Dienstwagen-Bestseller

Audi A6 Avant 55 TFSI Quattro: So viel Benzin soll die Ultra-Technologie sparen

  • Sebastian Oppenheimer
    vonSebastian Oppenheimer
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Der Audi A6 Avant ist nach wie vor ein Bestseller unter den Dienstwagen. Der Quattro mit Ultra-Technologie soll Traktion und Dynamik steigern – und dabei noch Benzin sparen.

Ingolstadt – Hut ab vor den Marketing-Experten der Automobil-Hersteller. Vor vier Jahren hat der Ingolstädter Autobauer Audi den „Quattro mit Ultra-Technologie“-Allradantrieb aus dem Techniktaufbecken gehoben. Was das jetzt mit der Respektbezeugung gegenüber den Anpreisungs- und Wortakrobaten zu tun hat? Nun, anders als der Zusatz „ultra“ vielleicht vermuten lässt, handelt es sich bei dieser Version des Quattroantriebs nicht um eine besonders dynamikfördernde und agile Variante, sondern eher um die Effizienzversion. (Neue Audi-Typenschilder verwirren noch immer: Das steckt hinter den Bezeichnungen)

Audi A6 Avant 55 TFSI Quattro: So viel Sprit soll die Ultra-Technologie sparen

Tatsächlich greift die Hinterachse nur dann innerhalb von 250 Millisekunden in das Geschehen ein, wenn die Sensoren des Fahrzeugs das Traktionsbedürfnis signalisieren. Allerdings fehlt mit dem Zentraldifferenzial ein entscheidendes Element in der Dynamikgleichung. Das wird durch die Software, so gut es geht, ersetzt – indem 100 Mal pro Sekunde die Daten verschiedener Sensoren wie ESP, Lenkwinkel, Gaspedalstellung, Längs- und Querbeschleunigung genauso wie das Motor-Drehmoment und die Motorleistung erfasst werden. Mithilfe dieser Daten schaut das Auto sogar eine halbe Sekunde in die Zukunft, deswegen steht der Allrad-Antrieb stets bereit, sobald er gebraucht wird. „Im normalen Straßenbetrieb kommen wir mit diesem System der Performance eines klassischen Quattros sehr nahe“, sagt Dieter Weidemann, Leiter der Entwicklung Allradsysteme bei Audi. Der Techniker beziffert die Verbrauchsersparnis durch den Ultra-Allrad gegenüber konventionellen Vierradantrieben auf 0,3 l/100 km. (Audi RS e-tron GT: Plattform vom Porsche Taycan – ist der Audi trotzdem besser?)

An Materialqualität und Verarbeitung des Innenraums des Audi A6 Avant 55 TFSI quattro gibt es nichts zu mäkeln.

Audi A6 Avant 55 TFSI Quattro: Sauber verarbeitetes Cockpit mit edlen Materialien

So viel zur Theorie. Wir sitzen in einem Audi A6 Avant 55 TFSI mit eben jenem Antrieb. Das bedeutet 250 kW (340 PS) und ein Kampfgewicht von 1.835 Kilogramm. Das Einsteigen in den Liebling der Dienstwagenfahrer bereitet Freude. Das Cockpit ist sauber verarbeitet und die edlen Materialien, wie Aluminium und Leder verbreiten eine angenehme Atmosphäre. Allerdings darf man die für einen Mindestpreis von aktuell 61.791,94 Euro auch erwarten.

Das Infotainment mit dem zehn Zoll großen Touchscreen und den darunterliegenden 8,6 Zoll Monitor samt virtuellen Knöpfen, bei denen auch Druck ausgeübt werden muss, um eine Funktion auszulösen, stellt die neueste Ausbaustufe der Ingolstädter Unterhaltungselektroniker dar. Grundlegende Aufgaben wie das Koppeln des Telefons oder die Eingabe des Navigationsziels gelingen reibungslos, zumeist klappt auch die Spracherkennung sehr gut. Allerdings verhallt der Ruf nach dem Einstellungsmenü des Head-up-Displays nach wie vor ungehört. Das machen die Kollegen bei BMW in München besser. Bei manchen Bedienschritten muss man ganz kurz nach unten schauen, um das richtige Feld zu aktivieren. In solchen Momenten wünschen wir uns dann doch den klassischen Dreh-Drück-Steller zurück. (Audi A8 L Security: So schützt diese Panzer-Limousine die Bundeskanzlerin)

Der Audi A6 Avant 55 TFSI quattro soll durch die Ultra-Technologie Kraftstoff sparen.

