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BMW M440i xDrive Gran Coupé im Test: Kommt hier die eierlegende Wollmilchsau?

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Von: Simon Mones

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Alle guten Dinge sind drei: Nach dem 4er Coupé und Cabrio legt BMW das Gran Coupé nach. Die Fließhecklimousine spielt als M440i die sportliche Karte, überzeugt aber mit einem guten Fahrwerk.

München – Widersprüche sind in. Zumindest in der Automobilbranche. Einerseits wollen die Autofahrer immer mehr Komfort und Platz, andererseits sollen die Fahrzeuge bitte sportlich dynamisch daherkommen. Sonst kann man sich ja gleich eine gehäkelte Toilettenpapierrolle auf die Hutablage stellen. Schließlich ist der Zeitgeist progressiv und das soll gefälligst auch das eigene Gefährt zum Ausdruck bringen.

BMW M440i xDrive Gran Coupé im Test: Kommt hier die eierlegende Wollmilchsau?

Coupés beziehungsweise Fließhecklimousinen lösen optisch diesen Widerspruch auf: Das eine tun, ohne das andere zu lassen. Da verwundert es wenig, dass beim letzten BMW 4er gegen Ende der Laufzeit jedes zweite Exemplar ein Gran Coupé war. Zumal das viertürige Coupé dazu noch sehr attraktiv aussah. In dieser Kategorie schlägt sich auch das neue Modell ziemlich gut. Über die Niere soll sich bitte jeder selbst sein Urteil bilden. (BMW 440i xDrive Cabrio im Test: Mit Mega-Niere – doch es gibt ein Comeback zu feiern)

Der BMW M440i XDrive Gran Coupé, fahrend.
Auch der BMW M440i xDrive Gran Coupé kommt mit einer sehr dominanten Niere. © Tom Kirkpatrick/BMW

Die Münchner Vertriebsstrategen müssten mit dem Klammerbeutel gepudert sein, wenn sie da nicht einen Nachfolger zum Händler rollen würden. Allerdings halten die Bayern auch da an der klassischen Reihenfolge fest: erst Coupé und Cabriolet und ab dem 13. November endlich das Gran Coupé.

BMW M440i xDrive Gran Coupé im Test: Höher, länger, breiter – und doch windschnittiger

Der Nachzügler trägt die interne Modellbezeichnung G26 und hat gegenüber dem Vorgänger um 14,3 Zentimeter in der Länge, 2,7 cm in der Breite und 5,3 cm in der Höhe zugelegt. Ist also 4,78 Meter lang, 1,85 Meter breit sowie 1,44 Meter hoch. Das Datenblatt lügt nicht. Das neue 4er Gran Coupé steht wuchtiger da als bisher. Passt irgendwie auch zum auffälligen Nieren-Kühlergrill. (BMW M440i xDrive Coupé – dieser Trick am linken Schaltpaddel zündet ein Feuerwerk)

Allerdings geht mit diesem Zusatzblech kein höherer Luftwiderstand einher. Rahmenlose Türen und versenkte Türgriffe, die mit der Außenhaut bündig sind, tragen zu einem Cw-Wert von 0,26 bei. Das sind 0,02 Punkte weniger als bisher. Das Gran Coupé steht ebenso wie die beiden 4er-Brüder auf der CLAR-Plattform und ist bis zur A-Säule identisch. (Frust bei BMW – Chipmangel sorgt für Ärger mit Continental)

BMW M440i xDrive Gran Coupé im Test: Fließhecklimousine beherrscht sowohl Sport als auch Komfort

Auch die zusätzlichen Versteifungsmaßnahmen im Bereich des Vorderwagens und an der Hinterachse sind beim 4er Gran Coupé verbaut, und das Fahrwerk entspricht im Grunde dem des 4er Coupés. Das bedeutet im Standard-Trimm vorne eine Doppelgelenk-Zugstreben-Federbeinachse in Aluminium-Stahl-Leichtbauweise mit einem hydraulisch gedämpften Zugstrebenlager und hinten eine Alu-Fünflenkerachse. Garniert wird das Ganze mit hubabhängigen Stoßdämpfern, die die Stabilität des Autos erhöhen. (YouTuber motzt über neues BMW-Design: „Sie wissen nicht, wer sie sind“)

In unserem Testwagen ist das alternativ erhältliche M-Sportfahrwerk mit elektronisch geregelten adaptiven Dämpfern und einem elektronisch gesteuerten Differenzial an der Hinterachse verbaut. So soll der anspruchsvolle Spagat zwischen Komfort und Dynamik realisiert werden. Flankiert wird das Ansinnen durch bekannte Fahrmodi, die auch nach eigenem Gusto verfeinert werden können. (BMW iX als Prototyp: Neues Flaggschiff fordert diese Elektroauto-Marke heraus)

