu bekommen, denn die 310 Nm Drehmoment zucken an der Vorderachse, obwohl die Motorleistung des elektrischen Chinesen mit 150 kW/204 PS alles andere als opulent ist. Den Spurt von null auf Tempo 100 erledigt der U5 in knapp unter acht Sekunden. (Bentley Bentayga S im Test: So sportlich kann ein Luxus-SUV sein)

Aiways U5 im Test: Crossover ist deutlich leichter als die Konkurrenz

Im Vergleich zu so manchem Wettbewerber ist der Aiways U5 – auch wegen des fehlenden Allradantriebs – deutlich leichter. Er bringt knapp 1,8 Tonnen auf die Waage, während Wettbewerber wie ein Mercedes EQB oder ein VW ID.4 mehr als 2,1 Tonnen auf die Waage bringen.

Ein Aiways U5 von hinten.
Der Aiways U5 wiegt grade einmal 1,8 Tonnen. © Aiways

Die Gründe: Zum einen besteht die Rahmenkonstruktion des U5 zu 52 Prozent aus Aluminium und die restlichen 48 Prozent bestehen aus ultrahochfestem Stahl. Zum anderen lieferte CATL Batterien mit 24 Modulen hoher Energiedichte sowie ein innovatives Mehrschichtsystem, das die nassen (Kühlung) von den trockenen (Module) Bereichen innerhalb der Zellen trennt. Das hat nach den chinesischen Ingenieuren den Vorteil, die Erwärmung und Kühlung zu verbessern und damit die Batteriekapazität und die daraus resultierende Reichweite zu begünstigen.

Aiways U5 im Test: Verführerisches Preis-Leistungs-Verhältnis

Zum Aufladen der Batterie dauert es mit 11 Kilowatt AC-Wechselstrom fünf bis sechs Stunden für eine volle Ladung. Bei der Versorgung mit DC-Gleichstrom vergehen mit überschaubaren 90 kW 35 Minuten, ehe das Akkupaket von 20 auf immerhin 80 Prozent erstarkt ist. In der Stadt kann man mit einer vollen Batterieladung die versprochenen 400 Kilometer weit fahren; auf gemischten Strecken sind auch ohne kalte Temperaturen mehr als 350 Kilometer nicht drin. Bei Autobahntempo sind es nicht einmal 300 Kilometer – groß ist der 63-kWh-Akku eben nicht.

Technische Daten Airways U5
Motor/AntriebSynchronmaschine elektrisch/Front
Leistung/Drehmoment150 kW (204 PS)/310 Nm
Länge/Breite/Höhe (in mm)4.680/1.865/1.700
Leergewicht1.795 kg
Vmax/0–100 km/h165 km/h
Normverbrauch17,0 kWh/100 km
Basispreis35.000 Euro

Und schließlich der durchweg positive Aspekt: der Preis. Aiways verkauft den U5 mit sehr umfangreicher Ausstattung bis 10.000 Euro unter dem Preis der Konkurrenz. Das Basismodell startet bei kaum mehr als 35.000 Euro und selbst der empfehlenswerte Aiways U5 Premium bleibt mit unter 39.000 Euro ungewöhnlich günstig. Er ist weit davon entfernt, ein perfektes Auto zu sein – aber für eine Marke, die erst fünf Jahre alt ist, ist das Preis-/Ausstattungsverhältnis durchaus verführerisch. (Joaquim Oliveira/press-inform)

Auch interessant

Kommentare