Fahrzeugtuning

Tuning: Veredelung, Leistungssteigerung und Co. – alles von Chiptuning bis Tieferlegung

  • Arne Roller
    vonArne Roller
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Der Begriff Tuning lässt sich mit „Feinabstimmung“ übersetzen. Wer „tunt“ nimmt eine Veränderung an einem Fahrzeug vor, um es aufzuwerten oder die Performance zu steigern. 

  • Tuning als optische und akustische Aufwertung
  • Tuning als Methode zur Leistungssteigerung
  • Gesetzliche Vorschriften und was es zu beachten gilt

Wirft man einen Blick auf die Straßen und betrachtet die umherfahrenden Autos fällt schnell eine Sache auf: Das Farbspektrum hat sich während der letzten Jahrzehnte deutlich verschmälert und die dominierenden Farben der Fahrzeuge sind Schwarz, Weiß oder Grau. In Anbetracht dieser Tatsache ist es verständlich, dass sich der ein oder andere Fahrzeugbesitzer nach mehr Individualität sehnt. Bereits mit wenigen Handgriffen kann man das Erscheinungsbild eines Autos durch Tuning kostengünstig verändern und somit von der breiten Masse abheben. Als Vorlage werden nicht selten bekannte Magazine aus der Tuning-Szene herangezogen. Mittlerweile gibt es viele Autowerkstätten, wie z. B. JP-Performance, die sich auf Tuning spezialisiert haben. Von Chiptuning zur Leistungssteigerung über eine Tieferlegung durch Verbau von Sportfedern bis hin zu einer Höherlegung inklusive Spurverbreiterung für ein besseres Handling im Gelände ist alles machbar. Möchte man zusätzlich einen bleibenden Eindruck durch einen kräftigen Klang hinterlassen, empfiehlt sich ein Sportauspuff.

Tuning als optische und akustische Aufwertung

Die Karosserie eines Fahrzeugs weist als Ansatzpunkt für das Tuning (englische Wortherkunft, auf Deutsch: „Feinabstimmung“) bereits viele Möglichkeiten zur Veränderung auf. Viele Tuningfans greifen zu Seitenschwellern und Spoilern, um ihr Fahrzeug auf diese Weise optisch zu verbreitern und den Eindruck einer Tieferlegung zu erwecken. Eine Spurverbreiterung und der Einbau von Sportfedern erübrigt sich somit und das eingesparte Geld kann bei Belieben für Dinge wie einen Sportauspuff oder gar für ein leistungssteigerndes Chiptuning verwendet werden. Tuning muss aber nicht immer darauf abzielen, das Auto in einen Sportwagen zu verwandeln. Durch spezielles Fahrwerktuning ist beispielsweise auch eine Höherlegung möglich, welche sich besonders bei Fahrten in unwegsamem Gelände bewähren kann. Hat man sich an der Farbe seines Autos satt gesehen, lohnt sich der Gang zur Fahrzeuglackiererei. Je nach Belieben kann man auf diese Weise einzelne Partien oder die komplette Karosserie in neuem Glanz erscheinen lassen.

Handwerkliches Geschick ist gefragt – bauliche Maßnahmen am Auto

Tuning ist für viele Autoliebhaber weitaus mehr als Chiptuning, eine neue Lackierung oder die Anbringung eines Sportauspuffs. Um das eigene Fahrzeug auf Treffen in der Tuningszene richtig zur Geltung zu bringen, werden nicht selten Umbauten am Fahrzeug vorgenommen, wie zum Beispiel im Rahmen des Fahrwerktunings. Eine Höherlegung ist eine Veränderung der Karosserie, die dem Fahrzeug mehr Bodenfreiheit gewährt. Anwendung findet diese Umbauvariante daher meist, wenn ein Fahrzeug besonders geländetauglich sein soll, wie zum Beispiel ein Pick-Up oder ein SUV. Die Tieferlegung ist die gängigere der beiden Varianten. Im Gegenteil zur Höherlegung wird hier der Schwerpunkt des Autos weiter nach unten verlagert. Um das zu erreichen, wird das serienmäßige Fahrwerk ausgetauscht und durch Sportfedern und Sportstoßdämpfer ersetzt. Möchte man sein Fahrzeug nicht nur optisch, sondern tatsächlich verbreitern, hat man die Möglichkeit einer Spurverbreiterung. Dabei wird die Spurweite (der Abstand zwischen den Rädern) vergrößert, indem sogenannte Distanzscheiben angebracht werden. Das Fahrzeug liegt als Folge besser auf der Straße und weist eine geringere Seitenneigung auf.

