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Lucid Air Grand Touring: Heftige Beschleunigung und beeindruckende Reichweite

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Von: Sebastian Oppenheimer

Demnächst bringt Lucid sein erstes E-Auto namens Air auf den US-Markt – Mitte 2022 soll der Stromer auch nach Europa kommen. Wir haben mit dem Chefdesigner eine Runde gedreht.

Newark (Kalifornien) – Der Lucid Air soll in Europa gegen Elektroautos wie den Mercedes EQS und das Tesla Model S antreten. Mit der elektrischen Luxuslimousine versuchen die Amerikaner einen schwierigen Spagat. Das Basismodell mit Hinterradantrieb kostet in den USA nicht mal 80.000 US-Dollar, die Topversion kratzt dagegen an der 180.000-US-Dollar-Marke. Ob die Kunden das mitmachen, muss sich zeigen, denn zunächst einmal gibt es nur eine Karosserieform in vier Ausstattungsvarianten. Seitdem Lucid seinen knapp fünf Meter langen Air enthüllt hat, wird das sehenswerte Design gefeiert. Dafür verantwortlich: Derek Jenkins. Und genau der nimmt uns mit auf eine Testfahrt. „Bei einem Start-up, wie wir es sind, ist man immer etwas mehr als nur der Designer“, lacht Derek Jenkins und biegt vom Hotelparkplatz ab, „natürlich ist man besonders eng in die Entwicklung eingebunden.“ (Tesla Cybertruck: Kantiger Elektro-Pick-up könnte sündhaft teuer werden)

Ein Lucid Air Grand Touring
Der Lucid Air Grand Touring leistet satte 800 PS – die Topversion wird noch mal 280 PS stärker sein. © press-inform

Lucid Air Grand Touring: Heftige Beschleunigung und beeindruckende Reichweite

Der Lucid Air ist eines der Vorserienmodelle in der mittleren Grand-Touring-Ausstattung. So dürften sich wohl auch viele Kunden ihren elektrischen Air konfigurieren: sehr gut, aber nicht voll ausgestattet und mit Allradantrieb bereits rund 800 PS stark. Doch damit ist nicht Schluss, denn die Topversion namens Dream Edition leistet gigantische 1.080 PS, die über die beiden Achsen auf den Asphalt gebracht werden. Die Einstiegsversion startet bei knapp unter 80.000 US-Dollar und hat ebenfalls schon 480 PS. Darüber rangiert der Air Touring mit 620 PS. Doch es geht Lucid, beheimatet im nördlichen Kalifornien nicht weit von der Tesla-Produktion in Fremont, nicht nur um Power. „Die Reichweite ist für uns essenziell“, erläutert Derek Jenkins, „darauf haben wir beim Design geachtet und so bringt es der Lucid Air letztlich auf einen cw-Wert von 0,21.“ Reichweite bedeutet nicht nur Windgeräusche und die sind sowohl auf der Beifahrersitz als auch im opulenten Fond besonders gering. Von außen so groß wie eine Mercedes E-Klasse – von innen aber auf dem Niveau der S-Klasse. So lässt es sich leben.

EIn Lucid Air Grand Touring
Der Lucid Air Grand Touring hat von außen etwa die Abmessungen einer Mercedes E-Klasse. © press-inform

Lucid Air Grand Touring: Das Platzangebot im Fond ist üppig

Anders als beim Mercedes EQS (hier geht’s zum Fahrbericht) lassen sich auf Knopfdruck auch Seiten- und Heckfenster verschatten – bei Temperaturen jenseits der 30 Grad in der Region Monterey heute nicht unangenehm. Schon ärgerlicher, dass sich das aufpreispflichtige Panoramadach, das sich je nach Modellvariante auch weit über die Köpfe der Frontinsassen zieht, nicht elektrisch bedecken lässt. Das Platzangebot ist gerade im Fond durch den 2,97 Meter langen Radstand üppig. Die klimatisierten Ledersitze sind bequem und haben auch in der zweiten Reihe Langstreckenkomfort. So üppig die Beinfreiheit ist, um den Kopf geht es enger zu. Wer will, kann sich seine Lieblingsmusik aus 21 Boxen um die Ohren säuseln lassen. Der Kofferraum fasst überschaubare 456 Liter – gut, dass der vordere Laderaum auf zwei Ebenen weitere 202 Liter schluckt. (Elektromobilität: Fünf Design-Merkmale beim Auto werden für immer verschwinden)

Blick unter die Fronthaube des Lucid Air
Unter der Fronthaube bietet der Lucid Air einen Gepäckraum mit zwei Ebenen, der 202 Liter schluckt. © press-inform

