Plug-in-Hybrid mit sechs Zylindern

BMW 545e xDrive: Dieser Filmkomponist hat extra Sounds beigesteuert – hier anhören

Fahraufnahme eines BMW 545e xDrive von schräg vorn
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Der BMW 545e xDrive hat einen Reihen-Sechszylinder und einen E-Motor unter der Haube.
  • Jan Schmidt
    vonJan Schmidt
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BMW hat die Plug-in-Hybrid-Fans erhört und stellt dem Elektromotor nunmehr auch einen leistungsstarken Sechszylinder-Benziner an die Seite. Herausgekommen ist ein Fahrzeug, dass sportlich, aber auch sparsam unterwegs sein soll. Ob das Konzept aufgeht, zeigt die erste Testfahrt.

  • BMW 545e xDrive kombiniert einen Sechszylinder mit einem E-Motor
  • Die rein elektrische Reichweite beträgt knapp 60 Kilometer
  • Dank einer Systemleistung von 394 PS sprintet der 545e in 4,7 Sekunden auf Tempo 100

München – Bei BMW sind sie stolz auf das, was sie machen. Und das oftmals zurecht. Schließlich hat dieser Korpsgeist den Münchner Automobilbauer erfolgreich gemacht. Deswegen verwundert der Stolz der Techniker auf ihre Autos auch heutzutage nur wenig. Fritz Klein ist so einer, der dieses Selbstverständnis lebt. Bei der Beschreibung des neuen BMW 545e xDrive benutzt der freundliche Projektleiter der 5er Baureihe sechsmal das Wort „einzigartig“, um das elektrifizierte Modell zu beschreiben. (BMW-M2-Fahrer protzt auf Instagram – Führerschein futsch)

BMW 545e xDrive: Plug-in-Hybrid mit 394 PS Systemleistung

Dass der neue 5er ein gutes Auto ist, überrascht nicht, auch die Plug-in-Version wird nicht enttäuschen – so viel sei jetzt schon verraten. Aber einzigartig? Eher nicht. Das liegt daran, dass unter der Karosserie der 5er Limousine letztendlich das aus dem BMW X5 45e xDrive bekannte Elektrifizierungsmodul geschnallt ist. Das bedeutet, dass der BMW 545e in den Genuss eines Sechszylindermotors mit 210 kW/286 PS anstelle des Vierzylinders, wie das beim 530e der Fall ist, kommt. Ergänzt wird der Verbrenner durch einen Elektromotor mit rund 84 kW/113 PS, was eine Systemleistung von 290 kW/394 PS ergibt. Damit soll der Standardsprint in 4,7 Sekunden erledigt sein, der PHEV-5er bis zu 57 Kilometer rein elektrisch fahren. Unterm Strich ergibt das einen Kraftstoffverbrauch von 2,4 Liter auf 100 Kilometer. (BMW i8: Das Ende einer kurzen Ära – darum sind die letzten 18 Exemplare echte Unikate)

Mit vollem Akku kommt der BMW 545e xDrive bis zu 57 Kilometer rein elektrisch.

BMW 545e xDrive: In der Realität braucht der Hybrid 5,6 Liter

Wir konnten diesen Verbrauch nicht bestätigen und kamen auf 5,6 Liter, einer rein elektrischen Reichweite von guten 56 Kilometern sowie einen Stromverbrauch von 9,7 Kilowattstunden pro 100 Kilometer. Allerdings vollführten wir auch einige Beschleunigungen, um die sportlichen Gene dieses 5ers samt traktionsspendenden Allradantrieb zu erwecken und dabei musste der Verbrennungsmotor öfters eingreifen. Generell machte die Kombination aus feinem Reihensechszylinder und E-Maschine eine gute Figur auch wenn dem PHEV-Duo subjektiv der Punch der niedrigeren Modellklassen, wie etwa eines X3 xDrive 30e fehlt. Doch das hilft im Zweifelsfall nur dem Ego des Elektromobilisten, der am Stammtisch seinen Kumpels erzählt, wie lässig doch so ein Plug-in-Hybrid beschleunigt. Doch die Stärke des elektrifizierten Sechszylinder-5ers ist eben, dass das Zusammenspiel der beiden Antriebsarten geschmeidig abläuft und sich die Geschwindigkeitsveränderungen nicht im Hinterteil des Piloten manifestieren. Das liegt auch daran, dass die Achtgangautomatik größtenteils ihre Aufgabe souverän erledigt. Nur beim schnellen Beschleunigen sind Schaltrucke zu spüren. Da es sich bei den gefahrenen Autos laut BMW um Vorserienmodelle handelt, wird der Test des Produktionsfahrzeugs Aufschluss geben. (BMW X3 xDrive 30e: Der Elektromotor macht Schluss mit diesem lästigen Effekt)

