Kann man wieder einen Diesel kaufen?

Experte: „Moderne Diesel-Fahrzeuge verbessern die Luftqualität“

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Der Diesel ist seit einigen Jahren stark in Verruf geraten. Doch es gibt auch weiterhin gute Gründe, in einen neuen Selbstzünder zu investieren.

  • Marktanteil von Diesel-Antrieben von 50 Prozent auf 30 Prozent gesunken
  • Selbst für ältere Euro-5-Diesel drohen in vielen Städten keine Fahrverbote
  • Autos mit Dieselmotor bleiben vor allem für Vielfahrer interessant

Losheim – Auf die Frage: „Kann man eigentlich heutzutage guten Gewissens noch einen Diesel kaufen?“, antwortet der Kraftfahrzeugexperte der Sachverständigenorganisation KÜS Hans-Georg Marmit.

„Der Abgasskandal als auch die aufgrund zu hoher Stickoxidbelastungen mancherorts diskutierten oder sogar eingeführten Fahrverbote haben Dieselkunden in den vergangenen Jahren stark verunsichert. Das spiegelt sich deutlich im immer weiter sinkenden Anteil dieser Antriebsart bei den Pkw-Neuzulassungen in Deutschland. Lag der Marktanteil 2015 noch bei rund 50 Prozent, ist er 2019 auf knapp über 30 Prozent gesunken.

Selbst für ältere Euro-5-Diesel drohen kaum noch Fahrverbote

Die große Verunsicherung ist nachvollziehbar, doch aus derzeitiger Sicht weitgehend unbegründet. Wie sich zeigt, haben bereits die kurzfristig im Rahmen der Dieselgipfel beschlossenen und umgesetzten Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität sowie die Luftreinhaltepläne der Kommunen vielerorts messbar Wirkung gezeigt. Wie das Umweltbundesamt (UBA) kürzlich mitteilte, wurde 2019 in nur noch 25 Städten der Luftqualitätsgrenzwert von 40 Mikrogramm NO2 im Jahresmittel überschritten. Ein Jahr zuvor war dies in 57 Städten der Fall. Auch deshalb sind Fahrverbote selbst für ältere Euro-5-Diesel in vielen Städten mittlerweile vom Tisch. Anzeichen für die Einführung weiterreichender Dieselfahrverbote gibt es derzeit nicht. Einige bereits verhängte dürften allerdings weiter bestehen bleiben.

Moderne Dieselantriebe reinigen sogar die Luft

Unabhängig von der Frage nach weiteren Fahrverboten für ältere Diesel gelten neue Selbstzünder als mittlerweile sehr sauber. Dank der schärferen Abgasnormen, wie etwa der 2017 eingeführten Euro-6d-Temp-Norm, sind die Stickoxidemissionen neuer Modelle drastisch gesunken. Dank der vor wenigen Jahren eingeführten RDE-Messmethode können sich Kunden zudem sicher sein, dass die Fahrzeuge diese niedrigen Werte auch praktisch einhalten. Bei den strengen Abgasmessungen hat sich sogar gezeigt, dass die aus dem Auspuff entweichende Luft modernster Diesel weniger stark als die zuvor angesaugte Luft belastet ist.

Hans-Georg Marmit ist Kraftfahrzeug-Experte der Sachverständigen-Organisation KÜS.

Zwar hat der Diesel ein ramponiertes Image, weshalb von einigen Herstellern nur noch wenige oder gar keine Selbstzünder mehr angeboten werden, doch bietet das Verbrennungsprinzip weiterhin Vorteile. Neben dem mittlerweile sehr guten Abgasverhalten neuer Diesel sind diese darüber hinaus im Vergleich zu Benzinern effizienter, was wiederum mit niedrigen Emissionen des klimaschädlichen CO2 einhergeht. Die umweltfreundlichsten Autos sind selbst modernste Diesel dennoch nicht. Wer seine Kaufentscheidung vor allem unter ökologischen Gesichtspunkten treffen will, sollte auf Erdgas- oder E-Antriebe setzen. 

Autos mit Dieselmotor sind vor allem für Vielfahrer geeignet

Finanziell bleibt der Diesel, wie schon vor dem Abgasskandal, vor allem für Vielfahrer interessant. Wie bisher ist ein Dieselmodell um einige tausend Euro teurer als etwa ein gleichstarkes Benziner-Pendant, weshalb sich die Mehrinvestition erst bei hohen Laufleistungen auch aufgrund der steuerlich begünstigten Dieselkraftstoffpreise amortisiert. Wegen der verbesserten Abgasreinigungstechnik und damit gestiegenen Fahrzeugpreise dürfte sich die Amortisation allerdings weiter hinauszögern als noch vor wenigen Jahren.

Privatkunden sollten deshalb genau abwägen, ob sich der Diesel für sie lohnt. Beim Kauf sollte das Fahrzeug idealerweise mindestens Euro-6d-Temp erfüllen. Wer etwa ein Jahreswagen mit einer schlechteren Abgasnorm kauft, wird möglicherweise hohe Rabatte erhalten, zugleich könnte allerdings auch der Wertverlust hoch ausfallen.“ (Von Mario Hommen/SP-X)

Rubriklistenbild: © Felix König/dpa

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