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Mercedes EQS SUV auf Erprobungsfahrt: So luxuriös wie die Elektro-Limousine?

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Von: Marcus Efler

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Der Mercedes EQS gilt als Luxus-Referenz unter Elektroautos. Bald folgt eine SUV-Variante – eine erste Testfahrt in eisiger Umgebung.

Arjeplog (Schweden)  – Jedes neue Auto muss zweimal durch die Eishölle gehen, ehe es zum Händler rollt. Für den SUV-Ableger des elektrischen Mercedes EQS ist der Besuch im nordschwedischen Arjeplog der vorläufig letzte, denn die Entwickler tüfteln schon seit 2015 an dem großen Akku-SUV. Die Technik ist die gleiche wie bei der Limousine: Die große Batterie mit 107,6 Kilowattstunden ist also an Bord. Dennoch wird der Crossover nicht ganz die Reichweite von deutlich über 700 Kilometern erreichen: Aerodynamik und das Gewicht fordern ihren Tribut – und größere Bremsen.

Das serienmäßige Luftfederfahrwerk gibt den Entwicklern einiges an Spielmöglichkeiten. Im Sport-Modus oder bei Geschwindigkeiten jenseits der 120 km/h senkt sich die Karosserie um 25 Millimeter ab, ehe sie unterhalb von 80 km/h wieder in den Normalzustand zurückkehrt. Umgekehrt lässt sich die Bodenfreiheit auf schlechten Wegen um 30 Millimeter erhöhen. Auch wird das SUV deutlich mehr Gewicht ziehen können als die 750 Kilogramm der Limousine.

Mercedes EQS SUV, driftend auf Eisfläche
Erstaunlich flottes Dickschiff: Der elektrische Mercedes EQS SUV bei der Winter-Erprobung. © Dieter Rebmann/Mercedes-Benz AG

Mercedes EQS SUV auf Erprobungsfahrt: So luxuriös wie die Elektro-Limousine?

Bei den Erprobungsfahrten nahe dem Polarkreis geht es neben der Reichweite bei Kälte auch um Elemente des Fahrzeugs, die man als selbstverständlich voraussetzt, die aber viel Kleinarbeit bedürfen. Dazu zählt bei einem Elektroauto die Ruhe im Innenraum  – und das Ausmerzen von Schwingungen, die Fahrgäste als störend empfinden. Auch ganz hinten, auf der um 17 Zentimeter verschiebbaren dritten Sitzreihe, sollen die Passagiere schließlich kommod reisen.

Außerdem bekommt der Crossover den Beifahrer-Bildschirm der elektrischen Mittelklasse-Limousine EQE, der auch Filme zeigen kann. Damit der Fahrer nicht zu sehr abgelenkt wird, überwacht eine Kamera (ähnlich wie bei Tesla) dessen Augen: Wenn die sich zu lange dem Geschehen auf dem rechten Monitor widmen, dunkelt die Elektronik das Bild ab, bis die Konzentration wieder der Straße gehört.

Mercedes EQS SUV in der Winter-Erprobung
Dank des üppigen Hecks passen drei Sitzreihen in das Mercedes EQS SUV. © Dieter Rebmann/Mercedes-Benz AG

Mercedes EQS SUV auf Erprobungsfahrt: Die Entfeuchtung funktioniert

Im Winter ist die Feuchtigkeit im Innenraum häufig der Grund für beschlagene Scheiben, deswegen soll im Mercedes EQS SUV ein Sensor dieses Problem verhindern. Bei vier Erwachsenen im Fahrzeug und schneenassen Schuhen funktionierte das System jedenfalls einwandfrei. Bei arktischen Temperaturen hat der Pulverschnee eine besondere Konsistenz, die der Klimaanlage beziehungsweise den Filtern ähnlich zusetzt wie feiner Sand.

Genau wegen dem war man auch in der Wüste Nevadas – und stellte fest, dass der große Wagen auch zum veritablen Dünen-Kraxler taugt. Also haben die Entwickler kurzerhand die Erprobungsagenda umgestellt und an der Geländegängigkeit gefeilt, obwohl das so eigentlich nicht vorgesehen war. Und da sie schon mal dabei waren, haben die Schwaben ein Off-Road-Fahrprogramm implementiert, das britischen Luxus-Off-Roadern zur Ehre gereichen würde. Inklusive einer Szenerie auf dem großen Bildschirm, die neben dem obligatorischen Kompass auch die Seitenneigung des Vehikels anzeigt. Das ist auf dem zugefrorenen See nahe Arjeplog nicht nötig. Hier geht es vor allem um die Regelsysteme und das Fahrverhalten. Denn auf Schnee und Eis fallen zu leichte oder zu abrupte Eingriffe von ESC und Co. sofort auf.

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Interieur des Mercedes EQS SUV
Das Interieur des Mercedes EQS SUV wird so luxuriös wie das der Limousine. © Mercedes-Benz AG

Mercedes EQS SUV auf Erprobungsfahrt: Das schwere SUV carvt leicht über das Eis

Jetzt prüfen wir selber, wie sich der über 2,5 Tonnen schwere Luxuskreuzer bei solchen Bedingungen schlägt. Ein Handlinkskurs mit einigen trickreichen Kurven und Lastwechsel-Kombinationen offenbart jede fahrdynamische Schwäche. Doch der mächtige Crossover schlägt sich beachtlich. Vor allem das Einlenken und Carven um Kurven geschieht erstaunlich leicht. Die optionale Hinterachslenkung, bei der die Räder mit zehn Grad statt der serienmäßigen 4,5 Grad einschlagen, trägt ihren Teil dazu bei, ebenso die gezielten Bremseingriffe an den einzelnen Rädern.

Dann jagen wir den Hochdach-EQS über eine blank polierte Eisfläche, bei deren Anblick jeder halbwegs vernünftige Mensch Steigeisen anlegen würde. Der unvermeidliche Querdrift offenbart einmal mehr Isaac Newtons Gesetzmäßigkeit von der Trägheit der Masse bringt das Elektro-SUV aber nicht wirklich aus der Ruhe, sodass wir mit einer schnellen Lenkbewegung das auskeilende Heck wieder einfangen können. Also dürften Fahrten auf Asphalt, auf dem sich fast alle künftigen Käufer wohl bewegen werden, erst recht kein Problem darstellen. (Wolfgang Gomoll/press-inform)

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