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VW T7 Multivan: Variabler und komfortabler – doch bei den Motoren hapert’s

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Von: Sebastian Oppenheimer

Mit dem neuen T7 Multivan wechselt Volkswagen auf die aktuelle MQB-Plattform. Doch mit den Motoren dürften nur die allerwenigsten glücklich werden.

Wolfsburg – Der Transporter von Volkswagen ist seit Jahrzehnten ein Bestseller und längst viel mehr als ein reines Nutzfahrzeug. Einkaufswagen, Reisemobil, rollende Kindertagesstätte, Umzugswaggon oder Businesslounge – die Einsatzmöglichkeiten kennen länderübergreifend kaum Grenzen. War der Transporter bisher in der Entwicklung jedoch durchweg ein Lastesel, der zum familiären Personentransporter umgewidmet wurde, so sieht das bei der neuen Generation erstmals anders aus. Mit dem Umstieg auf den MQB-Baukasten ist der T7 ab Herbst dieses Jahres variabler und komfortabler denn je. Damit will man den Abstand zur Mercedes V-Klasse vergrößern, denn die hatte dem Wolfsburger in der aktuellen Generation mächtig zugesetzt. (Hyundai Staria: Futuristisch designter Kleinbus tritt gegen VW und Mercedes an)

Fahraufnahme eines VW T7 Multivan
Mit dem Umstieg auf die MQB-Plattform wird der VW T7 Multivan deutlich variabler und komfortabler als sein Vorgänger. © Uli Sonntag/VW

VW T7 Multivan: Variabler und komfortabler – doch bei den Antrieben hapert’s

Leider hapert es bei den Antrieben des Bulli, denn hier werden sich viele Kunden beim Blick in die neuen T7-Bestelllisten umgucken. Leistungsstarke Diesel sind verschwunden und einen Allradantrieb gibt’s ebenfalls erst mal nicht. Volkswagen setzt völlig überraschend für einen solchen Transporter auf Benzinmotoren und Plug-in-Antrieb. Immerhin soll der in zwei Jahren mit einer elektrischen Hinterachse auch zum Allradler werden. Die Jubelrufe speziell von Mercedes und den direkten Wettbewerbern sind bis ins VW-Werk nach Hannover zu hören. Hier wird der Multivan gebaut.

Bei den Preisen geht es zumindest ausstattungsbereinigt sogar nach unten. Die Basisversion des 100 kW / 136 PS starken VW T7 mit normalem Radstand und 1,5 Liter großem Vierzylinder-Benziner startet als 4,97 Meter langer Multivan bei 44.839 Euro, der besser ausgestattete T7 Life kostet mindestens knapp 49.000 Euro. Das ist auch der Startpreis für den einzigen Diesel, der erst im Frühjahr 2022 nachgelegt wird. 150 Diesel-PS mit Frontantrieb liegen in der Topausstattung Style dann bei rund 61.000 Euro. Darüber rangieren die beiden stärkeren Benziner mit und ohne elektrische Unterstützung. (Neuer Mercedes EQT: Der Innenraum des Elektro-Vans überrascht)

Fahraufnahme eines VW T7 Multivan
Die Basisversion des VW T7 Multivan mit dem 136-PS-Vierzylinder-Benziner soll bei knapp 45.000 Euro starten. © Uli Sonntag/VW

VW T7 Multivan: Das sind die Preise je nach Ausstattung

Der 2.0 TSI mit 150 kW / 204 PS kostet je nach Ausstattung zwischen 50.000 und knapp 61.000 Euro. Die 5,17 Meter lange XL-Version (mit unverändertem Radstand) schlägt mit weiteren 1.862 Euro zu Buche und der nur frontgetriebene VW T7 Plug-in-Hybrid mit 160 kW / 218 PS kostet mindestens 57.174 Euro. Einen Nachfolger des aktuellen Topmodells VW 6.1 Multivan Exclusive mit seinem 204 PS starken Allradantrieb nebst Doppelkupplungsgetriebe für mindestens 83.000 Euro gibt es nicht mehr. Dessen Fans müssten dann auf die identisch motorisierte Caravelle der Vorgängergeneration umsteigen.

Doch warum behandelt Volkswagen Nutzfahrzeuge den Diesel so sträflich? Schließlich sind aktuell rund Dreiviertel aller T6.1 mit einem Selbstzünder ausgestattet. Immerhin können die betont gewerblichen Kunden den bisherigen VW T6.1 auch weiterhin mit leistungsstarken Dieselmotoren, Allradantrieb oder California-Version bestellen. Volkswagen will mit dem Umstieg auf den MQB-Baukasten Produktions- und Entwicklungskosten senken und die Variabilität der Plattform nunmehr auch zu den vermeintlichen Nutzfahrzeugen bringen. Die Diesel stehen allerdings auf dem Abstellgleis und man will konzernintern auf Elektroantriebe setzen. Der ist beim VW T7 jedoch nicht im Angebot, weil dieses Spektrum von VW ID. Buzz und ID. Buzz Cargo abgedeckt wird.

