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Isetta mit E-Motor im Test: So fährt sich das Retromobil von Microlino

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Von: Marcus Efler

Ein Schweizer Scooter-König lässt BMWs Knutschkugel als Akku-Auto wieder aufleben. Letztlich könnte der Microlino sogar den Smart schlagen.

Uetikon am See (Schweiz)  – Bentley, Porsche, Mercedes: Wer in schweizerischen Nobel-Orten wie Zollikon oder Küsnacht in die Vorgärten der Villen schaut, der weiß, warum das Ufer des Zürichsees in dieser Gegend gerne Goldküste genannt wird. Auch die Familie Ouboter wohnt hier. Vater Wim ist der ungekrönte Kickboard-König, hat den Tretroller zum Lieblingsspielzeug der Hipster gemacht und mit bis zu 80.000 Micro-Scootern am Tag ein Vermögen verdient. Doch auf seinem Parkplatz steht ein Auto, das hier nicht so recht hinpassen will: eine BMW Isetta. Zumindest sieht der 2,50 Meter kurze und 1,50 Meter schmale Retro-Winzling so aus. In Wahrheit handelt es sich allerdings um den Microlino, Ouboters neues Projekt. (Mini-Elektro-Mobile für die Stadt: Sind diese Flitzer besser als Tesla?)

Isetta mit E-Motor im Test: So fährt sich das Retromobil von Microlino

„Unsere Autos sind zu groß, zu schwer und zu kompliziert – egal ob mit Verbrennungs- oder Elektroantrieb“, sagt der Visionär. „Bis zu 15 Elektromotoren allein für einen Sitz und 2.500 Kilo Technik, um 75 Kilo Mensch zu befördern – Verhältnismäßigkeit sieht anders aus“, schimpft der Endfünfziger und schaut verliebt auf sein Minimal-Mobil. Zwar ist auch der Microlino etwas größer als die originale Isetta. Aber rund 500 Kilo sind eine Ansage und anders als beim Smart passen nicht zwei, sondern drei seiner Autos auf einen konventionellen Parkplatz. Auch bei den Fahrleistungen ist der Microlino dem Original näher als einem modernen Kleinwagen: Wo im Heck der Isetta ein Motorrad-Einzylinder mit 250 Kubik und 12 PS knatterte, surrt bei ihm ein E-Motor mit 20 kW/27 PS. Dabei sollen die Lithium-Akkus mit 14,4 kWh für City-taugliche 200 Kilometer reichen. (Elaris Finn: Elektrozwerg aus China soll Deutsche begeistern – mit Tiefstpreis)

Elektroauto Microlino, stehend mit geöffneter Tür
Nur echt mit Kühlschrank-Tür: er Microlino im Isetta-Look © Microlino

Isetta mit E-Motor im ersten Test: Nach fünf Jahren wird es endlich ernst

Mit seiner Predigt für die Abrüstung des Autos wärmt der Schweizer, der den Microlino gemeinsam mit seinen beiden Söhnen und ohne Fremdkapital zum Laufen bringen will, geschickt eine alte Idee auf: Kleinstwagen wie das Design-Vorbild BMW Isetta, der Messerschmitt Kabinenroller, der erste Fiat 500 und auch der VW Käfer waren aus der Not der Nachkriegsjahre geboren und gerade deshalb erfolgreich, die Isetta wurde immerhin 160.000-mal gebaut. Diese Idee der Minimal-Mobilität will Ouboter jetzt mit dem Microlino in kleinerem Maßstab wiederholen. Freilich geistert der Blechzwerg schon seit fünf Jahren über die Messen, wurde zugunsten der Sicherheit noch mal komplett überarbeitet und mit Tazzari und Artega haben die Schweizer auch schon zwei mögliche Produktionspartner verschlissen. Doch jetzt soll es bald so weit sein: Auf der IAA Mobility in München soll das Serienauto stehen, kurz danach sollen zu Preisen ab 12.500 Euro die ersten Auslieferungen beginnen. Ab 2022 wollen sie bis zu 10.000 Microlino-Exemplare im Jahr auf die 13-Zoll-Rädchen stellen – wie beim Original wieder in Italien. (Fox E-Mobility Mia 2.0: Wiederauferstehung mit ungewöhnlichem Raumkonzept)

Isetta mit E-Motor im ersten Test: 90 km/h müssen reichen

Dabei ist der Microlino streng genommen gar kein Auto – selbst wenn der Fahrer einen Pkw-Führerschein braucht. Konstruiert und zugelassen ist der Zweisitzer als Leichtfahrzeug der Kategorie L7e. Deshalb braucht er auch kein ESP und keine Airbags (die es allerdings als Option geben soll), darf ohne Akkus höchstens 450 Kilo wiegen und fährt maximal 90 km/h (immerhin fünf km/h mehr, als die Isetta damals schaffte). Die fühlen sich in der Knutschkugel aber sehr viel flotter an. Erst recht, wenn die Schiebefenster ganz offen sind und das Faltdach nach einem Handgriff den Blick zum Himmel freigibt. Zumal der Microlino vor allem für die Stadt gemacht ist, wo er flott im Verkehr mitschwimmt, an der Ampel immer vorne dabei ist und spätestens in engen Altstadtgassen oder bei der Parkplatzsuche ohnehin alle anderen aussticht. (Neuer Sono Sion: So schlägt sich das kleine Elektroauto aus München)

Interieur des Microlino
Der Innenraum des Microlino ist schlicht, aber modern gestaltet. © Microlino

Isetta mit E-Motor im ersten Test: Modernste Technik im Interieur

Auch ins Ambiente sind neue Zeiten eingezogen. Außen repräsentiert eine LED-Leiste am Bug den Aufbruch und wer nach dem Öffnen der Kühlschranktür erst mal um die freistehende Lenksäule auf die durchgehende Sitzbank geklettert ist, sitzt mitten im Hier und Heute: Hinterm Lenkrad prangt ein digitales Cockpit und statt Schaltern gibt es einen kleinen Touchscreen am Türgriff, der sich quer über den ganzen Bug zieht. So wird der Microlino tatsächlich zu einem elektrischen Kleinstauto, das groß rauskommen könnte: Er ist viel günstiger als ein Smart, bietet mehr Komfort als ein Renault Twizzy und ist einem Auto viel näher als ein Citroën Ami mit seinen 45 km/h. Aber vor allem hat die Isetta 2.0 viel Charme. Den besitzt hoffentlich auch der Fahrer: Eine gewisse Nähe ist bei diesem Format unvermeidlich. Gut möglich, dass deshalb auch die neue Isetta trotz ein paar mehr Ecken und Kanten den alten Spitznamen behält, und weiterhin als Knutschkugel firmiert. Die Chancen für spontane Mitfahrten sind groß, kann Ouboter berichten: „Das Auto ist ein absoluter Womanizer, mit dem man bei den Damen besser punktet als mit jedem Sportwagen.“ (Von Benjamin Bessinger/SP-X)

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