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Power-Q4 von Audi im Test: Reichen 299 PS, um gegen Tesla zu bestehen?

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Von: Marcus Efler

Der Audi Q4 e-tron 50 quattro ist das neue Topmodell der kompakten Elektro-SUV aus dem VW-Konzern. Reichen 299 PS, um gegen Tesla zu bestehen?

Ingolstadt – Die elektrische Power-Offensive des Volkswagen-Konzerns läuft auf Hochtouren. Die Geheimnisse des Modulare E-Antriebs-Baukastens (MEB), auf dem eine ganze Flotte von Elektromobilen des VW-Konzerns basiert, sind fast alle gelüftet. Eines bleibt aber noch: Was kann die vorläufige Top-Version mit 220 kW / 299 PS, einem Drehmoment von 460 Newtonmetern und Allradantrieb? Schließlich kommen noch der VW ID.4 als GTX und der Škoda iV RS als Power-Varianten der jeweiligen Modellreihe. Audi darf jedenfalls mit dem Q4 e-tron 50 quattro ab Juni zeigen, was in der Konzerntechnik steckt. Auch wenn angesichts dieser Leistungsdaten die Fans amerikanischer Elektro-SUV wie Ford Mach-E oder Tesla Model Y nur mitleidig lächeln: Die erste Testfahrt mit dem Ingolstädter Elektro-Crossover zeigt, dass man auf bundesdeutschen Landstraßen und Autobahnen mit einer Sprintzeit von 6,2 Sekunden zu den Alphatieren gehört. (Audi Q4 e-tron, Škoda Enyaq und VW ID.4 – so individuell sind die Technik-Brüder)

Audi Q4 e-tron Sportback 50 quattro, fahrend
Topmodell: Der stärkste Q4 e-tron zeigt eine leicht modifizierte Front. © Roman Raetzke/Audi

Power-Q4 von Audi im Test: Reichen 299 PS gegen Tesla?

Allein die Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit auf 180 km/h konterkariert den Power-Gedanken etwas, schließlich ist beispielsweise der Jaguar I-Pace EV400 S AWD ganze 20 km/h schneller. Doch Audi-Chef Markus Duesmann lässt ja durchaus Sympathie für den Trend zur Tempodrosselung erkennen. Außerdem soll der Power-Q4 mit 82 kWh Akku-Kapazität bis 497 Kilometer weit kommen – da würden zu schnelle Autobahn-Etappen übermäßig viel Energie kosten. Bei unserer Testfahrt hätten wir nach 347,7 Kilometern nach einer Ladesäule suchen müssen. Der Durchschnittsverbrauch inklusive kurzzeitiger Höchstgeschwindigkeit pendelte sich bei 21,7 kWh/100 km ein, das sind lediglich 0,8 kWh/100 km mehr, als Audi angibt. Dass die maximale Gleichstrom-Ladeleistung lediglich 125 kW beträgt, passt ebenfalls nicht so ganz zum Hightech-Anspruch. Laut Audi soll der Akku in 38 Minuten von 5 auf 80 Prozent gefüllt werden können. An einer 11-kW-Wallbox vergehen 7,5 Stunden, um die leeren Akkus vollständig zu füllen. Im Laufe des Jahres soll ein Update die Energiezufuhr beschleunigen. (VW ID.X enthüllt: Wird dieses ID.3-Kraftpaket der elektrische Golf GTI oder Golf R?)

