1. 24auto
  2. Tests
  3. Fahrbericht

BMW 440i xDrive Cabrio im Test: Mit Mega-Niere – doch es gibt ein Comeback zu feiern

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Sebastian Oppenheimer

Zwei Generationen lang waren offene BMW-Modelle der 3er-/4er-Generation nur mit Stahl-Klappdach zu haben. Damit ist Schluss: Beim neuen 4er Cabrio gibt’s wieder ein Stoffdach.

München – Wie möchte man ein Cabriolet genießen? Natürlich bei Sonnenschein und mit offenem Dach. Doch allzu häufig ist die mobile Sonnenterrasse auch mit geschlossener Mütze unterwegs und da sind die Klappdachmodelle eben niemals so schick wie die echten Cabriolets mit Stoffmütze. Das bezieht sich mittlerweile zwar ohnehin meist nur auf den offensichtlichen Bezugsstoff, denn unter der vermeintlichen Stoffschicht sorgen zumeist Hightech-Materialien und Spriegel für Stabilität, Geräusch- und Wärmedämmung. Doch das Auto ist auch bei geschlossenem Dach klar als Cabriolet zu erkennen. Wer ein Coupé sehen will, soll sich eben eines kaufen.

Fahraufnahme eines BMW 440i xDrive Cabrio
Wie das Coupé trägt auch das BMW 440i Cabrio den hochumstrittenen Hochformat-Grill. © BMW

BMW 440i xDrive Cabrio im Test: Mit Mega-Niere – doch es gibt ein Comeback zu feiern

Daher die gute und richtige Wahl, dass das neue BMW 4er Cabrio nunmehr wieder mit einer echten Mütze unterwegs ist, die sich endlich auch während der Fahrt in knapp 20 Sekunden öffnen und schließen lässt. Bisher war dies wegen des anderen Verdeckmechanismus mit der sich nach hinten öffnenden Kofferraumklappe nicht möglich. Ab sofort also auf und zu während der Fahrt bis Tempo 50 – klasse, sinnvoll und dringend notwendig. Dabei geht es aber nicht nur um den Showeffekt auf den Flaniermeilen dieser Welt, sondern auch um Sicherheit und Komfort wegen des Öffnungs- oder Schließungsvorgangs. (YouTuber testet Hongqi H9: Der BMW-7er-Klon hat ein paar Schwächen, doch dafür stimmt ...)

Das Einzige, was dem neuen BMW 4er Cabriolet anzulasten ist, bleibt das manuelle Windschott hinter den Vordersitzen. Das hält zwar selbst bei Geschwindigkeiten jenseits der 200 km/h nervige Luftverwirbelungen aus dem geöffneten Innenraum, ist jedoch nach wie vor nur mit der Hand nach oben zu klappen. In ein modernes Cabriolet des Jahres 2021 mag diese Handarbeit nicht mehr so recht passen. Und dann wäre da natürlich noch der hochformatige Riesengrill, der heiß umstritten ist. Sicher ist die Mega-Niere nicht mehr ganz neu, doch bei jedem damit neu auf den Markt kommenden BMW regt sich im Netz massiver Widerstand – so wie zuletzt beim BMW iX. Am Ende werden die Verkaufszahlen zeigen müssen, ob die Kunden wirklich aufgrund des Grills zu einer anderen Marke greifen. (Ehemaliger BMW-Designer nimmt neuen iX aufs Korn: „Ein Auto, das seine Seele verloren hat“)

Fahraufnahme eines geschlossenen BMW 440i xDrive Cabriolet
Nach zwei Generationen mit Stahldach trägt das aktuelle BMW 4er Cabrio wieder Stoffmütze. © BMW

BMW 440i xDrive Cabrio im Test: Der Drei-Liter-Reihensechszylinder schiebt an wie ein Wilder

