Neues Verkehrsrisiko

So brennt ein Elektroauto – „5.000 Liter mehr Löschwasser“

Ein Batteriemodul wird kontrolliert verbrannt
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Das Batteriemodul eines Elektroautos entwickelt beim Brand große Mengen Ruß, in dem sich giftige Metalloxide befinden.
  • Jan Schmidt
    vonJan Schmidt
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Wie gefährlich ist der Brand eines E-Autos? Müssen Tunnelwände und Tiefgaragen in Zukunft anders gebaut werden? Was müssen Feuerwehrleute beachten? Schweizer Forscher haben dazu spektakuläre Versuche gemacht.

  • Geraten E-Autos in Brand, ist mehr Löschwasser nötig als bei konventionellen Autos
  • Wegen der vielen Plastikverkleidungen weisen alle modernen Fahrzeuge eine hohe Brandlast auf
  • Elektroautos müssen besonders lange gekühlt werden

Zürich – Was passiert, wenn ein E-Auto in einer Tiefgarage oder in einem Tunnel brennt? Mit eindrucksvollen Videos hat die schweizerische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) einen Feldversuch dokumentiert. Sie wollte prüfen, welche besonderen Gefahren lauern und wie gefährlich die freigesetzten Batterie-Substanzen sind. Worauf müssen sich Feuerwehrleute einstellen? Müssen Tunnel, Tiefgaragen und Parkhäuser mit steigender E-Auto-Anzahl ganz anders gebaut werden? (Mini-Elektro-Mobile für die Stadt: Sind diese Flitzer besser als Tesla?)

Hier brennt ein Elektroauto – „5.000 Liter mehr Löschwasser“

Zuerst knallt es, dann entwickelt sich eine gewaltige Rußwolke. Und Sekundenbruchteile später steigen meterhohe Stichflammen auf – so sieht es aus, wenn die Batterie eines E-Autos in Brand gerät. Das zeigten die Empa-Experten in einem Versuchsstollen in Hagerbach in der Ostschweiz. Sie filmten den Brand aus verschiedenen Blickwinkeln, testeten Faktoren wie Löschwasser, Umgebungsluft und Rußablagerungen. (Tesla-Alternative Lucid Air: Superfix laden – fast 500 km Reichweite in dieser kurzen Zeit)

Ihr Fazit: Die Feuerwehren können mit dem Schaden umgehen und die Tunnel- oder Tiefgaragenwände und -leitungen werden nicht zusätzlich gefährdet. „Eine Tunnellüftung, die auf aktuellem Stand der Technik ist, kommt nicht nur mit brennenden Benzinautos, sondern auch mit Elektroautos zurecht“, urteilt die Empa. Doch das bei E-Auto-Bränden in deutlich größerer Menge anfallende Löschwasser sei ein Problem. „Chemisches Löschwasser darf auf keinen Fall in die Kanalisation geraten“, so die Empa-Experten. (Opel Corsa-e gegen Peugeot e-208: Bei einem fehlt was wirklich Nützliches)

Hier brennt ein Elektroauto: Brandlast moderner Autos stark gestiegen

„Die Studie bestätigt meine Einschätzung über die Gefährlichkeit von E-Mobilität“, sagt Karl-Heinz Knorr, Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbandes. „E-Autos brennen zwar anders, aber für den Ausgang ist es nicht entscheidend, ob eine Hochleistungsbatterie oder 80 Liter Treibstoff an Bord sind. Entscheidend ist viel mehr die Brandlast.“ Gemeint ist damit das Material, das in Brand geraten kann. Heutzutage hätten Autos mehr Kunststoffverkleidungen in der Fahrerkabine, Kunststoffabdeckungen im Motorraum und breitere Reifen. Dadurch sei die Brandlast zwei- bis dreimal so hoch wie noch vor 20 oder 30 Jahren. Beruhigend sei, dass die stark ätzende, toxische Flusssäure, die aus Lithium-Ionen-Batterien austreten kann, bei keinem der Empa-Versuche Konzentrationen im kritischen Bereich erreicht habe. (Mini Cooper SE gegen BMW i3: Der knappe Sieg geht an den ...)

Die mehr als 20.000 Feuerwehren in Deutschland würden geschult, um mit brennenden E-Autos umgehen zu können. „Wenn wir bei einem Brand wissen, dass es sich um ein E-Mobil handelt, schicken wir gleich mal 5.000 Liter mehr Wasser in Löschfahrzeugen mit raus“, betont Knorr. „Es kann sein, dass man mit 3.000 Litern nicht hinkommt.“ Die Wagen müssen viel intensiver gekühlt werden, weil eine Batterie über einen längeren Zeitraum immer wieder in Brand geraten kann. (Garantien auf E-Auto-Akkus: Nach 160.000 Kilometern ist nicht Schluss)

Hier brennt ein Elektroauto: 19-Jährige konnte nach Unfall nur tot geboren werden

Wir alle haben noch die Bilder vor Augen, als Ende Juli bei einem schweren Unfall in Groß Kreutz (Brandenburg) eine 19-Jährige mit einem Audi E-tron gegen einen Baum fuhr. Das Auto fing prompt Feuer und brannte komplett aus. Augenzeugen wollten noch die Türen öffnen, doch es war schon viel zu heiß. Die Bergungsarbeiten wurden außerdem dadurch erschwert, dass die Batterie des Elektro-SUV noch unter Spannung stand. Letztendlich konnte nur noch die Leiche der 19-Jährigen geborgen werden. Ein weiterer Fall, der nahelegt, dass das Brandrisiko bei Elektroautos doch höher ist als bei konventionell angetriebenen Fahrzeugen.

Karl-Heinz Knorr erklärt: Problematisch sei tatsächlich die Sache mit dem Löschwasser. Dass dies nicht in die Kanalisation dürfe, sei einfacher gefordert, als in der Praxis umsetzbar. „Wenn Feuerwehrleute sich zum Beispiel in einer Tiefgarage in Rauch und Hitze einem brennenden Fahrzeug nähern, ist es unmöglich, erst dafür zu sorgen, dass das Löschwasser aufgefangen wird“, meint er. Das sei bei Autos mit Verbrennungsmotor aber nicht anders. Auch dort könnten Treibstoff, Motoröl und Bremsflüssigkeit austreten. Im Notfall müsse etwa an einer Unfallstelle im Freien später der Boden gereinigt oder sogar abgetragen werden. (Elektroautos erleben echte Preisschlacht – diese Rabatte sind drin) (Mit Material der dpa)

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