Software-Update

BMW Blitzer-Warner: Neue Funktion soll vor Radarfallen schützen – auch in Deutschland?

  • Christian Schulz
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Für diese Zusatzfunktion wären einige Autobesitzer sicher bereit, die fällige Gebühr zu bezahlen. Zu den neuen Software-Optionen von BMW gehört nämlich auch ein Blitzer-Warner. Lässt er sich auch in Deutschland freischalten?

München – Erst kürzlich haben die Münchner Autobauer ihr bislang größtes drahtloses Software-Update („Over-the-Air“) herausgebracht. Mehr als 750.000 Fahrzeuge weltweit erhalten das „BMW Operating System 7“. Zu diesem gehören auch lang erwartete Funktionen wie „Android Auto“, verbesserte Navigation durch „BMW Maps“, „Connected Parking“, „e-Drive Zones“ für Plug-in-Hybridmodelle und weitere intelligente Assistenzsysteme. In diesem Kontext haben die Münchner auch zusätzliche Abo-Funktionen eingeführt, die BMW-Fahrer sogar noch nach dem Kauf eines Autos beliebig per Internet hinzufügen können. (Functions on Demand: Diese Extras fürs Auto kann man noch nachträglich kaufen)

Lebt ein BMW-Besitzer beispielsweise in einer warmen Region, bewegt sich allerdings mit seinem Auto in einer kälteren Gegend, so kann er gegen Zusatzgebühr die Funktion beheizte Sitze entsperren. Wenn sich der tägliche Pendelverkehr eines Fahrers von überwiegend Landstraße hin zum städtischen „Stop and Go“ verändert, kann er die adaptive Geschwindigkeitskontrolle freischalten lassen. Dieses Fahrassistenzsystem hilft dabei, die passende Geschwindigkeit und den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug einzuhalten. (Bußgeldbescheid: Jeder zweite ist falsch – so können Sie die Strafe umgehen)

Im „Live Cockpit Professional“ von BMW können nach Freischaltung auch Blitzer-Warnungen angezeigt werden.

BMW Blitzer-Warner: Neue Funktion schützt vor Strafzetteln – auch in Deutschland?

Nun stellt BMW eine neue Funktion bereit, die es seinen Kunden erleichtern soll, sich vor Strafzetteln wegen Geschwindigkeitsverstößen zu schützen. Wer öfter in Gefahr ist, zu schnell unterwegs zu sein, kann künftig auch Blitzer-Warnungen erhalten, die im Display des Wagens angezeigt werden. Wie bei den anderen optionalen Funktionalitäten, die gegen Gebühr zugekauft werden können, müssen BMW-Besitzer die Blitzer-Warnungen abonnieren, anstatt eine einmalige Zahlung zu leisten. Ist das Abo aktiviert, benachrichtigt das Auto den Fahrer vollautomatisch über mobile und stationäre Geschwindigkeitsmessungen von Polizei oder Kommunen. (Streckenradar rechtmäßig: Kommen die Abschnittsblitzer jetzt bundesweit?)

Allerdings basiert die Funktion nicht auf dem Prinzip von „Google Maps“ oder „Waze“, die für ihre Radar-Warnungen von Benutzern markierte Standorte verwenden. Stattdessen fußt das System von BMW auf in den Fahrzeugen bereits verbaute Radar- und Laserdetektoren – sowie nationalen Datenbanken mit verzeichneten festen Kameras und Stellen, an denen gerne mobil geblitzt wird. Wie das Portal „Automotive News“ schreibt, resultiert das neue BMW-Feature aus dem Know-how von „Here Technologies“. An dem Kartendienst sind BMW, Mercedes-Benz, Audi, Bosch und Continental beteiligt, um den Rückstand der deutschen Autobauer beim autonomen Fahren aufholen. Die automatisierten Sensordaten liefert Technik von „Cedar Electronics“, dem weltweit führenden Hersteller von Radar-Detektoren und Dashcams.

Bislang ist noch unsicher, welche Länder oder BMW Modelle Zugriff auf die neue Funktion zur Blitzer-Warnung haben werden. Experten gehen übereinstimmend davon aus, dass neue Fahrzeuge, wie der BMW M4 (2021) über die zusätzliche Assistenz-Technologie verfügen werden. Auch andere Modelle des Jahres 2021 mit dem Betriebssystem „iDrive 7“ und der digitalen Instrumententafel „Live Cockpit Professional“ sollen die Funktion besitzen. (Ohne Führerschein unterwegs: 23-Jähriger wird 20-mal geblitzt – mit voller Absicht)

Auch vor Laser-Geschwindigkeitsmessungen der Polizei könnte die neue BMW-Software künftig schützen. (Symbolbild)

BMW Blitzer-Warner: Anti-Radarfallen-Software auch in Deutschland freischaltbar?

Völlig unklar ist dagegen, ob die Funktionalität auch bei in Deutschland vertriebenen BMW eingebaut sein wird – und ob sie sich für deutsche BMW-Besitzer wird freischalten lassen. „Google Maps“ beispielsweise warnt über seine integrierte Funktion bereits in über 40 Ländern vor Radarfallen – nicht jedoch in Deutschland. (Kurioses Blitzerfoto sorgt für Aufregung: Hat dieser Mann etwa am Steuer gekokst?)

In den folgenden Nationen ist die Funktion verfügbar:

Australien, Brasilien, USA, Kanada, Großbritannien, Indien, Mexiko, Russland, Japan, Andorra, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, Tschechien, Estland, Finnland, Griechenland, Ungarn, Island, Israel, Italien, Jordanien, Kuwait, Lettland, Litauen, Malta, Marokko, Namibia, Niederlande, Norwegen, Oman, Polen, Portugal, Katar, Rumänien, Saudi-Arabien, Serbien, Slowakei, Südafrika, Spanien, Schweden, Tunesien und Simbabwe.

In Deutschland wird das Feature wohl weder bei BMW noch bei Google so schnell kommen – oder gar offensiv beworben werden. Denn Blitzer-Warner für das Navi oder Blitzer-Apps zur Erkennung und Warnung vor Radarfallen für das Smartphone sind in Deutschland verboten. Die im Laufe des Jahres 2020 erneuerte Straßenverkehrsordnung (StVO) untersagt es Fahrern ausdrücklich, diese während der Fahrt zu verwenden. Bei Missachtung des Verbots droht eine Strafe in Höhe von 75 Euro und ein Punkt in Flensburg. 

Rubriklistenbild: © imago images / Uwe Meinhold

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