Der BMW 545e xDrive benötigt nur 4,7 Sekunden für den Standardsprint.

BMW 545e xDrive: Die Stärke der Rekuperation ist nicht einstellbar

Die Verstellmöglichkeiten der Fahrprogramme verstecken sich teilweise unter den Wähltasten „Sport“ und „Hybrid“, wo man zum Beispiel die verbrauchsoptimierte Einstellung „Eco Pro“ findet. Wer sich seinen eigenen Fahrmodus zusammenstellen oder besonders sportlich unterwegs sein will, sollte „Sport“ anwählen. Um sich die Batterieladung für die Innenstadt zu sparen will, genügt ein Tastendruck. Beim 545e xDrive nehmen die Münchner dem Fahrer einiges an Arbeit ab. Der Fahrer kann die Rekuperationsstärke nicht selbst definieren, das übernimmt alles das System im Zusammenspiel mit den Sensoren und Navigationsdaten. So wird vor Ortsschildern stärker verzögert als auf der Autobahn. Um beim Verlangsamen möglichst viel Strom in die Akkus zu pumpen, muss man selbst auf die Bremse steigen. Auch wann der Antrieb in den Segelmodus wechselt, bestimmt die Software. Das ausgeklügelte Agieren des Systems gefällt, auch wenn sich der eine oder andere Fahrer sicher mehr Eingriffsmöglichkeiten wünscht – etwa, um bei der Rekuperation das One-Pedal Fahren zu praktizieren. Letztendlich spielen hier auch strategische Interessen eine Rolle. „Mit dem Plug-in Hybriden wollen wir Kunden, die vom Verbrennungsmotor kommen, an die Elektromobilität heranführen“, erklärt Fritz Klein. Also ein Brücken-Fahrzeug, sozusagen, das nicht zu kompliziert sein sollte. (BMW Alpina B7 im Test: Selbst bei 280 km/h noch Schub ohne Ende)

BMW 545e xDrive: System-Klang vom Oscar-Preisträger komponiert

Die Bedienung im BMW 545e xDrive findet hauptsächlich über das zentrale 12,3-Zoll-Display statt.

BMW führt mit dem 545e xDrive einige interessante Neuigkeiten ein: Jetzt kann der Fahrer das iPhone als Schüssel nutzen und der vegane sich gut anfühlende Sitzbezug, ist darüber hinaus politisch korrekt. Der auf 12,3 Zoll gewachsene zentrale Touchscreen und die gute Spracherkennung beziehungsweise Bedienung sowie die Vernetzung der Systeme machen aus dem Plug-in-Hybridmodell ein gelungenes Automobil, das allerdings BMW typisch seinen Preis haben wird. Übrigens hat kein Geringerer als Filmkomponist und Oscar-Preisträger Hans Zimmer (62, u. a. „Der König der Löwen“) den kurzen Klang beim Aktivieren und Ausschalten des Autos komponiert. Und das sicher nicht „für einen Apfel und ein Ei“.

Im November wird die PHEV-Limousine auf dem Markt debütieren. Auf die Frage, wie es dazu kommt, dass der Sechszylinder Plug-in-Hybrid nur als Limousine erhältlich sein wird, gibt Fritz Klein eine klare Antwort: „Das Produkt folgt dem Markt.“ Im Klartext bedeutet das, dass dieser PHEV BMW 5er in den USA Fans finden soll. Das spricht aber nicht gegen den Einsatz hierzulande. (Von Wolfgang Gomoll/press-inform)

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