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Audi A7 55 TFSIe im Test: Die Fahrleistungen sind okay – beim Laden hapert’s

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Von: Sebastian Oppenheimer

Ein Coupé wie der Audi A7 Sportback ist in der automobilen Welt ein Garant für Image und Luxus – auf Wunsch ist der Ingolstädter auch als Plug-in-Hybrid zu haben.

Ingolstadt – In Sachen Image gibt es andere, bessere Motorisierungen beim Audi A7. Allen voran der 600 PS starke RS7 oder zumindest der ebenfalls sehr sportliche S7 mit Dieselpower. Doch wer sportliche Fahrleistungen liebt und auf den Verbrauch achtet, für den haben die Ingolstädter gleich zwei A7-Versionen in petto. Leider – und das ist der Hauptnachteil bei beiden – gibt es zwar Motorleistungen von 299 beziehungsweise 367 PS, doch als Basisantrieb nur einen wenig imageträchtigen Vierzylinder, der in der Liga eines Luxuscoupés an sich nichts zu suchen hat. Der zwei Liter große Vierzylinder-Turbo mit 1.984 Kubikzentimeter befeuert im Volkswagen-Konzern beinahe alles, was Räder hat. VW Golf GTI, Arteon, Tiguan oder Audi A3, A4 / A6, Seat Leon, Škoda-Modelle und was auch immer noch. Der Motor ist vielfältig einsetzbar, hat gute Fahrleistungen und ist schon deshalb eine echte Allzweckwaffe.

Fahraufnahme eines Audi A7 55 TFSIe Quattro
Der Audi A7 55 TFSIe Quattro kann auch rein elektrisch fahren – und kommt dabei bis zu 60 Kilometer weit. © Audi/Tobias Kempe

Audi A7 55 TFSIe im Test: Die Fahrleistungen sind okay – beim Laden hapert’s

Im Audi A7 leistet er in einer seiner stärkeren Ausbaustufen 195 kW / 265 PS und ein maximales Drehmoment von 370 Nm. Unterstützt wird er im Fahrbetrieb von einem Elektromodul, das beim schwächeren A7 50 TFSIe die Gesamtleistung auf 220 kW / 299 PS drückt, während das Topmodell 55 TFSIe mit 270 kW / 367 PS nennenswert kraftvoller ist. Mit dieser Leistung sollte man ein Oberklassemodell artgerecht bewegen können. Doch das Zylinderquartett lässt nicht nur unter Last den steten Wunsch nach zwei Brennkammern mehr und einem damit verbundenen Hubraumzuwachs von einem weiteren Liter aufkommen. Doch den gibt es bei Audi mit einem Plug-In-Hybridantrieb nur den großen Baureihen Q7, Q8 und A8 – alle anderen müssen mit dem kleineren Vierzylinder auskommen. In dieser Liga gibt es sechs Zylinder aktuell nur im indirekten Konkurrenzmodell BMW 545e, da auch Mercedes seine hybride E-Klasse nur mit einem Vierzylinder zu den Kunden rollen lässt und die großen Coupés hat auslaufen lassen.

Audi A7 55 TFSIe im Test: Aus dem Stand geht es in 5,7 Sekunden auf Tempo 100

Dabei sind es nicht die Fahrleistungen, die einige Wünsche offenlassen. Die Gesamtleistung von 270 kW / 367 PS und stattlichen 500 Nm maximalen Drehmoment sorgt dafür, dass der Audi A7 55 TFSIe Quattro – obligatorisch als Allradler mit einem siebenstufigen Doppelkupplungsgetriebe unterwegs – eine überaus schnelle Coupélimousine ist. Aus dem Stand geht es in 5,7 Sekunden auf Tempo 100 und erst bei 250 km/h wird elektronisch abgeriegelt. Doch neben dem schwachen Motorklang zieht der Audi A7 55 TFSIe Quattro zwar munter los, aber nicht bullig durch. Besonders groß ist der Unterschied aus mittleren Drehzahlen im Vergleich zu einem bulligen Commonrail-Diesel mit sechs Zylindern wie dem Audi S7 TDI, doch auch die Turbobenziner mit sechs Brennkammern fahren sich anders als der Plug-In-Hybride. Angesichts der Fahrleistungen ist dies eher ein subjektives Problem denn ein reales, denn die Fahrleistungen des Audi A7 mit Stecker sind exzellent und dabei hat der Ingolstädter nicht einmal seine große Antriebsstärke ausgespielt. (Audi A6 e-tron Concept: Vorschau auf Oberklasse-Stromer – mit imposanter Reichweite)

Fahraufnahme eines Audi A7 55 TFSIe Quattro
Der Plug-in-Hybrid Audi A7 55 TFSIe Quattro leistet 270 kW / 367 PS. © Audi Tobias Kempe