VW T7 Multivan: Der Diesel fährt aufs Abstellgleis

„Der T7 ist im Vergleich zu seinem Vorgänger fünf Zentimeter niedriger geworden und wir haben einen flachen Boden für alle Modelle“, unterstreicht Vertriebsvorstand Lars Krause, „damit haben Komfort und Variabilität im Innenraum deutlich gewonnen.“ Die Einzelsitze des neuen Bulli lassen sich jetzt mit wenigen Handgriffen aus- und wieder einbauen. Drehen kann man die Stühle allerdings nicht mehr und beim großen Panoramadach wird auf eine schattenspendende Jalousie verzichtet. (VW ID.Buzz: Volkswagens Elektro-Bus startet 2022 – mit mehreren Varianten)

Blick ins Cockpit des VW T7 Multivan
Das animierte Cockpit und die Bedienung im VW T7 Multivan kennt man aus dem VW Golf oder dem VW Arteon. © Uli Sonntag/VW

VW T7 Multivan: So viel Gepäck schluckt der VW Bus

Die Grundversion des T7 Multivan nimmt bis zur Dachhöhe beladen hinter der dritten Sitzreihe 469 Liter Gepäck auf. Bis hinter die zweite Sitzreihe beladen, steigt das Volumen auf 1.844 Liter. Wird das volle Ladevolumen bis hinter die erste Sitzreihe dachhoch genutzt, ergeben sich 3.672 Liter. Die entsprechenden Maße für die verlängerte Karosserieversion betragen 763, 2.171 und 4.005 Liter. Das animierte Cockpit und Bedienung kennt man von Golf oder Arteon. Die hinteren Sitze haben je nach Version auf 23 bis 29 Kilogramm abgespeckt und sind durch ein neues Schienensystem nunmehr auch beheizbar. Anzunehmen, dass Volkswagen hierfür bald auch besonders komfortable Captain Chairs mit elektrischer Verstellung, Massage und Klimatisierung anbietet. Nur gegen Aufpreis zu haben: eine elektrische Bedienung von Schiebetüren und Heckklappe.

Ungewöhnlich nur, dass gerade die Kunden, die bisher viel Geld für ein gut ausgestattetes Topmodell ausgegeben haben, nunmehr außen vor bleiben und ihren alten T6 weiterfahren müssen oder eben zur Konkurrenz wechseln könnten. Neben den 136 und 204 PS starken Benzinern gibt es nur einen Plug-in-Hybrid, den man bereits aus Golf, Passat und Co kennt. Doch dessen 1,4 Liter Hubraum mit 110 kW / 150 PS sind recht mager für einen mehr als zwei Tonnen schweren Transporter. Daran ändert auch die elektrische Unterstützung mit dem 85 kW / 115 PS starken Elektromotor nichts, der für eine Gesamtleistung von 160 kW / 218 PS sorgt und von einer 13-kWh-Batterie im Unterboden gespeist wird. Denn die lesen sich nur auf dem Papier wie das Niveau eines drehmomentstarken Diesels.

Blick in den Innenraum eines VW T7 Multivan
Durch das neue Schienensystem im VW T7 Multivan sind nun auch die hinteren Sitze beheizbar. © Uli Sonntag/VW

VW T7 Multivan: Fahrkomfort auf völlig neuem Niveau

Gerade als so beliebter Langstrecken-Familien-Allzwecktransporter fällt der T7 somit für viele treue Kunden aus. Freuen können sich dagegen Shuttledienste, die kurze Strecken zurücklegen, denn mit einer elektrischen Reichweite von knapp 50 Kilometern lässt es sich nahezu geräuschlos fahren und natürlich auch steuerlich begünstigt. 350 Nm maximales Drehmoment sind dank zusätzlichem Elektroboost ordentlich und der T7 erreicht in Sachen Fahrkomfort auch durch den Pkw-Baukasten ein völlig neues Niveau. Da poltert selbst auf zerborstenen Pisten kaum etwas, auch wenn sich die Federung bei den kleinen Benzinern besser schlägt als beim deutlich über zwei Tonnen schweren Plug-in-Hybrid, wo gerade die Vorderachse etwas stößig wirkt. (eBussy: Der „Bulli“ von Electric Brands hat nur 20 PS, aber mehr Drehmoment als ein Ferrari 488)

Wenn der neue Familienwagen nach seiner Publikumspremiere auf der IAA im November zu den Händlern rollt, gibt es zunächst keinen Diesel und darüber dürften viele Kunden den Kopf schütteln. Ein Selbstzünder kommt erst im zweiten Quartal 2022 und dann nur als 150 PS starker Fronttriebler. Die Verantwortlichen von Volkswagen Nutzfahrzeuge räumen ein, dass dies insbesondere die Märkte in den Alpenregionen auf die Barrikaden bringen dürfte, weil Selbstzünder und 4Motion-Antrieb fehlen. Und dass sich alle ab 2024 mit einer zusätzlichen elektrischen Hinterachse anfreunden können, darf bezweifelt werden. Nicht vor 2026 soll dann – mit den neuen gesetzlichen Euro-7-Vorgaben – auch der sehnlichst erwartete 204-PS-Diesel folgen – aktuell noch ohne Allradoption. Weniger dürfte die Kunden stören, dass die Handschaltung ausgedient hat. Alle T7-Versionen bekommen ein Doppelkupplungsgetriebe und einen deutlichen Nachschlag bei den Fahrerassistenzsystemen.

Fahraufnahme eines VW T7 Multivan
Zum Marktstart ist für den VW T7 Multivan kein Diesel erhältlich – dieser soll erst im zweiten Quartal 2022 kommen. © Uli Sonntag/VW

Bleibt die Frage, ob Volkswagen Nutzfahrzeuge nicht doch noch nachlegt und weitere Antriebsoptionen bringt, um alte Kunden zu halten und neue zu locken, denn bei rund 25.000 produzierten Fahrzeugen pro Jahr soll es mittelfristig nicht bleiben. Ohne echte Allradler und starke Diesel dürfte man sich aber auf einigen Märkten schwertun und insbesondere der starken Mercedes V-Klasse viel Terrain überlassen. (Von Stefan Grundhoff/press-inform)

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