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Kein Witz: Elektrischer Arcfox möchte diese deutschen Premium-Marken angreifen

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Von: Marcus Efler

Mit BAIC tritt bald ein großer chinesicher Autokonzern in Deutschland an. Ob er sich die passenden Gegner für seinen elektrischen Arcfox Alpha T ausgesucht hat?

Graz (Österreich) – Ende letzten Jahres verkündete der chinesische Autohersteller BAIC, dass er mit seiner neuen Premiummarke Arcfox auch nach Europa kommen wolle. Demnächst wird es ernst: Das erste Modell dürfte der vollelektrische Alpha T werden. Mit schickem Design und kraftvoller Elektro-Power zielt er kerzengerade gegen Modelle wie den nächsten Porsche Macan, BMW iX3 oder Audi e-tron. Dafür nutzt er immerhin europäisches Know-how, denn entwickelt wurde er von dem renommierten Auftragsfertiger Magna Steyr in Österreich. (YouTuber testet Hongqi H9: Der BMW-7er-Klon hat ein paar Schwächen, doch dafür stimmt ...)

BAIC Arcfox Alpha T fahrend
Der Arcfox Alpha zeigt typisches Elektroauto-Design. © Arcfox

Kein Witz: Elektrischer Arcfox möchte diese deutschen Premium-Marken angreifen

Wahlweise gibt es mehrere Versionen des Mittelklasse-SUV mit Front- oder Allradantrieb sowie verschiedene Leistungsstufen und Akkugrößen. Das Topmodell ist ein Allradler, der 320 kW / 435 PS und ein maximales Drehmoment von 720 Nm leistet. Kein Wunder, dass es auf der Teststrecke von Magna im österreichischen Graz nach dem Einsteigen abgeht wie bei der Feuerwehr: Aus dem Stand spurtet der Mittelklasse-Crossover auf Tempo 100 in 4,6 Sekunden. Der Vorwärtsdrang endet jedoch bald, denn trotz der stattlichen Motorleistung wird das Fahrzeug bei 180 km/h abgeregelt. (China-Hammer: Billig-E-Auto schlägt Tesla Model 3 bei Verkaufszahlen – dank krassem Winzig-Preis)

BAIC Arcfox Alpha T, stehend, von seitlich hinten
Schlank und sportlich: das Heck des Arcfox Alpha © Arcfox

Der elektrische Arcfox überzeugt bei der Materialqualität

Auch im Innenraum überzeugt der chinesische Österreicher: Das Platzangebot für bis zu fünf Personen ist durch den 2,90 Meter langen Radstand gut und die Materialien sind mit Leder, Alcantara und wertigen Kunststoffe allemal auf einem Niveau, das auch die europäische Konkurrenz bietet. Nur zwei Details fallen durch: Die Unterseite der Armaturentafel und ein schmales Element in den Türtafeln besteht aus wenig sehenswertem Hartplastik, wie man es von Fahrzeugen aus den Einstiegssegmenten kennt. Bleibt abzuwarten, ob Arcfox hier zum europäischen Serienstart noch nachlegt und diese kleinen Makel beseitigt. Premiumniveau wiederum zeigen die Sitze, Schalter und Applikationen, sowie die drei großen Displays, von denen jenes in der Mitte der Armaturentafel bis weit zum Beifahrer reicht. Hier lassen sich viele Funktionen per Touch oder Geste einfach bedienen, Elemente zum Beifahrer herüberschicken oder Ansichten wechseln. Die Klimatisierung regelt das große Display darunter, das an den MMI-Screen des Audi e-tron erinnert.

Technische BAIC Arcfox Alpha T
Motor/Antrieb2 x Elektromotoren / Allrad
Leistung/Drehmoment320 kW (435 PS) / 720 Nm
Länge/Breite/Höhe4,77 / 1,94 / 1,68 m
Kofferraumvolumen464 l
Vmax/0–100 km/h180 km/h / 4,6 s
Normverbrauch17,4 kWh/100 km
Reichweitemax. 600 km
Preisunter 60.000 Euro (vorläufige Schätzung)

Der getestete Version des Arcfox Alpha T war mit einem 99,2-kWh-Akkupaket ausgestattet, das bei einem Normverbrauch von 17,4 kWh / 100 km bis zu 600 Kilometer Reichweite verspricht. Die Schnellladung setzt mit 100 Kilowatt dagegen keine Bestmarke: An der Gleichstrom-Säule braucht der Arcfox 36 Minuten, um auf 80 Prozent seiner Akkuleistung zu erstarken. Weiter geht’s mit der Testfahrt, bei der der Alpha T keinen Hehl daraus macht, dass er vorrangig für den chinesischen Markt entwickelt wurde. Das Fahrwerk ist betont komfortabel und bei den Dämpfern wurde gespart. Sie verändern ihre Charakteristik nicht entsprechend des Fahrmodus, egal ob man in Eco, Comfort oder Sport unterwegs ist. Gerade letzteres Programm verdient seinen Namen nicht. Die Lenkung gibt wenig Rückmeldung von der Fahrbahn und fühlt sich gerade bei höherem Tempo allzu leichtgängig an. Beim Antrieb überzeugt das Elektro-SUV dafür – trotz knapp 2,3 Tonnen Leergewicht und spürbarer Nick- und Wankbewegungen: Die beiden starken Elektromotoren von jeweils 160 kW an Vorder- und Hinterachse liefern Power im Überfluss, die aufgrund der ausgewogenen Kraft- und Gewichtsverteilung sowie der 20-Zöller bei ambitionierter Fahrt nicht verpufft. (Elektro-Crossover VW ID.6: Der große Bruder des VW ID.4 kommt – aber vorerst nicht bei uns)

Innenraum des Arcfox Alpha T von BAIC
Hochwertig: Cockpit und Interieur des Arcfox Alpha © Arcfox

Die Marke Arcfox muss vor allem erst mal bekanntgemacht werden

Hat der Arcfox Alpha T damit eine Chance auf dem europäischen oder gar dem deutschen Markt? Design und technische Rahmenbedingungen passen durchaus, aber wahrscheinlich sollte er sich zuerst mal Kia und Co. als Gegner vornehmen und nicht gleich die einheimischen Platzhirsche. Größtes Problem: Bislang kennt kein Kunde den Markennamen Arcfox. Auch der BAIC-Konzern sagt nur Insidern etwas. Vor einem Marktstart in Europa muss er also erst mal kräftig investieren, um seine Topmarke bekannt zu machen. Zudem wird einmal mehr der Preis den Ausschalg geben. Ein voll ausgestattetes Topmodell wie der Arcfox Alpha T dürfte weniger als 60.000 Euro kosten – damit würde er immerhin viel Technik zu einem fairen Preis bieten. (Von Stefan Grundhoff/press-inform)

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