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Autopilot-Wettrennen: Tesla gegen Waymo-Taxi – wer von beiden liegt vorne? (Video)

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Von: Christian Schulz

Wer beim autonomen Fahren den Vorsprung hat, bleibt umstritten. Ein US-Blogger lässt den Tesla-Autopiloten gegen den Waymo-Driver des Roboter-Taxi-Dienstes antreten.

Phoenix (Arizona) – Elon Musks Elektroauto-Branchenführer Tesla und Google-Tochter Waymo liefern sich bei der Entwicklung des autonomen Fahrens ein munteres Wettrüsten. Dies äußert sich zuweilen auch in verbalen Giftpfeilen, die Waymo-CEO John Krafcik in Richtung des exzentrischen Tesla-Bosses abschießt und umgekehrt. Den Fortschritt hin zu selbstständig fahrenden Fahrzeugen schieben letztlich beide an – ihre Vorgehensweise jedoch unterscheidet sich.

Während Tesla und Tech-Milliardär Elon Musk es mit speziellen Kameras und vor allem hochentwickelter KI-Software möglich machen wollen, dass E-Autos auch ihnen völlig unbekannte Umfelder und Strecken so beherrschen wie ein menschlicher Fahrer, wählt der Konkurrent einen anderen Ansatz. Der Google-Ableger setzt auf die radarähnliche Lidar-Technik mit Laser-Sensoren sowie eine exakte Vorab-Kartierung aller von seinen Fahrzeugen befahrbaren Strecken. Welcher der beiden Wege letztlich erfolgversprechender sein wird, daran scheiden sich die Geister. Aufschlüsse über den Ist-Zustand liefert jedoch ein Wettrennen zwischen Tesla-Autopilot und Waymo-Driver. (Tesla Model 3 fährt ohne Fahrer los: Frau erschrickt zu Tode – und will das Auto stoppen)

Ein fahrerloses Roboter-Taxi von „Waymo One“ von innen
Ein noch immer bizarr wirkendes Bild: Ein fahrerloses Roboter-Taxi von „Waymo One“ kutschiert den Beta-Tester durch die Nacht. © YouTube (Whole Mars Catalog)

Autopilot-Wettrennen: Tesla gegen Waymo-Taxi – wer von beiden liegt vorne? (Video)

Teslas Selbstfahr-Software FSD („Full Self-Driving“) befindet sich bekanntermaßen derzeit im Stadium spannender Beta-Tests. Noch ist gesetzlich vorgeschrieben, dass der Tesla-Autopilot lediglich eine technische Unterstützung des menschlichen Fahrers sein darf. Die Person hinterm Steuer muss jederzeit in der Lage sein zu übernehmen – und bleibt nach wie vor voll verantwortlich für das Geschehen. Zahlreiche Beta-Tester berichten allerdings beinahe euphorisch, dass sie gerade das immer seltener müssten. Ein gutes Beispiel hierfür liefert ein YouTuber, der verschiedene Tesla-Modelle mehrfach auf der kurvigsten Strecke der Welt, der Lombard Street in San Francisco, getestet hat – und über die Fortschritte des lernenden KI-Systems berichtet.

Im Gegensatz dazu betreibt Waymo seit dem Jahr 2017 zu Testzwecken den fahrerlosen Taxi-Service „Waymo One“ in Teilen des fast vier Millionen Einwohner zählenden Ballungsgebiets der Metropole Phoenix im US-Bundesstaat Arizona. Ein begrenzter Kreis von zuvor registrierten Kunden kommt bereits heute in den Genuss, von einem autonom agierenden Automobil herumkutschiert zu werden. Eigens hierfür wurde eine Waymo-Testzone von etwa 130 Quadratkilometern Fläche eingerichtet. Diese umfasst auch die Vorstädte Chandler, Mesa und Tempe. Innerhalb des abgesteckten Bereichs fahren die Taxis von „Waymo One“ ohne Sicherheitspersonal an Bord – das heißt, es gibt keinen menschlichen Fahrer mehr. (Apple iCar soll 120.000 Euro kosten – sieht so das Ende der deutschen Autoindustrie aus?)

Ein selbstfahrendes Auto der Google-Schwesterfirma Waymo fährt über die Straße.
Google-Tochter Waymo arbeitet fleißig an der Technik des autonomen Fahrens – auf vorab kartografierten Routen. © Andrej Sokolow/dpa

Trotz vieler Zweifel, Anfeindungen und teilweise spöttischer Attacken der Konkurrenz beharrt Tesla-CEO Elon Musk auf seiner Meinung, dass Teslas FSD noch 2021 so weit sein wird und dass der Tesla-Autopilot besseres autonomes Fahren ermöglicht als der Waymo-Driver: Musks Vision zufolge sollen die E-Autos seines Unternehmens dann das Autonomie-Level der Stufe fünf erreicht haben. Dies würde bedeuten, dass die Fahrzeuge sich ohne Hilfe überall dort zurechtfinden würden, wo es auch ein Mensch könnte – nicht nur auf zuvor kartiertem Gebiet. (Experten: Darum wird vollkommen autonomes Fahren nie in Serie gehen)

Wettrennen der Autopiloten: Tesla gegen Waymo-Taxi – Video zeigt nächtliches Duell

Besonders gespannt darauf herauszufinden, wessen Selbstfahr-System sich aktuell besser schlägt, war jetzt ein Tesla-Beta-Tester, der das Blog „Whole Mars Catalog“ betreibt. Auf seinem gleichnamigen YouTube-Kanal veröffentlichte er ein Video, das den direkten Vergleich zwischen Tesla-Autopilot und Waymo-Driver auf einer von ihm gewählten Strecke innerhalb des Testgebiets bei Phoenix zeigt. Beide liefern sich ein Wettrennen auf Zeit. (Teslas Autopilot-Software in Baustelle überfordert: Model 3 bremst Polizei aus)

Den genaue Verlauf der jeweiligen Routen, den die autonom fahrenden Autos eigenständig bestimmen dürfen, verrät der Blogger nicht. Ausgangspunkt des Duells ist in beiden Fällen die Einfahrt eines Hotels – gemeinsames Ziel ist der Parkplatz eines Lebensmittel-Ladens.

Beide Roboter-Kontrahenten wählen unterschiedliche Routen aus. Was schnell auffällt: Der weiße Chrysler Pacifica aus der Flotte von Taxi-Dienst „Waymo One“ scheint Linksabbiegen irgendwie gar nicht zu mögen und daher, wo es geht, zu vermeiden. Einige Kommentatoren des Videos vermuten hier ein erhebliches Problem des Waymo Drivers. Ist es eingebaute Vorsicht, um eventuell komplizierter zu lösende Aufgaben im Straßenverkehr zu umgehen? Wie dem auch sei – nach exakt acht Minuten ist das Roboter-Taxi am Ziel seiner Reise angelangt. (Tesla erzielt erstmals Gewinn – aber nicht durch Autoverkäufe: So verdient Elon Musks Firma ihr Geld)

Was macht der Tesla? Der Kandidat aus dem Hause Elon Musk biegt gleich zu Beginn locker flockig links ab – und legt auch generell einen etwas aggressiveren Fahrstil an den Tag. Der Tesla-Autopilot beschleunigt das E-Auto teilweise auf mehr als 80 km/h, wechselt blinkend Spuren – und steht schließlich nach 5 Minuten und 12 Sekunden vor dem Lebensmittel-Geschäft. Er war also fast 3 Minuten und damit rund 35 Prozent schneller als sein Waymo-Konkurrent. 1:0 für Tesla.

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