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Neuer Škoda Kushaq: Ist das Preisbrecher-SUV ein vollwertiges Familienauto?

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Von: Marcus Efler

Die tschechische VW-Marke Škoda will wieder bodenständiger werden. Das Preisbrecher-SUV Kushaq zeigt schon mal, ob die Autos dadurch an Qualität verlieren.

Mladá Boleslav – Unlängst hat Škoda-Chef Thomas Schäfer unter dem Namen „Škoda Next Level 2030“ die Strategie der tschechischen Volkswagen-Tochter für die nächsten neun Jahre vorgestellt. Die verkündet nicht weniger als eine langfristige Strategie-Änderung: Škoda will nicht mehr um jeden Preis die Premium-Karte spielen, sondern zurück zu seinen Wurzeln fahren. Also eher der Renault-Budgetmarke Dacia Paroli bieten, als weiterhin VW auf die Pelle zu rücken – und erschwingliche Autos auflegen, die nicht immer den letzten Schrei der Technik bieten, aber dennoch alle Mobilitätsbedürfnisse der Kunden befriedigen. Den Anfang dieses Paradigmenwechsels markierte bereits der neue Kleinwagen Fabia, der mit einem Einstiegspreis unter 14.000 Euro um die Käufer buhlt. (Škoda Octavia Scout im Test: Unbefestigte Wege machen Spaß – woanders hakt’s)

Neuer Škoda Kushaq: Ist das Preisbrecher-SUV ein vollwertiges Familienauto?

So leicht, wie sich die Škoda-Strategen das vorstellen, dürfte der Kurswechsel aber nicht werden. Schließlich haben sich die Tschechen selbst mit dem Fluch der guten Tat belegt: Autos wie der Superb, der Octavia oder der Fabia sind im Grunde VWs im anderen Kleid und zu günstigeren Preisen. Zudem hat sich die verwöhnte Kundschaft an das Premium-Ambiente der Modelle aus Mladá Boleslav gewöhnt, einen Rückschritt ins Zeitalter des Billig-Ambientes und der Stahlfelgen würde sie vermutlich nicht goutieren. Auch wenn klar sein dürfte, dass man für 14.000 Euro keine Klimaautomatik oder eine Vollleder-Ausstattung bekommt.

Škoda Kushaq, stehend
Der Škoda Kushaq präsentiert sich als gelungenes Kompakt-SUV. © Škoda

Škoda Kushaq: Vollwertiges Auto für Familien-Alltag

Die Frage lautet nun, wie die Tschechen diesen Spagat bewerkstelligen wollen. Viele Antworten darauf findet man im neuen Modell Kushaq, einem Crossover, mit dem die Tschechen noch in diesem Jahr erst mal den indischen Markt aufmischen wollen. Das ist keine einfache Aufgabe, da in dem großen Land der Kampf um die Verkaufsanteile mit harten Bandagen geführt wird. Also darf „preiswert“ keineswegs „billig“ bedeuten, sonst geht der Schuss nach hinten los. Damit ähnelt die Aufgabe der, die Škoda in Deutschland bevorsteht.

Wir gehen von Preisen von umgerechnet 12.000 Euro bis 19.000 Euro für den Kushaq aus, was hierzulande das Level für einen Kleinwagen à la Fabia ist. Indische Kunden erwarten dafür dagegen ein vollwertiges Auto für den Familien-Alltag. Und da passt der Kushaq durchaus: Schon äußerlich gefällt der Crossover, dessen Namen sich vom Wort „Kushak“ abgeleitet, das in der alten indischen Sprache Sanskrit König oder Herrscher steht. Er zeigt die typische Škoda-Formsprache mit breitem Kühlergrill, einen angedeuteten Unterbodenschutz und schwarze Applikationen an den Radkästen. Dieser Crossover könnte auch über deutsche Straßen rollen. (Škoda Kamiq im Test: Diese Option sollten Sie sich lieber sparen)

Škoda Kushaq, stehend, von seitlich hinten
Auch in der Heckansicht überzeugt der Škoda Kushaq. © Škoda

Neuer Škoda Kushaq: Innen ausreichend Platz

Mit dem zehn Zoll großen Touchscreen wirkt auch das Ambiente alles andere als hemdsärmelig. Wie man es von den Tschechen gewöhnt ist, ist der Innenraum bereits beim Prototypen gut verarbeitet. Die genarbten Oberflächen und die Klavierlackapplikationen lassen keinen Billigheimer-Eindruck aufkommen. Allerdings sitzen wir sicher nicht in einer Basisvariante, eher in einem Modell mit einer Top-Ausstattung inklusive Klimaanlage. Dass der Kushaq ganz genau kalkuliert ist, merkt man an Details wie der klassischen mechanischen Handbremse.

Beim Platz ist das 4,23 Meter lange SUV dank des Radstands von 2,65 Metern ohnehin weit vorne dabei, in der zweiten Reihe kann man es sich ziemlich bequem machen. Für die Kopffreiheit haben die Designer sogar Ausbuchtungen in den Dachhimmel integriert. Der Kofferraum ist mit 385 Litern ordentlich dimensioniert, legt man die Lehnen der Rückbank um, werden 1.405 Liter daraus. Dazu kommen eine ganze Reihe von Ablagen im Innenraum, die sich auf ein Volumen von 26,2 Litern addieren, inklusive einer großen Box in der Mittelkonsole. Das kennt man so von anderen Škoda-Modellen, und das wird sich ungeachtet des Preises auch nicht ändern. (Skoda Scala mit Erdgasantrieb: Warum der Tscheche nicht für jeden die richtige Wahl ist)

Interieur des Škoda Kushaq
Für Indien als Rechtslenker: Auch innen wirkt der Škoda Kushaq nicht billig. © Škoda

Neuer Škoda Kushaq: Kein Ausbund an Dynamik

Die technische Basis für den Škoda Kushaq bildet eine speziell für den indischen Markt angepasste Version des Modularen Querbaukastens mit der Bezeichnung MQB-A0-IN. Mit dieser Architektur sind die Entwickler sehr vertraut, was sich auch im unproblematischen Fahrverhalten des Crossovers niederschlägt. Klar könnte die Lenkung etwas direkter sein, aber wir bewegen einen Prototypen, der bis zum Serienstart noch verbessert wird. Das Fahrwerk bietet eine Bodenfreiheit von 155 Millimetern und ist komfortabel abgestimmt, was bei der Qualität der meisten indischen Straßen eine gute Entscheidung ist. Als Motoren stehen zwei TSI-Aggregate mit 85 kW / 115 PS und 110 kW / 150 PS (mit Zylinderabschaltung) zur Auswahl. (Citroën C3 Aircross im Test: Schickes SUV ist ein Frauen-Versteher – aber kann es auch was?)

Neuer Škoda Kushaq: Kommt er auch nach Deutschland?

Die schwächere Variante stellt im Zusammenspiel mit der Sechsgang-Automatik kein Ausbund an Dynamik dar, aber auch da dürften die Entwickler noch Hand anlegen. Eine bittere Pille müssen alle, die jetzt einen wässrigen Mund bekommen haben, dennoch schlucken: Ein Deutschland-Start des Škoda Kushaq ist bislang nicht geplant, da er hier dem Kamiq Konkurrenz machen würde. Dennoch lässt dieses Auto tief blicken – in Škodas Zukunft. (Von Wolfgang Gomoll/press-inform)

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