Lucid Air Grand Touring: Touchscreen in der Mittelkonsole lässt sich einfahren

Derek Jenkins erläutert während der Fahrt die wichtigsten Bedienungen: „Wir brauchen hier kein Head-up-Display – alles ist perfekt im Blick. Doch der Platz ist vorgehalten für andere Modelle wie einen SUV.“ Die Instrumente, 34 Zoll groß und leicht um den Fahrer gewölbt, erinnern etwas an den Porsche Taycan, sind jedoch aufgeräumter und besonders die Bedieninsel für Licht und Sicht links in der Tafel löst vieles perfekt. Die meisten Funktionen lassen sich über einen großen Touchscreen in der Mittelkonsole bedienen, der auf Wunsch ins Armaturenbrett hineinfährt und die großen Ablagen darunter freigibt – ebenso schick wie praktisch gelöst. Der Rest der Funktionen läuft per Sprache oder Drehregler am reduzierten Lenkrad. (Porsche Taycan Cross Turismo im Test: E-Sportkombi praktischer als die Limousine)

Lucid Air Grand Touring: Top-Version des Stromers soll satte 1.080 PS leisten

Der Designer hat ein Stück freie Straße gefunden und beschleunigt den rund 800 PS starken Lucid Air Grand Touring maximal. Die Tachoanzeige lässt einem den Mund trocken werden – zum Glück kein Streifenwagen in Sicht. Lucid verzichtet bei seinem Air auf eine Luftfederung und will die Komfortansprüche seiner Kunden allein mit elektronischen Dämpfern wegfedern. Bei der welligen Piste und den bisweilen zerborstenen Straßen hier am Pazifik funktioniert das trotz der stattlichen 20-Zöller schon einmal ganz gut. Die kleinen Modelle haben 19-, das Topmodell der Dream Edition 21-Zoll-Felgen. Bei der Beschleunigung kann man sich in den bequemen Ledersesseln kaum bewegen, so heftig tritt der elektrische Amerikaner an. Kaum zu glauben, dass die 1.080-PS-Variante noch wilder beschleunigen soll. Hier soll der Spurt von null auf Tempo 100 in unter drei Sekunden absolviert sein. Nicht dass das in der Realität jemanden interessieren würde, aber es liest sich imposant und mit dem jeweiligen Spurtpotenzial tragen ja die meisten Elektrofahrzeuge ihre Sportlichkeit nach außen. (Ärger bei Audi: Team der Tesla-Jäger schonungslos ausgebremst)

Blick ins Cockpit eines Lucid Air Grand Touring
Analoge Anzeigen gibt es im Lucid Air natürlich nicht – die Bedienung erfolgt über einen Touchscreen in der Mittelkonsole. © press-inform

Lucid Air Grand Touring: Eine Höchstgeschwindigkeit von 270 km/h scheint möglich

Während gerade die deutschen Hersteller ihre Elektromobile allzu früh einbremsen, sieht das beim Lucid Air anders aus. Derzeit sind auch für Europa 168 mph / 270 km/h Spitze im Gespräch. Dagegen soll die maximale Reichweite bei rund 750 Kilometern liegen, bevor der Lucid Air Grand Touring wieder an die Ladesäule muss. Selbst die Basisvarianten sollen mehr als 600 Kilometer mit einer Ladung schaffen. Mit seiner 900-Volt-Architektur soll es gerade einmal 20 Minuten dauern, ehe in das 113-kWh-Akkupaket mehr als 450 Kilometern nachgeladen sind. Eine sogenannte Wunderbox sorgt dafür, dass der über 2,3 Tonnen schwere Air an allen Ladepunkten möglichst schnell nachtanken kann. Wer sich dieses Jahr noch einen Lucid Air reserviert, darf drei Jahre lang kostenlos in den ganzen USA laden. Auch das dürfte ein paar Kunden locken, die die Verbrennerwelt verlassen wollen.

Technische Daten Lucid Air Grand Touring
Leistung / Antrieb592 kW (800 PS) / Allrad
Länge/Breite/Höhe4,97 / 1,94 / 1,41 Meter
Leergewichtrund 2.350 kg
Höchstgeschwindigkeitüber 250 km/h
Laderaum202 / 456 Liter
Batteriekapazität113 kWh
Reichweite600 – 750 km
Basispreisab 80.000 US-Dollar (rund 68.300 Euro)

Die gigantischen Fahrleistungen ermöglichen Elektromotoren, die deutlich kleiner als bei vielen Konkurrenten sind und von Lucid nicht nur selbst entwickelt, sondern auch selbst gefertigt werden – in der Produktion rund eine Stunde südlich von Phoenix (US-Bundesstaat Arizona). Bei einem Gewicht von kaum mehr als 70 Kilogramm leistet der Elektromotor bis zu 670 PS – pro Achse. Jetzt muss nur noch der Marktstart in den USA gelingen und dann geht es nach Europa. „Wir freuen uns schon darauf“, lächelt Derek Jenkins und düst zurück ins Hotel. (Von Stefan Grundhoff/press-inform)

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