Audi Q4 e-tron Sportback 50 quattro, fahrend
Dynamisches Design: Der Audi Q4 e-tron Sportback 50 wirkt länger, als er ist. © Roman Raetzke/Audi

Power-Q4 von Audi im Test: Zwei Elektromotoren für den Stromer

Zwei Elektromotoren treiben den Power-Stromer an: einer vorn mit 80 kW (109 PS) und 162 Newtonmetern, einer hinten mit 150 kW (204 PS) sowie 310 Newtonmetern Drehmoment. Diese Architektur mit verschiedenen Motor-Bauarten (für Fachleute: vorn asynchron, hinten synchron) erweist sich im Zusammenspiel mit der Mischbereifung aus 235er- und 255er-Pneus tatsächlich als Fahrspaß-Spender: Für den 4,59 Meter langen Audi mit einem Wendekreis von lediglich 10,2 Metern sind Kurven eine natürliche Umgebung. Nur wenn es mit viel Karacho um enge Ecken geht, macht sich das Gewicht von 2.140 Kilogramm bemerkbar und der Q4 e-tron schiebt sachte nach außen. Die präzise agierende Progressivlenkung trägt ihren Teil zu dieser Agilität bei, könnte aber etwas mehr Rückmeldung geben. Das Fahrwerk mit den adaptiven Dämpfern kommt mit der Masse des E-SUVs problemlos klar, und ist auch im Dynamik-Fahrprogramm nicht übertrieben straff. Interessant ist das Efficiency-Programm, bei dem die Höchstgeschwindigkeit auf 130 km/h begrenzt wird (was per Durchtreten des Gaspedals überstimmt werden kann). Das Zusammenspiel zwischen der Navigation, den Sensoren und dem Antriebsstrang ist dann auf größtmögliche Effizienz ausgelegt: Erkennt das System etwa den Beginn einer Stadt, sind die Bremseingriffe zur Energie-Rückgewinnung etwas sanfter.

Audi Q4 e-tron Sportback 50 quattro, stehend
Erkennungszeichen: die großen 21-Zoll-Räder © sagmeister_potography/Audi
Technische Daten Audi Q4 e-tron 50 Sportback quattro
Motor/Antrieb2 Elektromotoren / Allrad
Leistung/Drehmoment220 kW (299 PS) / 460 Nm
Länge/Breite/Höhe4,59 / 1,87 / 1,61 m
Kofferraumvolumen535 – 1460 l
Vmax/0–100 km/h180 km/h / 6,2 s
Normverbrauch20,9 kWh/100 km
Basispreis54.900 Euro

Das Zusammenspiel der Systeme funktioniert wie aus einem Guss und ist eine der großen Stärke des Audi Q4 e-tron 50 quattro. Dazu gehört auch das Head-up-Display mit Augmented Reality, das grafische Hinweise in der virtuellen Größe eines 70-Zoll-Monitors scheinbar auf die Straße spiegelt. Allerdings ist bei der „Drohne“, wie Audi den fliegenden Pfeil nennt, der Kontrast zu niedrig. „Das ist ein Problem, daran arbeiten wir“, gibt der technische Projektleiter Michael Kaufmann zu. Darüber hinaus entspricht das Interieur des Q4 e-tron dem der konventionellen Modelle, was den Umstieg auf die Elektromobilität erleichtern soll. Beim üppigen Raumgefühl ist der Audi E-SUV dann wieder ganz Elektromobil. (Audi Q4 e-tron: Der Edel-Zwilling von VW ID.4 und Škoda Enyaq – das macht er anders)

Interieur des Audi Q4 e-tron Sportback 50 quattro
Cockpit und Interieur wirken audi-typisch hochwertig © Roman Raetzke/Audi

Power-Q4 von Audi im Test: Eine andere Version könnte besser passen

Insgesamt wirkt das Interieur hochwertiger als beispielsweise das des Škoda Enyaq. Was allerdings auch seinen Preis hat: Das Topmodell des Q4 e-tron kostet mindestens 54.900 Euro. Wer auf den Allradantrieb und PS-Kraft verzichten kann, sollte sich lieber den Audi Q4 40 e-tron mit 150 kW / 204 PS und Hinterradantrieb genauer anschauen, mit dem man ebenfalls flott unterwegs sein kann. Der kostet als Sportback 49.500 Euro. Und ist mit 534 Kilometern der Reichweiten-Meister der Baureihe. (Von Wolfgang Gomoll/press-inform)

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