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BMW 230e xDrive Active Tourer im Test: Mehr Platz, gleicher Radstand

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Von: Simon Mones

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Lange Zeit stand auf der Kippe, ob der 2er Active Tourer von BMW überhaupt eine Zukunft hat. Doch die Bayern machen die zweite Generation schicker.

München – Der Grund, weshalb der BMW 2er Active Tourer, in seiner ersten Generation weder eine Schönheit noch zum Markenimage der Bayern passend, im Programm blieb, ist einfacher denn je. Seit seiner Markteinführung im Jahre 2014 hat das Unternehmen fast eine halbe Million 2er Active Tourer verkauft und damit insbesondere neue Kunden gewonnen, die zuvor noch nie einen BMW gekauft hatten.

Die zweite Generation der sportlichen Großraumlimousine ist ein Fortschritt in Sachen Technik, Bedienkomfort und Motorisierung, insbesondere durch den verbesserten Plug-in-Hybrid, der jetzt bis zu 90 km im Null-Emissions-Modus zurücklegen kann.

BMW 230e xDrive Active Tourer im Test: Mehr Platz, gleicher Radstand

Optisch ist der Active Tourer durchaus wiederzuerkennen, hat jedoch deutlich gewonnen. Er sieht deutlich schicker und besser proportiert aus als das bisherige Modell, wobei sich die Abmessungen nur marginal verändert haben. In der Höhe wurden 2,1 cm zugelegt, in der Breite 2,4 cm und in der Länge 3,2 cm – das alles bei identischem Radstand von 4,39 Metern. („Hässlich“ oder „wunderschön“? Pop-Art-BMW stößt auf geteiltes Echo)

Ein BMW 230e, fahrend.
Der BMW 230e ist im Vergleich zu seinem Vorgänger etwas gewachsen. © Fabian Kirchbauer/BMW

Bei der Plug-in-Variante entfällt aufgrund von Batterie und Systemtechnik jedoch die um 13 Zentimeter in der Länge verschiebbare Rückbank. Kopf- und Beinfreiheit passen, wobei auch das Kofferraumvolumen durch die zusätzliche Akkutechnik beeinflusst wird: Von 470 Litern beim 218d und 415 Litern bei 220i/223i sinkt das Volumen bei den Plug-in-Versionen 225e und 230e auf 406 Liter. Dabei ist der Kofferraum des 2er Active Tourer hinter der elektrischen Klappe einfach zu beladen, da die Kante nur 67 Zentimeter vom Boden entfernt ist.

BMW 230e xDrive Active Tourer im Test: OS 8 ermöglicht Over-the-air-Updates

Zwischen den beiden Vordersitzen befindet sich eine voluminöse Konsole in schwebendem Design, in der sich der neue Wählhebel sowie weitere Schalter zum Ändern der Fahrmodi und der Lautstärke befinden. Unter dieser Konsole liegt ein großzügiger Stauraum, im Gegensatz zu den Türtaschen, mit rutschfestem Gummi ausgekleidet, und direkt davor ein weiterer Bereich, in dem das Mobiltelefon seinen sicheren Platz findet. Die wohl konturierten Sitze sind bequem und vielfältig zu verstellen; auf Wunsch gibt es Heizung, elektrische Verstellung und verschiedene Massageprogramme. Die Rückenlehnen der Rücksitze können im Verhältnis 40:20:40 umgeklappt werden. (BMW zieht beim i3 den Stecker: Produktions-Aus nach zehn Jahren)

Der Innenraum des BMW 230e.
Im Innenraum blickt der Fahrer auf zwei Bildschirme. © Fabian Kirchbauer/BMW

Ähnlich wie beim BMW i4 blickt der Fahrer auf zwei Bildschirme mit Diagonalen von 10,25 und 10,7 Zoll, die beide vom neuen Betriebssystem gesteuert werden. Ein Vorteil des OS 8 von BMW ist, dass das Navigationssystem ein in der Cloud gehostetes Kartensystem verwendet und dass es in der Lage ist, Updates aus der Ferne zu empfangen (OTA - over the air) und auch eine Augmented-Reality-Funktion bietet, bei dem der Hauptbildschirm von der Frontkamera aufgenommene Bilder mit virtuellen Anzeigen überlagert. Bitter: das Head-up-Display projiziert seine Informationen wenig zeitgemäß und alles andere als premium auf eine vertikale Polykarbonatscheibe.

BMW 230e xDrive Active Tourer im Test: Erstmals auch als Plug-in-Hyrid

Für den Active Tourer der neuen Generation bietet BMW erstmals zwei Plug-in-Hybrid-Versionen an, den 225e (Gesamtleistung: 245 PS) und den 230e (326 PS), die beide mit dem modularen Gen-5-PHEV-System und einem Allradantrieb ausgestattet sind. Die Energiekapazität der im Unterboden eingebauten Batterie hat sich im Vergleich zum vorherigen 2er Active Tourer auf 14,2 kWh netto fast verdoppelt und ermöglicht eine WLTP-Reichweite von bis zu 90 km und eine Gesamtreichweite beider Antriebe von 605 km. (BMW-Stromer tönen bald schöner: Hollywood-Star designt neue Sounds)

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Die elektrische Nennleistung stieg von 70 kW/95 PS auf 90 kW/122 PS und auf 130 kW/176 PS im kurzzeitigen Boost. Gleichzeitig verdoppelte sich die Kapazität des bordeigenen Ladegeräts auf 7,4 kW, was bedeutet, dass eine Batterie in zweieinhalb Stunden auf 100 Prozent aufgeladen werden kann.