Der M440i xDrive Gran Coupé von hinten, fahrend.
Der BMW M440i xDrive Gran Coupé soll den Spagat zwischen Komfort und Dynamik schaffen. © Tom Kirkpatrick/BMW

Die Technik erfüllt ihre Aufgabe und die Spreizung der einzelnen Programme ist deutlich spürbar. In Comfort sind auch lange Strecken entspannt zu bewältigen. Wobei das BMW M440i xDrive Gran Coupé auch in der Sport Plus Einstellung das Abfedern der 1.825 Kilogramm Lebendgewicht nicht einstellt. (BMW-Designchef spricht Klartext: „Fans sind nicht immer Kunden“)

BMW M440i xDrive Gran Coupé im Test: Fließhecklimousine bleibt auch in schnellen Kurven stabil

Bei einem BMW mit dem Buchstaben „M“ im Namen, egal ob reinrassig oder mit dem Zusatz 440i versehen, definiert sich durch Agilität. Die perfekte Achslastverteilung verleiht dem flotten Bayern in schnell genommenen Kurven Stabilität. Allerdings macht sich beim Durcheilen das Gewicht des doppelt aufgeladenen Sechszylinders bemerkbar. Die Lenkung mit dem gewohnt dicken Volantkranz ist präzise, könnte aber dem Piloten noch deutlicher klarmachen, wie es unter den 245er-Pneus aussieht.

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Wenn man alles aus dem Gran Coupé herausholt, erreicht der BMW aus dem Stand nach 4,7 Sekunden Landstraßentempo und wird bei 250 km/h von der Elektronik eingefangen. Den Durchschnittsverbrauch gibt der Münchner Autobauer mit 8,5 Litern pro 100 Kilometer an, bei uns waren es 11,1 l/100 km. (BMW i4 M50 im Test: Fährt hier ein M3 mit Elektromotor?)

BMW M440i xDrive Gran Coupé im Test: Bis zu 40 Assistenzsysteme und drahtlos Updates

Damit es erst gar nicht brenzlig wird, unterstützen bis zu 40 Assistenzsysteme den Fahrer. Die adaptive Geschwindigkeitsregelung orientiert sich nicht nur an den vorausfahrenden Fahrzeugen, dem Navigationssystem und der Topografie der Strecke, sondern auch an Ampeln. Rot heißt dann beim BMW M440i xDrive Gran Coupé bremsen – und zwar selbsttätig. Im Stau bildet der BMW jetzt automatisch eine Rettungsgasse und Updates werden drahtlos aufgespielt.

Der Innenraum des BMW M440i xDrive Gran Coupé
Der Innenraum des BMW M440i xDrive Gran Coupé gleicht dem der anderen 4er-Modelle. © Tom Kirkpatrick/BMW

Der Innenraum gleicht dem der anderen 4er-Modelle wie ein Ei dem anderen. Damit ist auch das Infotainment auf dem neusten BMW-Stand. Das beinhaltet auch einen bis zu 12,3 Zoll großen Touchscreen, der bei der Bedienung nach wie vor von einem Drehdrücksteller flankiert wird. Die Grafik der Bedienoberfläche ist ebenfalls deckungsgleich mit dem der Baureihen-Geschwister: also Kacheloptik beim Infotainment und die BMW-Sicheln beim virtuellen Cockpit. (BMW-Fahrer flüchtet vor Polizei: Deutsches Gericht verhängt kuriose Strafe)

BMW M440i xDrive Gran Coupé
Motor/Getriebe/AntriebReihensechszylinder/ Achtgang-Automatik/Allradantrieb
Leistung/Drehmoment374 kW (275 PS) bei 5.500 – 6.500 U/min
Vmax/0–100 km/h250 km/h /4,7 Sekunden
Höhe/Länge/Breite (in mm)4.783/1.852/1.442
Leergewicht1.825 kg
Ladevolumen555 kg
Normverbrauch8,5 l/100 km
CO2-Ausstoß194 g/km
Basispreis46.000 Euro

Zum Bedienkonzept gehört natürlich auch ein Head-up-Display mit einer um 70 Prozent vergrößerten Projektionsfläche, bei dem die Anzeigen vom Fahrer nach Bedarf angepasst werden können. Auf die Augmented-Reality-Variante mit den fliegenden Pfeilen müssen die BMW-Kunden allerdings verzichten. „Die Praktikabilität macht das Auto so einzigartig“, sagt Produktmanager Andreas Ederer. Der Radstand wächst um 4,6 Zentimeter auf 2,86 Meter, was sich natürlich positiv auf das Fond-Raumangebot auswirkt. Dennoch kommt bei Personen jenseits einer Körpergröße von 1,85 Metern aufgrund der abfallenden Dachlinie kein opulentes Businessclass Feeling auf. (Wolfgang Gomoll/press-inform)

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