1. 24auto
  2. Tests
  3. Ersteindruck

BMW i4: Das verrät unsere Fahrt über die neue elektrische Mittelklasse

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Marcus Efler

Mit dem i4 setzt BMW seine Stromer-Offensive fort. Unsere ersten Testrunden mit dem Prototypen verraten, warum das stärkste Modell M50 nicht unbedingt auch das beste sein muss.

München – Für BMW sind die Elektro-Modelle iX und i4 das, was man neudeutsch einen „Gamechanger“ nennt: Autos, die nicht nur ein Segment, sondern vielleicht das ganze Unternehmen neu definieren. Während der große iX bei den elektrischen SUV Maßstäbe setzen soll, muss der BMW i4 ab dem nächsten Jahr bei der Mittelklasse ran. Allerdings buhlen da Konkurrenten wie das Tesla Model 3 oder auch der Polestar 2 (hier geht‘s zum Fahrbericht) um die Gunst der Käufer. Als exklusives Kaufargument sieht BMW auch bei seinen Stromern die Freude am Fahren. Deswegen wird es bei der i4-Reihe auch einen BMW i4 M50 geben, der für zehn Sekunden 400 kW / 544 PS und ein Drehmoment von 795 Newtonmetern mobilisiert – und als Dauerleistung wohl ordentliche 350 kW / 476 PS. (Elektrischer BMW i4 auch als M-Version: So stark wird der Sport-Stromer)

BMW i4: Das verrät die erste Testfahrt über die neue elektrische Mittelklasse

Auch wenn BMW-Manager darauf verweisen, dass es sich um ein M-Performance-Modell handelt, also um eine Modellvariante und nicht um einen reinen BMW M, dürfte mancher Markenfan wohl noch mehr Power erwartet haben – quasi als Münchner Gruß an die „Elektriker“ von Audi und Mercedes. Sie wird es trösten, dass der BMW i4 M50 bei der Agilität seinem Namen gerecht wird, wie eine erste Testfahrt mit getarnten Vorserienmodellen zeigt. Die Karosserie ist aufgrund von speziellen Versteifungen plus Dom-Strebe fester als die verwandte, konventionelle 4er- und 3er-Reihe. So meistert das Fahrwerk den anspruchsvollen Spagat zwischen Komfort und Agilität sehr gut und steckt die 561 Kilogramm des Akku-Packs locker weg. Hier zahlt sich die intensive Entwicklungsarbeit der BMW-Ingenieure der letzten Jahre aus. Dazu kommt noch ein hecklastig austarierter Allradantrieb mit zwei E-Maschinen: vorne 190 kW / 258 PS, und hinten 230 kW / 313 PS. (BMW M4 Competition Cabrio: Allrad-Power und Stoffdach haben ihren Preis)

Getarnter BMW i4, fahrend

Nein, kein Art-Car von Andy Warhol – das ist der noch getarnte BMW i4. © BMW

BMW i4: Das Auto bleibt auch im Grenzbereich beherrschbar

Dass der Schwerpunkt 37 Millimeter tiefer liegt als beim 3er, hilft sicher genauso wie die Mischbereifung beim BMW i4 M50 mit 255er-20-Zoll-Pneus vorne und 285ern hinten. So fliegt der i4 beschwingt um die Ecken, kann aber bei aller antrainierten Leichtfüßigkeit die Physik nicht ganz aushebeln – und schiebt irgendwann gutmütig über den Vorderwagen nach außen. Da der i4 M50 den Grenzbereich höflich ankündigt und dabei immer beherrschbar bleibt, ist das aber nie nervig. So absolviert die Sport-Limousine den Standardsprint von null auf 100 km/h in rund vier Sekunden, ist bis zu 225 km/h schnell und kommt mit den Akkus mit 83,9 Kilowattstunden Kapazität bis zu 510 Kilometer weit. „Das ist ein ganz besonderer Moment für die Firma. I und M addieren sich zu einem Leben“, strahlt Projektleiter David Alfredo Ferrufino Camacho stolz. (BMW i4: Das neue E-Auto soll dieses Konkurrenzmodell zurückdrängen – so stehen seine Chancen)

BMW i4: Beim eDrive40 ist das Fahrwerk kommoder abgestimmt

Beim BMW i4 eDrive40 mit 250 kW / 340 PS schwillt des Entwicklers Brust nicht ganz so an, aber dafür die Reichweite des Autos auf maximal 590 Kilometer. Auch wenn der Hecktriebler aus dem Stand weniger als sechs Sekunden bis zur Tempo-100-Marke braucht und die Geschwindigkeit bei 190 km/h abregelt, bleibt der Fahrspaßfaktor groß. Das Fahrwerk ist kommoder abgestimmt, aber deswegen nicht unsportlich. In den Kurven zahlt sich auch das geringere Gewicht der schwächeren Version aus. (BMW iX: Elektro-Hoffnungsträger kommt mit großer Reichweite – und umstrittenem Grill)

BMW i4, stehend

So soll der neue BMW i4 fertig aussehen. © BMW

BMW i4: Künstliche Intelligenz für optimalen Betriebsmodus

Doch bei der Elektromobilität geht es nicht nur um Agilität und Geschwindigkeit, sondern um Energie und Effizienz. Das beginnt bei Lüftungsklappen, die situationsbedingt funktionieren: beim Laden offen und im Winter oft geschlossen, je nach Wohlfühltemperatur des Akkus und des Antriebsstranges. Dazu kommt eine Rekuperation von bis zu 195 Kilowatt beim i4 M50, die adaptiv nur dann eingesetzt wird, wenn es Sinn ergibt oder der Fahrer es so will. Auch bei BMW hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass das Segeln energetisch effizienter ist als eine Brachial-Bremsung zur Strom-Rückspeisung. Um den optimalen Betriebsmodus zu finden, setzt der Münchner Autobauer auf künstliche Intelligenz. „Das Auto lernt mit“, verdeutlicht Ferrufino. Für den Besitzer lohnt sich die Technik-Offensive jedenfalls: BMW gibt an, dass die „Total Cost of Ownership“ beim BMW i4 eDrive40 um 30 Prozent unter der des BMW 440i Gran Coupé liegt. Und das ist eines Gamechangers sicher würdig. (Von Wolfgang Gomoll/press-inform)

Noch mehr spannende Auto-Themen finden Sie in unserem kostenlosen Newsletter, den Sie gleich hier abonnieren können.

Auch interessant