BMW 230e xDrive Active Tourer im Test: Lenkung des Familienvans überzeugt

Der BMW 230e hat die gleichen Fahrwerkseinstellungen und Auswirkungen auf das Fahrverhalten wie die anderen Motorvarianten, jedoch fehlt ihm die Möglichkeit, seine Federung um 15 mm abzusenken, da die Batterie unter dem Fahrzeugboden platziert ist. Der Familienvan fährt sehr stabil, lässt sich leicht auf den Kurveneingang ausrichten, hat eine ebenso direkte wie präzise Lenkung, die bei langen, engen Richtungswechseln keine großen Armbewegungen zulässt.

Der BMW 230e von hinten.
Die Lenkung des BMW 230e überzeugt. © Fabian Kirchbauer/BMW

Richard Renz, Entwicklungsleiter des 2er Active Tourer: „Das neue Fahrwerk verfügt über eine neue selektive Dämpfung, die bei hohen Frequenzen eine weiche Dämpfung erzeugt und gleichzeitig stabil auf niedrige Frequenzen reagiert, wenn der Dämpfer steif sein muss. Es handelt sich um ein rein mechanisches Ventilsystem im Stoßdämpfer, sowohl vorne als auch hinten: Bei hohen Frequenzen wird das Öl umgangen und sorgt für ein weicheres Ansprechen des Dämpfers, bei niedrigen Frequenzen schließt das Ventil für ein härteres Ansprechen“. Heißt, es ist variabel, aber es gibt keinen Eingriff des Fahrers, es gibt keinen Knopf, es hängt alles davon ab, wie die Straße das mechanische System auslöst.

BMW 230e xDrive Active Tourer im Test: Bis zu 90 Kilometer emissionsfrei

Der allradgetriebene BMW 230e xDrive wiegt 220 kg mehr als der 223i xDrive mit identischem Benzinmotor, davon 160 kg durch die Batterie im Unterboden und die restlichen 60 kg durch andere Komponenten. Angesichts des Leistungsvorteils des PHEV (326 vs. 218 PS und 477 vs. 360 Nm) überrascht es nicht, dass der 230e sich als das deutlich dynamischere Fahrzeug präsentiert. Die neuen, vereinfachten Fahrmodi sind Personal, Efficient und Sport beeinflussen das Ansprechverhalten des Antriebsstrangs sowie von Lenkung und Fahrerassistenzsystemen. (BMW iDrive: iX und i4 künftig ohne Tastendruck – Bediensystem OS 8 funktioniert völlig anders)

Laut BMW reicht die vergrößerte Reichweite aus, um von München in die Alpen zum Skifahren zu fahren und nach einer 2,5-stündigen Fahrt bei vollem Akku wieder in die bayerische Hauptstadt zurückzukehren. Ich startete mit einer Gesamtreichweite von 630 km (davon 72 elektrisch) und nach etwas mehr als einer Stunde war die 48,5 km lange Schleife beendet. Ohne Autobahnen und mit vielen Landstraßen in höheren Lagen lag der Durchschnittsverbrauch bei 3,7 Litern/100 km beziehungsweise 12,2 kWh/100 km. Dreimal so hoch wie die vorläufigen WLTP-Verbräuche; aber der verbleibende Durchschnitt zeigte 37 km an, was der angekündigten bis zu 90 km emissionsfreien Reichweite entsprach.

BMW 230e xDrive Active Tourer
Motor/Getriebe/Antrieb2,0 Liter Turbo-Vierzylinder mit E-Motor/Doppelkupplungsgetriebe/Allrad
Leistung/Drehmoment326 PS/477 Nm
Länge/Breite/Höhe (in mm)4.386/1.824/1.576
Vmax/0–100 km/h205 km/h / 5,5 s
Normverbrauch/CO2-Emssion1,4-1,1 l/100 km / 30-22 g/km

Die Preise für die beiden Hybridmodelle stehen noch nicht fest, weil diese erst im Sommer auf den Markt kommt. Derzeit ist der 136 PS starke BMW 218i die günstigste Möglichkeit, einen Active Tourer zu fahren. Mit mäßiger Serienausstattung startet dieser bei 35.100 Euro. Der BMW 230e xDrive wird sich oberhalb der Region des aktuellen Topmodells 223i xDrive aufhalten, der mit seinem 160 kW/218 PS starken Vierzylinder-Turbo mindestens 43.500 Euro kostet. (Joaquim Oliveira/press-inform)

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