Mit Chiptuning zu mehr Leistung

Chiptuning: Kosten, Risiken, Effekt, Anbieter – alles zur Motor-Leistungssteigerung

Irmscher Chiptuning-Modul
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Chiptuning: Kosten, Risiken, Effekt, Anbieter – alles zur Motor-Leistungssteigerung
  • Arne Roller
    vonArne Roller
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Chiptuning kann die Steuerungsparameter eines Motors und sein Fahrverhalten verändern. Welche Vorteile und welche Risiken gibt es?

München – Chiptuning ist eine Methode der elektronischen Motorensteuerung mittels Software, um die festgelegten Steuerparameter zu verändern. In der Praxis ist der Einbau meist mit dem Effekt höherer Leistungswerte verbunden. Anbieter und Hersteller von Tuningsätzen versprechen trotz der Risiken Leistungssteigerung von bis zu 50 Prozent mehr Leistung bei Kosten um die 200 Euro. Tatsächlich lässt sich Chiptuning, das dann als „ECO-Tuning“ bezeichnet wird, auch zur Verbesserung der Motoreneffizienz und Reduzierung des Spritverbrauchs nutzen – beispielsweise bei LKWs und landwirtschaftlichen Maschinen. Eine Eintragung in die Fahrzeugpapiere ist erforderlich.

Chiptuning greift in die Motorsteuerung ein

Moderne Motoren sind längst nicht mehr nur mechanisch arbeitende Hochleistungsmaschinen. Ohne Software lässt sich heute kein Motor mehr starten oder angemessen bewegen. An diesem Punkt setzt das Chiptuning an. Die diversen Parameter einer Motorensteuerung lassen sich zu geringen Kosten nachträglich durch Einbau eines Chips oder einer Box verändern. Allerdings erfordern sie eine Eintragung in die Fahrzeugpapiere. Autohersteller nutzen dies, um eine Motorenbauart mit unterschiedlichen Leistungsstufen zu installieren. Die Anbieter der Tuningchips versprechen dagegen, mit dem Effekt der Leistungssteigerung diese werksseitige Leistungsdrosselung aufzuheben. Die Software einer elektronischen Motorensteuerung basiert auf dem Vergleich von Soll- und Ist-Werten, wie sie von verschiedenen, im Fahrzeug verbauten Sensoren gemeldet werden. So finden beispielsweise die Motorentemperatur und die Fahrwerksdaten Berücksichtigung. Über die Steuerung kann dann etwa die eingespritzte Menge Benzin reguliert werden. Jeder Eingriff hat einen leistungssteigernden Effekt und verändert das Fahrverhalten, produziert aber auch Risiken. Das vom Autohersteller beabsichtigte Fahrverhalten unter Beachtung der Abgasnormen ist in einem Prozessor festgelegt. Mittels Chiptuning werden entweder diese Werte verändert, oder dem Prozessor werden manipulierte Werte von den Sensoren geliefert. Die meisten der angebotenen Chipsätze sind für Diesel und Benzinmotoren geeignet. Manche Anbieter sehen auch bei Hybriden signifikante Effekte bei geringen Risiken. 

Effekte lassen sich auf unterschiedliche Art erreichen

Die folgenden Methoden gibt es für ein Chiptuning:

  • Neuprogrammierung
  • Löten
  • Tuningbox

Die Neuprogrammierung geschieht über die so genannte standardisierte OBD2-Schnittstelle in der Software. Bei einigen Fahrzeugen können über diese Schnittstelle direkt Änderungen an den Daten vorgenommen werden, um einen leistungssteigernden Effekt zu erreichen. Bei den meisten Modellen ist dieser direkte Zugriff allerdings nicht möglich. In diesen Fällen wird die Software vom Anbieter ausgelesen, und die Datensätze zum Chiptuning werden auf ein externes Steuergerät übertragen. Die Kosten belaufen sich je auf 250 bis 1.000 Euro.

