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Audi R8 V10 RWD Performance Spyder im Test: Darum macht dieser Verbrenner richtig viel Laune

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Von: Marcus Efler

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Der Audi R8 mit V10 wird keinen Nachfolger mehr bekommen. Umso mehr begeistert sein letztes Aufbäumen mit 570 PS und Heckantrieb.

Ingolstadt – Diesen Klang werden Verbrenner-Fans vermissen: Ein Druck auf den roten Startknopf am Lenkrad – und das Konzert trompetet aus den beiden mächtigen Endrohren heraus. Grollend, fauchend, sprotzend. Zehn Zylinder toben sich aus. So klingt die akustische Signatur von 570 PS. Und besonders gut in den Ohren des Fahrers ertönt sie im Spyder bei aufgeklapptem Verdeck. Seit September 2006 baut Audi den R8 in seiner Manufaktur in den Böllinger Höfen unweit von Neckarsulm - überwiegend in Handarbeit und seit 2015 in der zweiten Generation. Jetzt haben die Audianer beim heckgetriebenen R8 V10 Performance RWD noch einmal nachgelegt. (Audi Sport GmbH: RS3, RS6, R8 – die PS-starken Modelle der Audi-Tochter aus Neckarsulm)

Audi V10 RWD Performance Spyder, fahrend
Das Design des Audi R8 wirkt noch immer frisch. © Audi

Audi R8 V10 RWD Performance Spyder im Test: Darum macht dieser Verbrenner richtig viel Laune

In diesem Fall heißt das unter anderem: 30 PS und 10 Newtonmeter mehr als im Basismodell Audi R8 V10 RWD, ein paar Kilo Gewichtsersparnis etwa durch einen CFK-Stabilisator an der Vorderachse und noch mehr Fahrspaß. Der 5,2-Liter-Motor mit Trockensumpfschmierung ist einer der letzten Sauger in seinem Segment. In der Performance-Version entwickelt der Mittelmotor ein maximales Drehmoment von 550 Nm. Entsprechend reichen beim 1.695 kg schweren Spyder 3,8 Sekunden (Coupé: 3,7 Sekunden), um ihn aus dem Stand auf 100 km/h zu katapultieren. Im Spyder ist bei 327 km/h Schluss, im Coupè bei 329 km/h. Der offizielle Kraftstoffverbrauch ist entsprechend: rund 13 Liter Super Plus auf 100 Kilometer. (Einst begehrt, heute Ladenhüter: Cabrios und Coupés vor dem Aus?)

Audi R8 V10 RWD Performance Spyder im Test: Nackenschlag beim Beschleunigen

Dank reinem Heckantrieb und einer darauf ausgerichteten Fahrwerk- und Fahrdynamikabstimmung bietet der 4,43 Meter lange Zweisitzer dazu deutlich mehr Lustgewinn als die Allrad-R8. Ein kräftiger Kick aufs Gaspedal – und schon beschleunigt der RWD mit einem kräftigen Schlag in den Nacken. Er lässt nie Zweifel daran aufkommen, von wo der Vorwärtsdrang kommt: von den Heckrädern.

Audi V10 RWD Performance Spyder, Heckansicht
Wassersportwagen: Der R8 Spyder trägt sogar ein Surfbrett. © Audi

Im Sportmodus und mit eingeschalteter Elektronischer Stabilisierungskontrolle (ESC) sind kontrollierte Drifts möglich. Raus aus der Kurve, etwas Speed und schon schwenkt das Heck aus – lässt sich durch Gegenlenken aber jederzeit wieder einfangen. Die optional erhältliche Dynamiklenkung sorgt für ein der jeweiligen Situation angepasstes direktes Lenkverhalten und einen perfekten Kontakt zur Fahrbahn. Der relativ tief eingebaute Mittelmotor und die Achslastverteilung von 40:60 Prozent sichern zudem eine perfekte Balance und präzises Handling. Das Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe schaltet schnell, präzise und ohne merkbare Kraftunterbrechung. Im Sportmodus gibt es beim Runterschalten noch Zwischengas obendrauf. (Autobahnrennen mit 305 km/h: Mercedes-AMG-Raser dreht Selfie-Video)

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Audi R8 V10 RWD Performance Spyder im Test: Der Gepäck reicht fürs Bordcase

Das Außendesign ist klassisch R8. Wenn man drin sitzt, folgt der Blick in den Außenspiegel der geschwungenen Linie der hinteren Radhäuser. Das Interieur wird geprägt von einer straffen Linienführung vom Armaturenbrett mit dem digitalen Kombiinstrument über das multifunktionale Lenkrad bis zu den Sportsitzen.

Interieur des Audi V10 RWD Performance Spyder
Bauartbedingt ohne großes Mittel-Display: Interieur des Audi V10 RWD Performance Spyder. © Audi

Weniger prickelnd ist das Navigationssystem: Es führt gelegentlich in die Irre – vor allem bei eng zusammen liegenden Ausfahrten an Kreisverkehren. Das liegt vor allem an der eher kompakten Größe des Navigationsbildschirms im schmalen digitalen Cockpit. Ein größeres digitales Display á la iPad würde allerdings das Design stören, hier würde wohl nur ein Head-up-Display helfen. Einen Laderaum gibt es nur als „Frunk“ vorne. Bei gerade mal 112 Litern Fassungsvermögen passt immerhin noch ein Standard-Bordcase exakt hinein.

Audi V10 RWD Performance Spyder
Motor/Getriebe/Antrieb5,2l-V10/7-Gang-Doppelkupplung/Heck
Leistung/Drehmoment419 kW (570 PS) bei 8.000 U/min / 550 Nm bei 6.400 U/min
Vmax/0–100 km/h327 km/h / 3,8 s
Länge/Breite/Höhe4,43/1,94/1,24 m
Ladevolumen112 l
Leergewicht1.695 kg
Normverbrauch/CO2-Emission13,4l/100 km / 306 g/km
Preis162.000 Euro

Mit 162.000 Euro Einstandspreis für den offenen Spyder ist der Audi R8 10V RWD Performance sicher nicht aus der Portokasse zu bezahlen. Aber wer kann und will, der wird an ihm ganz sicher viel Spaß haben. Wie lange es diesen Spaß – zumindest akustisch – so noch geben wird, ist die Frage. Denn bei Audi arbeitet man längst schon an einem rein elektrischen Nachfolger. Der wird ähnlich atemberaubend aussehen und in den Beschleunigungswerten sicher nicht hintanstehen. Aber ob über 300 km/h Spitze in einem Stromer so bald realistisch sein werden, bleibt fraglich. Und der orchestrale Sound dürfte dann auch der Vergangenheit angehören. (Jürgen Wolff/press-inform)

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