Wie bitte?

Warum manche Sprachassistenten im Auto oft nur Bahnhof verstehen

  • Sebastian Oppenheimer
    vonSebastian Oppenheimer
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Alexa, Siri und Co. gehören bei vielen mittlerweile zum Alltag. Die Sprachassistenten sind inzwischen auch Passagier im Auto – doch oft verstehen sie nur Bahnhof. Wir erklären, warum.

  • Immer mehr Fahrzeuge lassen sich auch per Spracheingabe bedienen
  • Die Kommunikation mit dem Auto verläuft teils aber noch recht holperig
  • Es sind vor allem zwei Schwachstellen bei den Sprachassistenten, die Probleme bereiten

Sätze wie „Alexa, wo ist der nächste Italiener?“ oder „Hey Siri, mach das Licht im Wohnzimmer an!“ sind mittlerweile in vielen Familien zu hören, und nur selten ist damit der eigene Nachwuchs gemeint. Intelligente persönliche Assistenten (IPA), auch Sprachassistenten genannt, halten mehr und mehr Einzug in unsere Haushalte, und sollen uns das Leben erleichtern – oftmals tragen sie allerdings auch zur allgemeinen Erheiterung bei. Denn: „Tut mir leid, ich habe Sie nicht verstanden.“ oder „Das weiß ich leider nicht.“ kommt derzeit noch recht häufig als Antwort von den in der Regel in Lautsprechern (sogenannten Smart Speakern) versteckten Assistenten.

Bei Mercedes-Benz kann man sich per Sprachbefehl auch sein Horoskop vorlesen lassen.

Inzwischen sind auch Autos immer mehr vernetzt und das Internet hat längst Einzug in die Fahrzeuge gehalten – und mit ihm auch immer mehr Assistenzsysteme wie etwa Sprachassistenten. Die sind in Sachen Auto-Steuerung deutlich schlauer als frühere Spracheingabe-Systeme. Musste man bislang den genauen Wortlaut eines Befehls kennen und konnten nur wenige Funktionen per Sprache ausgeführt werden, kann man heutzutage mitunter recht frei mit dem eigenen Wagen plaudern. Dabei können nicht nur Navigationsziele eingegeben werden, sondern beispielsweise auch die Massagefunktion aktiviert, der nächste Kundendienst-Termin vereinbart oder die Temperatur geregelt werden: Ein kurzes „mir ist kalt“ reicht, und der Wagen dreht die Klimaanlage etwas höher. In der Regel erkennt das Auto sogar, ob der Fahrer oder der Beifahrer mit ihm redet.

Die Technik dahinter ist immer ähnlich, allerdings setzen manche Hersteller auf die Integration bestehender Systeme, wie zum Beispiel Amazons Alexa. Das erleichtert die Verbindung mit der heimischen „Digital-Welt“ und vom Auto aus kann zum Beispiel per Sprache die Heizung zuhause aufgedreht werden. Andere hingegen entwickeln ihre ganz eigenen Systeme, und benötigen dann spezielle Schnittstellen, um mit anderen Diensten zu kommunizieren. Mitunter bauen die Entwickler auch Funktionen zur Unterhaltung ein: Das Mercedes-System MBUX etwa gibt seit kurzem nicht nur Fitness-Tipps für den Fahrer, sondern liest auf Wunsch auch das eigene Horoskop vor.

Dass Sprachassistenten oft nur Bahnhof verstehen liegt vor allem daran, dass „am anderen Ende der Leitung“ natürlich kein Mensch sitzt, sondern ein Computer, der zu verstehen versucht, was der Nutzer, der im Auto sitzt, von ihm will. Die Frage oder der Sprachbefehl wird, da der interne Speicher in den Geräten viel zu klein ist, in der Regel in Sekundenbruchteilen an einen Server in einem großen Rechenzentrum übertragen. Der verarbeitet die Anfrage und schickt die passende Reaktion genauso schnell zurück an das Gerät. Das trägt dann entweder eine Antwort vor oder führt eine Aktion aus; zum Beispiel werden vernetzte Glühbirnen aktiviert oder der Lieblings-Radiosender eingeschaltet.

Im Grunde hat die Technik zwei Schwachstellen: Zum einen muss die Anfrage richtig verstanden werden und eine Antwort oder Reaktion verfügbar sein. Die eingesetzte Software macht sich die künstliche Intelligenz zu Nutze, wird laufend verbessert und lernt mitunter sogar selbstständig aus ihren Fehlern, ist aber noch lange nicht perfekt. Zum anderen muss natürlich eine stabile, ausreichend schnelle Internetverbindung bereitstehen; nur mit dem „Wissen“ in ihrem internen Speicher können die meisten Geräte kaum Aktionen ausführen.

Von Michael Gebhardt (SP-X)

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