Hat das Fahrzeug keine OBD2-Schnittstelle, muss der Chip ausgebaut und manipuliert oder direkt ausgetauscht werden. Auch für diese Variante werden in der Regel mehrere hundert Euro fällig. Als preiswerte und einfache Version des Einbaus mit geringen Risiken gilt das sogenannte „Zehn-Cent-Tuning. Dabei wird die Verbindung zwischen Temperaturgeber und Steuergeräte mittels eines metallischen Widerstands unterbrochen. In der Folge erhält das Steuergerät falsche Werte und sorgt für eine leistungssteigernde höhere Kraftstoffeinspritzung.

Eine unkomplizierte, aber riskante Methode ist der Einbau einer Tuningbox. Dabei wird ein Steuermodul bzw. ein Stecker zwischen elektronischer Motorsteuerung und den Sensoren geschaltet. Diese Box hat die Aufgabe, manipulierte Werte weiterzugeben und dadurch die Verhaltensweise des Motors mit leistungssteigerndem Resultat zu verändern – beispielsweise indem mehr Kraftstoff eingespritzt wird. Je nach Modell werden auch bis zu 1.000 Euro fällig, und eine Eintragung in die Fahrzeugpapiere ist erforderlich.

Risiken von Chiptuning

Die Anbieter und Befürworter des Chiptunings betonen meist die leistungssteigernden Vorteile vom Chiptuning zu geringen Kosten. Doch die Manipulation der Software hat neben einem leistungssteigernden Effekt auch Nachteile und Risiken. Daher steht sie immer wieder in der Kritik. Einer der auffälligsten und sofort spürbaren Veränderungen bei allen Methoden ist ein deutlich höherer Spritverbrauch nach dem Einbau. Daraus resultieren auch entsprechend höhere Abgaswerte. Auf den ersten Blick weniger offensichtlich ist der höhere Verschleiß der unterschiedlichsten Teile des Motors und des Getriebes und damit ihre kürzere Lebensdauer. So führen höhere Drehmomente zu einem signifikanten Anstieg des Verschleißes der Kupplung. Meist haben die Autohersteller die im Fahrzeug verbauten Teile aufeinander und unter Berücksichtigung der werksseitigen Leistungsdaten abgestimmt und zur Eintragung vorgesehen. Um diese Risiken zu minimieren, sollten gerade bei sehr hoher Leistungssteigerung auf hochwertige Tuningteile zurückgegriffen werden. Zudem können entsprechend ausgestattete Werkstätten das Motorentuning so an das Fahrzeug anpassen, dass eine Überlastung vermieden und die ursprüngliche Lebenserwartung erhalten werden kann. Allerdings können ein höherer Verschleiß oder sogar Schäden am Motor oder anderen Fahrzeugteilen nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden. Grundsätzlich wird die Anpassung der mechanischen Bauteile an die Leistungssteigerung empfohlen.

Eintragung beim TÜV

Eine Manipulation der Leistungswerte eines Motors durch Chiptuning betrifft zwar vor allem die Software, stellt aber eine bauliche Veränderung am Fahrzeug dar. Deshalb müssen der Einbau und seine Effekte von einem Sachverständigen begutachtet werden – beispielsweise beim TÜV oder einer der anderen Prüforganisationen wie DEKRA, KÜS und GTÜ. Andernfalls kann die Betriebserlaubnis des Fahrzeugs ihre Gültigkeit verlieren, was eines der unterschätzten Risiken des Chiptunings ist. Die Anbieter der Chips weisen ihre Kunden in der Regel auf entstehende Kosten und weitere Anforderungen hin. Eventuell ist eine Änderung in der Zulassungsbescheinigung erforderlich. Erfolgt diese Eintragung nicht, droht zudem ein Bußgeld, der Verlust des Versicherungsschutzes oder sogar die Stilllegung des Fahrzeugs.

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