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Mini Cooper SE auf Testfahrt: So wird der elektrische Kleinwagen aus China

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Von: Marcus Efler

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Der voll elektrische Mini Cooper SE ist bereits als Prototyp unterwegs. Er wird von einem chinesischen Partner gebaut, der sich in Deutschland schon unbeliebt gemacht hat.

Arjeplog (Schweden)  – Mini legt bei der nächsten Modellgeneration einen ziemlich anspruchsvollen Stunt hin. Obwohl die vollelektrischen Varianten und die Verbrenner weitgehend identisch aussehen, fahren sie auf zwei völlig unterschiedlichen Plattformen. Während die konventionell befeuerten Versionen auf BMW-Basis weiterhin im britischen Oxford gefertigt werden, entsteht der Stromer künftig in China – in Zusammenarbeit mit dem dortigen Autokonzern Great Wall. Dessen Marke Ora hat es in Deutschland mit der dreisten Kopie des VW Käfer bereits zu wenig schmeichelhafter Bekanntheit gebracht.

Im Falle des nächsten Mini fungieren die Kopisten als Zulieferer, der Komponenten des Antriebsstrangs wie den Akku samt Elektromotor beisteuert und eine Produktion hochzieht. Das wird den Kollegen von BMW kaum gefallen, schließlich könnten sie das auch selber machen. Da bei Elektroautos aber jeder Cent zählt, und der Mini Cooper SE auch in China verkauft wird, geht diese Ehre nun ins Reich der Mitte. Und tatsächlich sind zumindest auf den Sonnenblenden des Prototypen chinesische Schriftzeichen zu sehen.

Mini Cooper SE auf Testfahrt: So wird der elektrische Kleinwagen aus China

Immerhin leisten auch in China BMW-Ingenieure grundlegende Entwicklungsarbeit, und die gesamte Abstimmung der Hard- und Software übernahm das Münchner Forschungs- und Innovationszentrum (FIZ). Dort entsteht derzeit eine komplette Elektro-Familie: Nach dem Dreitürer Cooper wird es einen fünftürigen Crossover geben, dazu gesellt sich noch das SUV Countryman als BEV (Battery Electric Vehicle).

Mini Cooper SE als getarnter Prototyp
Prototyp auf Schnee: Der getarnte Mini Cooper SE. © Bernhard Filser/Mini

Der typische Mini kommt als Cooper E mit 135kW /184 PS und einem 40-kW-Akku, die ihn bis zu 300 Kilometer weit bringt. Darüber rangiert der Mini Cooper SE mit 165 kW/224 PS und 50 kWh-Akkus, die eine Reichweite von bis zu 400 Kilometern ermöglichen. Übrigens: Wer lieber den Ur-Mini elektrisch fahren möchte, bekommt hier eine Möglichkeit dazu.

Mini Cooper SE auf Testfahrt: Kürzere Überhänge, mehr Fahrdynamik

Die um insgesamt drei Zentimeter geschrumpften Überhänge vorne und hinten versprechen mehr Fahrdynamik als beim Vorgänger. Dadurch ist der neue elektrische Mini, der im Frühjahr 2024 beim Händler steht, ein bisschen kürzer als das aktuelle Modell, dafür wachsen die Spur um circa vier und der Radstand um rund drei Zentimeter. Das führt zu einer wesentlich ausgeglicheneren Achslastverteilung als bislang.

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Den tiefen Schwerpunkt der rein elektrischen Architektur nimmt man gerne als Extra an, und dass der nächste Mini Cooper SE trotz der größeren Reichweite auch noch leichter als das aktuelle Modell ist, verspricht zusätzliche Fahrdynamik. Diese Details machen sich sofort auf dem Beifahrersitz des Prototypen bemerkbar, der im schwedischen Arjeplog seine Testrunden dreht. Im Vergleich zum aktuellen Modell lenkt der Vorderwagen deutlich agiler ein, und das Heck unterstützt diese Vorhaben aktiv. Dazu verbesserten die Entwickler die aus BMW 1er und i3s bekannte sogenannte Actornahe Radschlupfbegrenzung (ARB), die das Durchdrehen der Räder noch feiner regelt. Das wird auf dem vereisten nordschwedischen See besonders deutlich: Der Mini Cooper SE agiert sehr neutral und lässt sich mit einem geringen Lenkeinschlag wieder einfangen.

Mini Cooper SE, Heckansicht, getarnt
Die LED-Heckleuchten werden wohl etwas schlanker, als es die Tarnung suggeriert. © Bernhard Filser/Mini

Mini Cooper SE auf Testfahrt: Fortschritte auch bei Platz und Komfort

Auch beim Komfort spürt man die Fortschritte sofort. Der Elektro-Cooper federt nun harmonischer. Der größere Radstand macht das Fahrverhalten stabiler und beherrschbarer, und verschafft den Fahrgästen vor allem im Fond mehr Platz. Ein Raumwunder ist der Mini zwar immer noch nicht, aber Eltern mit kleineren Kindern werden dieses Plus gerne annehmen.

Auch im außen und innen getarnten Prototyp zeichnete sich schon das bekannte runde Display ab. Der runde Monitor wird wohl nicht mehr nur als Rahmen für einen rechteckigen Bildschirm dienen, sondern seine gesamte Fläche nutzen. Eine große Überraschung hatte der neue Mini Cooper SE ganz zum Schluss noch für uns parat: Als wir die rahmenlose Tür schlossen, fiel diese satt in das Schloss. Da schepperte also nichts. Ungewöhnlich für einen Prototypen, vor allem zu diesem frühen Zeitpunkt. (Wolfgang Gomoll/press-inform)

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