Audi A7 55 TFSIe im Test: Der Ingolstädter kann auch rein elektrisch fahren

Denn anders als die Modelle ohne Elektrounterstützung zwischen Motor und siebenstufigem Doppelkupplungsgetriebe kann der A7 55 TFSIe auch rein elektrisch fahren – bei voll geladenem 14,4-kWh-Akkupaket immerhin rund 60 Kilometer. Auf dem Papier reduziert das den Normverbrauch auf 1,2 Liter Super auf 100 Kilometern. Geladen werden kann anders als bei einigen Mercedes-Modellen nur mit einem Typ-2-Stecker und somit nicht mit schnellem Tempo. Selbst an einer Ladesäule mit 22 kW verputzt der Audi A7 PHEV maximal 7,4 kWh. Ein leeres Akkupaket erstarkt daher in knapp 2.30 Stunden wieder zu voller Leistung. Wer den Audi A7 PHEV häufig auf langen Strecken unter flotten bis hohen Geschwindigkeiten einsetzt, muss mit einem Realverbrauch von über zehn Litern und einen Anteil Vortrieb mit reinem Elektroantrieb von 20 bis 25 Prozent rechnen. Im reinem Mischbetrieb mit nennenswerten Strecken in der Innenstadt, über Land und eben auf der Autobahn drückt sich der Elektroanteil über die 50-Prozent-Marke und der Verbrauch pendelt sich bei knapp sieben Litern Superkraftstoff auf 100 Kilometern ein. (Audi-Typenschilder verwirren weiterhin: Das verbirgt sich hinter den Zahlen)

Die einzelnen Fahrprogramme lassen sich über einen Taster an der schicken Mittelkonsole einstellen. Ärgerlich dabei: wenn die Routenführung im guten Navigationssystem startet, geht der A7 immer in den automatischen Hybridmodus – auch wenn man sich zuvor für einen anderen Fahrmodus entschieden hat. Daher aufpassen und auf die Anzeige im digitalen Kombiinstrument achten. Gegebenenfalls muss man einen Modus wie Battery Hold für eine nennenswert elektrische Restreichweite am Schluss seiner Fahrt nochmals nachträglich justieren.

Blick ins Cockpit eines Audi A7 55 TFSIe
Im Innenraum des Audi A7 55 TFSIe erwartet die Passagiere die gewohnt gute Verarbeitungsqualität der Ingolstädter. © Audi

Audi A7 55 TFSIe im Test: hoher Reisekomfort, sehr guter Bedienung.

Keinen Unterschied zu den Modellen ohne Stromanschluss macht der Audi A7 im Innern mit exzellenten Sitzen, hohem Reisekomfort und sehr guter Bedienung. Auch im Fond können groß gewachsene Personen bequem sitzen, die sich jedoch darüber wundern, dass das optionale Dämmglas anders als bei der Konkurrenz nicht die Seitenscheiben im Fond umfasst. Und wieso sich die empfehlenswerte heizbare Frontscheibe nur zusammen mit der Frontdefrostung einschalten lässt, kann einem selbst der Audi-Händler des Vertrauens nicht erklären. Auch er schüttelt nur verwundert den Kopf. Besser wäre eine separate Schaltung, wie dies jeder andere Hersteller anbietet, denn wer will beim Auftauen der Scheibe schon die kalte Luft der Nacht ins Auto pressen? (Audi Q5 45 TFSI Sportback quattro im Test: Stark und schick – doch es gibt ein Problem)

Ebenso gut wie der schicke Innenraum präsentiert sich das Paket aus Antrieb und Fahrwerk. Vorne wie hinten gibt es Fünflenkerachsen, die die meisten störenden Unebenheiten wegfedern und sich je nach Fahrprogramm komfortabel bis straff präsentieren. Das siebenstufige Doppelkupplungsgetriebe arbeitet nicht derart perfekt wie die Achtstufenautomatik der größeren Motorvarianten, aber sie werkelt dezent im Hintergrund und sorgt für niedrige Drehzahlen und entsprechende Dynamik, wenn der Pilot es wünscht.

Technische Daten Audi A7 55 TFSIe Quattro
Motor/Getriebe/Antrieb2,0–Liter-Vierzylinder mit Turboaufladung und Elektromotor
Leistung/Drehmoment270 kW (367 PS) / 500 Nm ab 1.800 U/min
Vmax/0–100 km/h250 km/h / 5,7 s
Normverbrauch1,2 l/100 km
CO2-Ausstoß44 g/km
Leergewicht2.140 kg
Basispreis77.850 Euro

Audi A7 55 TFSIe im Test: Das kostet das Ingolstädter Luxus-Coupé in der Basis

Bequem lässt es sich mit vier Personen reisen, zu fünft wird es recht unkommod im Fond und auch der Laderaum mit seinen überschaubaren 380 Liter eignet sich eher für weniger denn mehr Passagiere mit Gepäck. Hinter der elektrischen Heckklappe lässt sich die Rückbank, wenn gewünscht, umklappen und so auf 1.235 Liter erweitern. Kein Kombiniveau, aber mehr als genug, wenn es einmal etwas größer sein sollte. Der Basispreis von 77.850 Euro erhöht sich mit entsprechender Komfort- und Sicherheitsausstattung schnell auf rund 100.000 Euro oder mehr, wenn es S-Line-Paket, 20-Zöller, klimatisierte Ledersitze, Soundsystem und weitere Assistenzsysteme sein sollen. Für Dienstwagenfahrer lockt dafür die reduzierte Steuer und so entscheidet sich so mancher überzeugter Dieselfahrer mittlerweile für den Audi A7 mit Stecker. (Patrick Solberg / press-inform)

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