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Bentley Flying Spur V8 im Test: Genügt auch der schwächere Motor oder braucht’s den W12?

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Von: Sebastian Oppenheimer

Bentley erweitert die Modellpalette seiner Limousine Flying Spur um den V8-Motor. Ist das schwächere Aggregat eine echte Alternative zum W12-Flaggschiff?

Crewe – Wenn selbst notorische Linksfahrer in ihren Dienstwagenkombis ehrfürchtig die Spur freigeben, dann muss das Fahrzeug Rückspiegel schon etwas ganz Besonderes sein. Majestätisch trifft es eher. Denn Queen Elisabeth II. (94) wird in einem Bentley chauffiert, da geht man schon mal innerlich in Hab-Acht-Stellung, wenn im Rückspiegel das markante Vier-Augen-Gesicht der britischen Edelmarke auftaucht. Zumal der Flying Spur per se schon eine respekteinflößende Präsenz ausstrahlt.

Fahraufnahme eines Bentley Flying Spur V8.
Den Bentley Flying Spur gibt es neben der W12-Version nun auch mit einem Achtzylinder. © Bentley / Richard Pardon

Bentley Flying Spur V8 im Test: Sind die 25.000 Euro Aufpreis zum W12 verzichtbar?

Die untermauert die V8-Variante durch PS-Kraft. Der V8-Motor schiebt die Luxuslimousine mit 404 KW (550 PS) angemessen an. Bitte? Nur acht Zylinder, das ist wenig standesgemäß, dürfte es dem einen oder anderen durch den Kopf schießen, der entrüstet sein Monokel vor das Auge kneift. Ja. Acht Töpfe und die reichen völlig aus, auch wenn die Traditionalisten das anders sehen mögen. Mit dem Achtender unter der Motorhaube wiegt der Luxuskreuzer 2.330 Kilogramm, also rund 100 Kilogramm weniger als die W12-Version, bei der 467 kW (635 PS) für eine angemessene Fortbewegung sorgen. (Bentley Bentayga V8: Diese digitale Aufrüstung war bitter nötig)

Das führt zu einer ebenso souveränen Leichtigkeit: Nach 4,1 Sekunden erreicht der Flying Spur Landstraßentempo (W12: 3,8 Sekunden) und ist bis zu 318 km/h schnell (W12: 333 km/h). Der Achtender lastet dafür weniger schwer auf der Vorderachse und der Durchzug ist dank des maximalen Drehmoments von 770 Newtonmetern souverän und ja, wir benutzen den Ausdruck im vollen Wissen um die Semantik: mühelos. Untermalt von einem satten Motorenklang, natürlich nicht zu aufdringlich. Die feine Passagier-Gesellschaft möchte bei ihrer Konversation im Innenraum nicht gestört werden. (Mercedes-Maybach GLS 600: So was gibt’s nicht mal in Bentley und Rolls-Royce)

Fahraufnahme eines Bentley Flying Spur V8.
Der Bentley Flying Spur V8 stemmt ein maximales Drehmoment von 770 Nm auf die Straße. © Bentley / Richard Pardon

Bentley Flying Spur V8 im Test: Zylinderabschaltung hilft beim Sprit sparen

Warum das alles wichtig ist? Schließlich wird man im Bentley Flying Spur doch gefahren, oder? Das stimmt natürlich, aber immer mehr Kunden wollen das Steuer selbst in die Hand nehmen. Und da sich der Bentley die Plattform mit dem Porsche Panamera teilt, dürfte auch Ihre Lordschaft Spaß am Do-it-yourself haben. Mit der Hinterachslenkung kommt tatsächlich ein Schuss Panamera in die britische Nobelkarosse, zumindest lässt sich der 5,32 Meter lange Flying Spur deutlich wendiger durch die Stadt und dirigieren. Auf der Landstraße und natürlich der eingangs erwähnten Autobahn steht der Bentley Kraft seiner motorpotenten Herkunft seinen Mann. Der Komfort passt sich dank der adaptiven Luftfederung und der Achtgang-Automatik der unaufgeregten Attitüde des gesamten Fahrzeugs an. (Neuer Rolls-Royce Ghost: Die Türen können jetzt auch ...)

Der Bentley Flying Spur ist per se mehr Gleiter als Sprinter. Wenn man mit leichtem Gasfuß unterwegs ist, funktioniert die Zylinderabschaltung des Achtenders reibungslos und unmerklich. Innerhalb von 20 Millisekunden verabschieden sich die Töpfe zwei, drei, fünf und acht von der Arbeit. Wenn der Luxuskreuzer dann wieder mehr Fahrt aufnehmen soll, springen die Zylinder ruckzuck ihren Kollegen zur Seite. Als Konsequenz fällt der Spritverbrauch auf durchschnittlich 15,8 Liter pro 100 Kilometer. Bentley gibt 12,7 l/100 km an. Da der Tank 90 Liter fasst, muss man mit dem Flying Spur nicht so oft zum Boxenstopp. (Extrem teuer – und oft extrem überflüssig: die kuriosesten Extras in Luxusautos)

Blick auf die Mittelkonsole eines Bentley Flying Spur V8.
Die Verarbeitung Bentley Flying Spur V8 ist auf exzellentem Niveau. © Bentley Richard Pardon

Bentley Flying Spur V8 im Test: Im Innenraum herrscht opulenter Luxus vor

Im Innenraum merkt man eh keinen Unterschied. Auch in der kleinen Version herrscht im Innenraum opulenter Luxus. Sichtcarbon, solide Knöpfe und feines Leder. Lediglich die Klimaanlage könnte ihren Dienst etwas leiser verrichten und die Windgeräusche am Glasdach vernimmt man nur, weil die anderen Geräusche so zuverlässig von den Passagieren ferngehalten werden. Und wer in einem solchen Auto sitzt, lässt sich doch ab und an fahren. Dann stört es auch nicht, dass das Infotainment nicht sofort aus den Startblöcken springt, wenn man den Flying Spur zum Leben erweckt. Auch die Verkehrszeichenerkennung ist nicht immer zu 100 Prozent zuverlässig.

Technische Daten Bentley Flying Spur V8
Motor/Getriebe/Antrieb4,0-Liter-V8-Biturbo, Achtgangautomatik, Allradantrieb
Leistung/Drehmoment404 kW (550 PS) / 770 Nm bei 2.000–4.000 U/min
Vmax/0–100 km/h318 km/h / 4,1 s
Länge/Breite/Höhe5.316 / 2.220 / 1.483 mm
Leergewicht2.330 kg
Kofferraumvolumen420 Liter
CO2-Ausstoß288 g/km
AbgasnormEuro 6 AP
Basispreis188.268 Euro

Bentley Flying Spur V8 im Test: Es gibt wenig Gründe zum W12 zu greifen

Aber diesen Bentley kauft man nicht, weil man die neueste Infotainment-Technik an Bord haben will. Ein Flying Spur ist ein Statement, der klassischen Eleganz. Der Preis für den Bentley Flying Spur V8 beträgt aktuell 188.268 Euro. Die Version mit dem dem W12-Motor liegt bei 213.440 Euro. Letztendlich gibt es wenig Gründe, die für den Aufpreis von rund 25.000 Euro sprechen. Allerdings spielt es bei der Flying-Spur-Klientel bisweilen auch das Prestige eine nicht unwesentliche Rolle. (Wolfgang Gomoll / press-inform)

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