Technik erklärt

Heute braucht’s den Regensensor – ausgerechnet diese Automarke hatte ihn zuerst

  • Jan Schmidt
    vonJan Schmidt
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Bei Regen geht der Scheibenwischer automatisch an und je nachdem, wie nass es von oben kommt, wird die Intensität wie von Zauberhand geregelt. Möglich macht das ein Regensensor. So funktioniert er.

  • Das erste Mal wurde ein Regensensor serienmäßig im Jahr 1994 angeboten
  • Zwei Dioden – zum Senden und Empfangen von Licht – sind notwendig
  • Mittlerweile sind Regensensoren in vielen Modellen Standard

München – Drei Stufen hat der Scheibenwischer im Auto üblicherweise: Intervall-Wischen, langsam und schnell. Doch so richtig zum Regen will in der Regel keine der Stufen passen – entweder nervt dass ständige Wischen oder man hat zu viel Wasser auf der Scheibe. Ein Versuch der Autobauer, das richtige Maß zu finden, ist das verstellbare Intervall-Wischen. Meistens lässt sich die Intensität mit einem Drehregler feinjustieren, vor allem bei wechselnder Witterung kann aber auch das schnell lästig werden. (Head-up-Displays: Nur ein System kann wirklich überzeugen)

Abhilfe kann ein Regensensor schaffen: Zwar trifft die Technik, die 1994 erstmals serienmäßig in einem Peugeot 406 angeboten wurde und inzwischen schon zur Standard-Ausstattung gehört, auch nicht immer hundertprozentig das richtige Maß, doch passt die intelligente Steuerung das Wisch-Intervall fortlaufend an. Und um das Ein- und Ausschalten braucht man sich auch nicht mehr zu kümmern. Sobald es von oben nass wird, nimmt der Wischer die Arbeit auf. (Keyless-Systeme: Nur diese Modelle bieten Sicherheit vor Diebstahl)

Regensensor: Diode sendet Licht, andere Diode wertet Rückstrahlung aus

Die dafür verwendete Technik passt problemlos in eine Streichholzschachel. Nötig sind für einen Regensensor zwei Dioden, die direkt hinter der Windschutzscheibe angebracht sind. In der Regel wird der Sensor im Rückspiegel-Fuß untergebracht. Eine der beiden Dioden, eine Leuchtdiode (LED), sendet einen Lichtstrahl aus – handelt es sich dabei statt um sichtbares Licht um Infrarot-Licht, kann der Sensor sogar im geschwärzten Bereich der Windschutzscheibe montiert werden. (Wegfahrsperre: Schnittstelle für Alkoholtest kommt 2022 ins Auto)

Der Winkel, in dem der Lichtstrahl gegen die Scheibe geschickt wird, ist so gewählt, dass das Licht an der äußeren Scheibenoberfläche reflektiert und zurückgespiegelt wird. Die zweite Diode, eine Empfangsdiode, misst, wie viel Licht zurückkommt. Bei Trockenheit wird das Licht zu einhundert Prozent reflektiert, doch je nasser die Scheibe wird, desto lichtdurchlässiger wird die Oberfläche. So kann der Regensensor die Niederschlagsmenge errechnen und den Scheibenwischer aktivieren beziehungsweise die Intensität entsprechend anpassen. Wichtig dabei ist, dass der Sensor im Bereich des Wischfeldes angebracht wird, damit die Oberfläche ständig wieder von Nässe befreit wird. Außerdem ist der Sensorbereich in der Regel von innen beheizt, um Messfehler durch Kondensationsfeuchte auszuschließen. (Car-to-X-Kommunikation: Vernetzung zwischen den Autos kommt voran)

Regensensor: Antenne in Scheibe plus Kondensator als Alternative

Neben dieser sogenannten optoelektronischen Messung lässt sich dasselbe Ziel auch durch einen kapazitiven Sensor erreichen. Dafür wir eine Antennenstruktur in die Scheibe integriert, das eigentliche Steuergerät kann dagegen ganz woanders sitzen. Ein Kondensator registriert Veränderungen im elektrischen Schwingkreis dieser Antenne, wenn die Scheibe feucht wird. Allerdings kam diese vom Zulieferer Hella entwickelte Variante nie über den Studien-Status hinaus, da die Kosten dafür sehr hoch sind, und der Zusatznutzen gering ist. (Warum manche Sprachassistenten im Auto oft nur Bahnhof verstehen)

Apropos Zusatznutzen: In neueren Fahrzeugen lassen sich die Daten des Regensensors auch von anderen Systemen nutzen. So kann das Steuergerät nicht nur die Scheibenwischer aktivieren, sondern bei Regen zum Beispiel auch das Licht anschalten oder Schiebedach und Fenster schließen. (Von Michael Gebhardt/SP-X)

Rubriklistenbild: © Peter Steffen/dpa

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