Die Rückbank des BMW 4er Cabrio lässt sich umklappen und damit auch lange Gegenstände aus dem 385 Liter großen Kofferraum nach vorne durchladen. So wird der offene 4er zu einem echten Ganzjahresauto. Das gilt auch deswegen, weil das aktuelle Topmodell des 4,77 Meter langen BMW 440i Cabrio obligatorisch mit Allradantrieb ausgestattet ist. Dabei ist das Paket aus Motor, Getriebe, Fahrwerk, Lenkung und Alltagsnutzen derart exzellent, wie dies bereits beim geschlossenen Bruder 440i xDrive Coupé der Fall ist. Drei Liter Hubraum, doppelte Turboaufladung, Achtstufenautomatik und Allradantrieb – da soll bitte keiner mit einem hochaufgeladenen Vierzylinder oder gar Elektroantrieb kommen, denn hier spürt man Fahrgenuss pur. Das Paket ist mehr als beeindruckend und wären da nicht Nichtigkeiten wie das Windschott, die etwas unübersichtlichen Instrumente oder das stattliche Gewicht – besser könnte ein offener Viersitzer in der Mittelklasse nicht sein. (BMW-Chefdesigner van Hooydonk zur heftigen Kritik im Netz: Kommentare „können ziemlich brutal sein“)

Aus dem Stand beschleunigt der über 1,9 Tonnen schwere Allradler dank seiner 275 kW (374 PS) und 500 Nm maximalem Drehmoment in knapp unter fünf Sekunden auf Tempo 100 – abgeregelt wird bei 250 km/h. Die Rückmeldung der präzisen Lenkung, die kraftvollen Bremsen und das direkte Gefühl zur Fahrbahn macht in dieser Klasse aktuell keiner besser als BMW. Dass man mit einem überlangen Zug am linken Schaltpaddel eine kurzeitige Nachschärfung des ohnehin hungrigen Sportmodus initiiert, ist nicht mehr als eine entbehrliche Spielerei, die man zumindest hätte artgerecht in Szene setzen sollen. Der offene 4er schiebt mit seinem drei Liter großen Reihensechszylinder an wie ein Wilder. Der Fahrspaß ist beeindruckend – der Vortrieb nicht nur im souveränen Grenzbereich beängstigend. Bis vor Kurzem war man derart heiß mit einem BMW M3/M4 unterwegs und das war dann nicht mal die Cabrio-Version. Dabei ist der geringe Normverbrauch mit den in Aussicht gestellten 7,8 Litern nicht nur durch das 48-Volt-Bordnetz eine echte Schau. (Gepanzerter BMW X7: Von außen ganz normal, doch dieses SUV hält Handgranaten stand)

Blick ins Cockpit des BMW 440i Cabrio
Komfort- und Sicherheitsausstattung im BMW 440i Cabrio sind auf der Höhe der Zeit. © BMW

BMW 440i xDrive Cabrio im Test: Das kostet der offene Münchner in der Basis

Natürlich kann der mindestens 75.800 Euro teure Bayer – offen wie geschlossen – auch langsamer, lässiger und dabei mit der kommoden Gesamtabstimmung auch den Cruiser mimen. Doch richtig Laune macht er eben erst, wenn er je nach Fahrprogramm rangenommen wird und sich so mehr denn je von den zahmeren Diesel- und Benzinerversionen abhebt. Keine Neuigkeiten gibt es im Innern. Genügend Platz für zwei, notfalls zwei Sitzgelegenheiten im Fond für ungeliebte Passagiere und eben jede Menge Möglichkeiten, das Gepäck unterzubringen. Die Sitze sind klasse, die Verarbeitung auch und die Komfort- sowie Sicherheitsausstattung ist über die gesamte Baureihe auf hohem Klassenstandard. Mehr braucht aktuell wohl niemand und zumindest beim Cabrio kann man sich sogar das dann 510 PS starke BMW M4 Cabriolet – erstmals auch mit Allradantrieb – sparen. Das Poweraggregat ist im Coupé oder dem viertürigen M3 besser aufgehoben. (Mit Material von press-inform)

Auch interessant