Eine gelungene Abrundung des Tunings

Um dem sportlichen Look des Autos das „Sahnehäubchen“ aufzusetzen, greifen zahlreiche Tuningfans zu Breitreifen, bestückt mit ein paar auffallenden Felgen, welche in Kombination mit einer Spurverbreiterung ganz besonders zum Ausdruck kommen. Mittlerweile gibt es im Bereich Tuning eine große Auswahl an Onlineshops, die nicht nur für Themen wie Tieferlegung, Höherlegung und Chiptuning gut aufgestellt sind, sondern neben Sportfedern und Spoilern auch Felgen und Kompletträder in verschiedenen Variationen anbieten und direkt nach Hause liefern. Doch nicht nur die Optik ist es, die sportlich sein soll, sondern auch der Klang. Erst wenn der Sound des Fahrzeugs für Gänsehaut sorgt, geben sich viele Motorsportfans zufrieden. Denn ein getuntes Auto ohne satten Sound, der aus den Endrohren dröhnt, ist auf Veranstaltungen in der Tuning-Szene wie der Essen Motor Show, der Tuning World Bodensee oder dem Wörtherseetreffen nahezu undenkbar. Die Termine dieser Treffen verschieben sich dieses Jahr aufgrund des Coronavirus:

Für den besagten Sound eignet sich ein kompletter Sportauspuff oder auch einfach ein modifizierter Endschalldämpfer. Für den lauteren und kräftigeren Klang sorgen meist ein größerer Rohrquerschnitt und weniger Dämmmaterialien im Inneren des Auspuffs. Dabei gilt es jedoch zu beachten, dass die Außengeräusche des Fahrzeugs 74 dB (Dezibel) nicht übersteigen, denn sonst drohen saftige Bußgelder.

Tuning als Methode zur Leistungssteigerung

Abgesehen von den optischen Aspekten bezweckt Tuning meist den Zuwachs an Leistung. Während Tieferlegung, Sportfedern und Spurverbreiterung das Handling des Fahrzeugs verbessern, kann durch Motortuning die Effizienz und Leistung eines Verbrennungsmotors gesteigert. Die bekannteste Methode ist das Chiptuning, welches in die elektronische Motorensteuerung eingreift, um unabhängig von der Fahrzeugsoftware optimale Werte erreichen zu können. Da Motoren heute keine rein mechanisch arbeitenden Maschinen mehr sind und zahlreiche Abläufe elektronisch gesteuert werden, kann an diesen Stellen durch Chiptuning eingegriffen werden und beispielsweise die einzuspritzende Kraftstoffmenge erhöht werden, was zu einer Leistungssteigerung führt. Neben einem Zuwachs an Leistung kann Chiptuning aber auch dazu dienen, die Verbrauchswerte eines Fahrzeugs zu senken, was zum Beispiel bei Geländefahrzeugen in Kombination mit einer Höherlegung gern genutzt wird. Chiptuning kann aber auch Nachteile mit sich bringen, insbesondere in Sachen Leistungssteigerung. Neben deutlich höheren Werten bei Spritverbrauch und Schadstoffausstoß ist oft ein höherer Verschleiß unterschiedlichster Bauteile des Motors und des Getriebes die Konsequenz. Die zusätzlich ausgestoßenen Schadstoffe können auch mit einem hochwertigen Sportauspuff nicht vollständig gefiltert werden.  

