Kompakt-SUV im Fahrbericht

Cadillac XT4: Die Premium-Tochter von GM will es in Europa nochmal wissen

Standaufnahme eines Cadillac XT4 von schräg vorn
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Der Cadillac XT4 soll sich im Segment der Kompakt-SUV behaupten.
  • Jan Schmidt
    vonJan Schmidt
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Die US-Edelmarke Cadillac steht für amerikanische Straßenkreuzer und Riesen-SUV. Nun bringt sie ihr bislang europäischstes Modell auf den Markt.

München – Cadillac wagt einen kleinen Neuanfang in Deutschland. Mit dem nun startenden XT4 nimmt die US-Premiummarke ihr bislang kompaktestes und günstigstes Modell ins Programm. Das SUV will mit schnittigem Karosseriedesign und umfangreicher Ausstattung vor allem gegen Audi Q3, Jaguar E-Pace und Volvo XC40 punkten. Mindestens 35.800 Euro sind zu investieren. (Hyundai Tucson: Neuauflage mit Darth-Vader-Front – dieses Extra sucht man aber vergebens)

Die Zeit der barock-plüschigen Straßenkreuzer ist bei Cadillac lange vorbei. Zuletzt versuchte es die Marke in Deutschland vor allem mit großen, starken und teils sehr fahraktiven Prestige-Limousinen. Der Erfolg war allerdings trotz überwiegend wohlwollenden Kritikerlobs überschaubar. Die Modelle sind mittlerweile wieder vom Markt verschwunden, zwischenzeitlich war offiziell gar kein Cadillac-Neuwagen in Deutschland zu haben. Nun will es die General-Motors-Tochter in einem deutlich absatzträchtigeren Segment noch einmal wissen: in der Boom-Klasse der kompakten Crossover. (VW Tiguan X: Volkswagen stellt schickes SUV-Coupé vor)

Cadillac XT4: Bereits seit rund zwei Jahren auf dem US-Markt

Die erste Etappe des Neustarts ist Cadillac dabei durchaus gelungen: Mit seiner scharf geschnittenen Schneepflug-Front und den sensenförmigen Leuchten sticht der XT4 aus der Masse des längst überlaufenen Segments hervor. Die Expressivität der Karosserie findet allerdings nicht so recht den Weg in den eher konservativ gestalteten Innenraum. Chrom und Leder sorgen dort zwar für ein durchaus wertiges Ambiente, die kleinen Bildschirme, die zahlreichen Tasten und die schmucklosen Analog-Instrumente wirken aber im Vergleich zu den europäischen Konkurrenten leicht altbacken. Das dürfte allerdings nicht zuletzt daran liegen, dass der XT4 in den USA und China bereits seit rund zwei Jahren auf dem Markt ist und hierzulande also erst mit Verzögerung aufschlägt. (Jeep: Comeback des Grand Wagoneer in 2021 – eigenes Highlight nur für den Beifahrer)

Das Design des Cadillac XT4 ist gefällig und dürfte auch europäische Interessenten ansprechen.

Wer auf Top-Modernität verzichten kann und eher den klassischen Innenraum-Tugenden zugeneigt ist, darf sich aber durchaus von dem Ami vereinnahmen lassen. Die gut gepolsterten Ledersessel machen auch auf langen Strecken keinen Ärger, Head-up-Display, elektrische Heckklappe sowie ein Rundum-Kamera-System sorgen für hohen Bedienkomfort und über all das wacht ein kleine Armee von Assistenzsystemen, die nach Möglichkeit unaufdringlich mittels Vibration warnen, statt wild herumzupiepsen. Dazu kommt ein Platzangebot, das vor allem vorne sehr großzügig ausfällt. Auch im Fond lässt es sich bei voller Fahrzeugbesetzung als Erwachsener gut aushalten, speziell die Kniefreiheit erinnert an Fahrzeuge aus höheren Klassen. Der Kofferraum fällt mit 637 Litern ordentlich aus. Nach dem Umklappen der Rücksitzlehnen sind bis zu 1.385 Liter möglich. Mit seiner Außenlänge von rund 4,60 Metern zählt der XT4 zu den größeren Vertretern im Segment der Kompakt-SUV. (Alfa Romeo Stelvio: Elegante Erscheinung, kräftiger Diesel – doch der Allrad hat auch Nachteile)

Mit 637 bis 1.385 Liter ist das Kofferraumvolumen des Cadillac XT4 klassenüblich.