Audi A6 Avant 55 TFSI Quattro: Deutlich verbesserte Lenkung mit mehr Rückmeldung

Die Fahrt in dem flotten Kombi bereitet durchaus Vergnügen. Der Sechszylinder ist präsent, aber das sehr angenehm und ohne eine Rabauken-Tonart anzuschlagen. Die bequemen Sitze und die deutlich verbesserte Lenkung, die jetzt ziemlich genau mitteilt, wie es um die Traktion der Vorderräder bestimmt ist, erleichtern die Kurvenfahrten und sorgen für eine gewisse Gelassenheit. Das liegt auch daran, dass die Ingolstädter es geschafft haben, der Steuerung das etwas teigige Gefühl im Zusammenspiel mit den hohen Rückstellkräften auszutreiben. Jetzt gehen die Richtungsänderungen auch im Dynamik-Fahrmodus leichter von der Hand als bisher. (Facelift Audi Q2: Wer ihn als Quattro will, muss an dieser Stelle Abstriche machen)

Mit umgeklappten Sitzen schluckt der Laderaum des Audi A6 Avant 55 TFSI quattro 1.680 Liter.

Audi A6 Avant 55 TFSI Quattro: Beschleunigung bis 250 km/h

Apropos Agilität. Da hat Dieter Weidemann nicht zu viel versprochen. Bei trockenem Asphalt schlägt sich auch der Ultra-Quattro sehr wacker und wuchtet den 4,94 Meter langen Kombi beschwingt um die Kurven. Allerdings ist dabei der Radstand von 2,92 Metern nicht zwingend hilfreich. In engen, sehr ambitioniert genommenen Ecken, wünscht man sich bisweilen ein etwas aktiveres Heck und einen etwas weniger trägen Vorderwagen. Aber die Traktion und der Spaß auf der Landstraße lassen solche Gedanken schnell wieder verfliegen, immerhin hilft der Quattro-Antrieb beim Sprint von null auf 100 km/h, der in fünf Sekunden absolviert ist. Maximal ist der Audi A6 Avant sport 55 TFSI quattro bis zu 250 km/h schnell.

Technische Daten Audi A6 Avant sport 55 TFSI quattro
Motor/Getriebe/Antrieb3,0-Liter-Sechszylinder-Benziner, 7-Gang-Automatik, Allradantrieb
Leistung/Drehmoment250 kW (340 PS) / 500 Nm bei 1.370 bis 4.500 U/min
Länge/Breite/Höhe4.939 / 1.886 / 1.494 mm
Vmax/0–100 km/h250 km/h / 5,0 s
Normverbrauch7,8 l / 100 km
CO2-Ausstoß178 g/km
Leergewicht1.835 kg
Kofferraumvolumen565 / 1.680 Liter
AbgasnormEU 6
Basispreis61.791,94 Euro

Audi A6 Avant 55 TFSI Quattro: So viel verbraucht der Kombi auf der Testfahrt

Bleibt das Thema Verbrauch. Unser Testfahrzeug war mit Sensoren ausgestattet, die erfassten, wie oft der Quattroantrieb aktiv ist. Bei einer eher flott gefahrenen Runde lag der Allradantriebanteil bei 51 Prozent und somit stand ein Durchschnittsverbrauch von 10,6 l/100 km auf der Uhr. Audi gibt 7,8 l/100 km an. Nicht unbedingt ein automobiler Asket, aber ein flott bewegtes Gepäckabteil mit einem Fassungsvermögen von bis zu 1.680 Litern und das Gewicht fordern eben ihren Tribut. (Wolfgang Gomoll / press-inform)

Rubriklistenbild: © manuel hollenbach

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