Arten und Kosten des Chiptunings

Neben einem Tuning durch Höherlegung, Tieferlegung, Sportfedern, Sportauspuff und Spurverbreiterung kann auch die Leistung des Motors durch Chiptuning in Form von vier verschiedenen technischen Methoden durchgeführt werden:

  • Zehn-Cent-Tuning: Durch einen Widerstand zwischen Temperaturgeber und Motorsteuergerät werden falsche Werte vorgetäuscht, was dazu führt, dass mehr Kraftstoff eingespritzt wird.
  • Zwischenstecker („Black-Box“): Zwischen Motorsteuergerät und Einspritzdüsen wird ein Elektronikmodul gesteckt, welches falsche Sensorwerte erzeugt. So wird mehr Kraftstoff eingespritzt.
  • Neuprogrammieren des Motorsteuergerätes: Die Software im Motorsteuergerät wird direkt verändert. Abhängig von bestimmten Messwerten werden Änderungen an der Einspritzmenge oder dem Einspritzzeitpunkt vorgenommen.
  • „Power-Pedal“: Eine Elektronikbox befindet sich zwischen dem Gaspedal und dem Motorsteuergerät und erzeugt schon bei leichtem Druck aufs Pedal hohe Motorleistungen. Die Motorleistung wird dabei nicht direkt gesteigert, sondern nur das Ansprechverhalten des Motors verbessert.

Die Kosten eines Chiptunings bewegen sich, je nach gewählter Methode, in einer Preisspanne zwischen 15.000 und 10.000 Euro. Für einen geringen Preis kann man keine besonders hohe Leistungssteigerung erwarten, während man die Leistung des Motors mit einer kostenintensiveren Methode durchaus um bis zu 50% steigern kann.

Natürlich gibt es Tuning-Maßnahmen, die neben dem optischen auch einen tatsächlichen Zweck haben, wie zum Beispiel Spoiler. Sie sehen nicht nur sportlich aus, sondern bescheren dem Fahrzeug auch bessere Voraussetzungen in Sachen Aerodynamik. Gleichermaßen sorgt auch eine Tieferlegung dafür, dass das Auto aufgrund eines geringeren Luftwiderstandes höhere Geschwindigkeiten erreichen kann.

Gesetzliche Vorschriften und was es zu beachten gilt

Bevor man eine Tieferlegung, eine Höherlegung oder eine Spurverbreiterung an seinem Fahrzeug vornimmt, sollte man sich darüber im Klaren sein, dass beim Tuning jedes nachträglich verbaute Fahrzeugteil zum Verlust der Betriebserlaubnis des Fahrzeugs führen könnte. Um zu vermeiden, dass das Auto aufgrund nicht zugelassener Sportfedern oder eines eigens angebrachten Sportauspuffs nicht mehr auf öffentlichen Straßen bewegt werden darf, sollte man sich vor dem Einbau eines Fahrzeugteils und auch vor einem Chiptuning über die Zulassung im Straßenverkehr informieren. Ohne eine Eintragung mancher Bauteile in die Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) und in den Fahrzeugschein des Autos können andernfalls hohe Bußgelder verhängt werden. Im Rahmen einer Anbauabnahme nach §19(3) StVZO oder einer Einzelabnahme nach §19(2) /21 StVZO wird eine Eintragung vom zuständigen TÜV durchgeführt und man ist mit seinem Bauteil auf der sicheren Seite. Die Kosten für eine Anbau- oder Einzelabnahme beschränken sich auf maximal 50 Euro. Die Strafen für ein unrechtmäßig verbautes Tuningelement können aber deutlich höher ausfallen.

  • 10 Euro: ABE nicht mitgeführt
  • 50 Euro: Fahren ohne gültige Betriebserlaubnis         
  • 90 Euro: Fahren ohne Betriebserlaubnis mit Beeinträchtigung der Umwelt   
  • 90 Euro: Fahren ohne Betriebserlaubnis mit Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit

Von David Hain

Rubriklistenbild: © picture alliance / Felix Kästle/dpa

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