Cadillac XT4: Eigens entwickelter 2,0-Liter-Diesel

Mit seinem für Cadillac fast schon handlichen Zuschnitt passt der XT4 trotzdem von vornherein besser auf deutsche Straßen als etwa das Dickschiff Escalade. Und auch das Fahrwerk wirkt europäischer als man es von einem Amerikaner erwarten würde, fällt es doch wie auch die Lenkung durchaus verbindlich und straff aus. Dazu gesellt sich mit dem eigens für die Marke entwickelten Diesel ein ebenfalls traditionell europäischer Motor: Der Vierzylinder klingt meist kultiviert, bietet ordentlichen Durchzug und einen guten Antritt. Dabei hilft auch die aufmerksame Neungangautomatik, die flott runter- und effizient hochschaltet. Eine aufwendige elektrische Unterstützung – etwa durch eine milde Hybridisierung – spart sich Cadillac hier. Der Normverbrauch von 6,4 Litern (6,9 Liter beim Allradmodell) fällt auch deshalb um einiges höher aus als bei der deutschen und britischen Premium-Konkurrenz. Immerhin wirken die im Datenblatt hinterlegten Werte nach den ersten Testkilometern nicht komplett unrealistisch. (Land Rover: Diese Neuerungen bringt die Modellpflege bei Range Rover Evoque und Discovery Sport)

Im Innenraum wartet der Cadillac XT4 mit wertigen Materialien und guter Verarbeitung auf.

Die Preisliste für das aktuell einzige Cadillac-Modell ist übersichtlich geraten. Zum gerade erfolgten Start gibt es zunächst nur zwei Sondermodelle. In der „Launch Edition“, die ausschließlich mit Frontantrieb kombinierbar ist, wartet der XT4 ab 42.900 Euro unter anderem mit 18-Zoll-Felgen und Zierteilen in Metalloptik auf. Wer mindestens 47.100 Euro investiert, erhält die „Launch Sport Edition“ mit 20-Zöllern, schwarz glänzenden Karosserie-Applikationen und LED-Heckleuchten. Optional ist für diese Variante auch der Allradantrieb hinzu buchbar, dann stehen 49.200 Euro auf der Rechnung. Zum Jahresende kommen dann die Standardvarianten zum Händler, wodurch der Einstiegspreis auf 35.800 Euro sinkt. Zeitgleich nimmt Cadillac mit dem 174 kW/237 PS starken 2,0-Liter-Turbobenziner auch eine Antriebsalternative ins Programm. (Jeep Renegade 4x4 PHEV: Kleiner Weltenbummler unter Strom)

Cadillac XT4 350D – Technische Daten
Länge/Breite/Höhe4,59/1,88/1,61 Meter
Hubraum1.995 ccm
Leistung128 kW/174 PS
Drehmoment381 Newtonmeter
Beschleunigung von 0 bis 100 km/h10,4 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit200 km/h
Normverbrauch6,4 Liter/100 km
Grundpreis35.800 Euro

Viel Unterstützung aus eigenen Reihen darf der XT4 nicht erwarten. Bis auf weiteres bleibt er das einzige Europa-Modell der General-Motors-Tochter. Weder der große Bruder XT5 noch eine der Limousinen soll nach aktuellem Stand für den hiesigen Markt angepasst werden. Immerhin ergänzt demnächst die neue Generation des Sportwagens Corvette das Showroom-Ensemble der elf deutschen Vertriebspartner. (Von Holger Holzer/SP-X)

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