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Audi e-tron S Sportback: Der Elektro-Koloss beeindruckt mit seiner Fahrdynamik – nur eine Sache trübt den Spaß

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Von: Sebastian Oppenheimer

Mit einer Sportversion des Audi e-tron und seines Coupé-Ablegers wollen die Ingolstädter neue Kunden locken. Wir erklären die ausgefeilte Technik, die im Fahrzeug steckt.

Ingolstadt – Der Audi e-tron ist mittlerweile eines der erfolgreichsten Elektroautos auf dem deutschen Markt und insbesondere der SUV-Konkurrenz von Mercedes – dem EQC – oder von Tesla mit dem Model X weggerast. Ende des Jahres gibt es nicht nur eine Leistungsspritze, sondern mit dem S-Modell auch einen fahrdynamischen Leckerbissen. Gebaut werden der Audi e-tron S beziehungsweise der Audi e-tron S Sportback – wie auch ihre „normalen“ Bruder – im Audi-Werk in Brüssel.

Was haben sich die Autoentwickler in den vergangenen Jahrzehnten nicht Mühe gegeben, die Motorleistung so gut wie möglich auf die Straße zu bekommen. Essentiell ist dabei der Allradantrieb, den wohl keiner so geschickt vermarktet hat wie Audi. Doch im Jahr, in dem Quattro seinen 40. Geburtstag feiert, wollen die Ingolstädter den bisweilen abhanden gekommenen Hightech-Anspruch einen neuen Odem einhauchen (Facelift: Der Audi Q5 fährt jetzt auf der „grünen Welle“ – aber leider nicht überall).

Audi e-tron S Sportback: der Ingolstädter Stromer knüppelt knapp 1.000 Nm Drehmoment auf den Asphalt

Der Audi e-tron S Sportback bekommt im Vergleich zum normalen e-tron nicht nur einen nennenswerten Leistungsnachschlag auf 370 kW (503 PS) und fast 1.000 Nm maximales Drehmoment, sondern ganz nebenbei die Kraft von drei Herzen. An Vorder- und Hinterachse arbeiten nicht zwei, sondern drei Motoren.

Ein Audi e-tron Sportback S im Drift auf einer Teststrecke.
Ein 2,5-Tonnen-Koloss im Drift: der Audi e-tron Sportback S ist mit mächtig Leistung ausgestattet. © Tobias Sagmeister/Audi

Der Clou dabei: das linke und das hintere Rad haben in Sachen Antrieb miteinander nichts zu tun. Beide übertragen ihre üppige Motorleistung völlig unabhängig voneinander per Rad auf die Fahrbahn. Dieses Plus an Fahrdynamik ist mächtig und der Fahrspaß im Grenzbereich gigantischer denn je. Der Grund, weshalb der Audi e-tron in seiner Sportversion so gierig aus der engen Kehre beschleunigt und auf Wunsch sogar einen kraftvollen Drift zulässt, ist dabei offensichtlich. Da zwischen linkem und rechtem Hinterrad des Audi (Horror-Crash im Q7 – Familie unverletzt: „Werde den Audi-Ingenieur ...“) keinerlei Verbindung existiert, wird die üppige Motorleistung völlig variabel auf die beiden hinteren Räder übertragen.

Horror-Crash im Q7 – Familie unverletzt: „Werde den Audi-Ingenieur ...“

Ein Sportdifferenzial oder eine Quersperre kann derartig viel Drehmomentunterschied weder so schnell, noch in einem derart breiten Bereich verschieben. Wenn beim Beschleunigen ein Hinterrad auf einem Fahrbahnbelag mit niedrigem Reibwert wie Eis oder losem Untergrund steht, kann das elektrische Torque Vectoring das Moment zwischen den beiden Motoren in Sekundenbruchteilen ebenso präzise wie schnell vollvariabel verteilen. Der vordere Elektromotor arbeitet ohnehin nur dann, wenn Untergrund und Fahrdynamik es erfordern, um den Verbrauch zu reduzieren.

Fahraufnahme eines Audi e-tron Sportback S auf einer Teststrecke.
Audi e-tron Sportback S: knapp 1.000 Nm maximales Drehmoment sind eine echte Ansage. © Tobias Sagmeister/Audi

Audi e-tron Sportback S: ein ähnlich direktes Fahrverhalten wie bei einem echten Sportwagen

In Millisekunden kann ein Drehmoment von 2.100 Nm zwischen rechtem und linkem Hinterrad verschoben werden, während an der Vorderachse in aller Ruhe der dritte Motor für steten Kraftfluss und eine entsprechendes Vorkommen sorgt. Beeindruckend ist das Mehr an Dynamik und das Plus an Fahrsicherheit im Grenzbereich. Dazu fehlt glücklicherweise das synthetische Fahrgefühl, das viele Elektromodelle in Sachen Lenkung, Einlenkverhalten und Beschleunigung in sich tragen.

Das Verhalten des Audi e-tron S Sportback ist damit ähnlich direkt und kalkulierbar, wie man es von einem echten Sportwagen kennt. Gleichzeitig macht einen Fahrdynamik beinahe sprachlos, denn der über 2,5 Tonnen schwere Allrad-SUV lässt sich auf einer Handlingstrecke bewegen, als wäre er ein paar hundert Kilogramm leichter. Zugegeben beim Beschleunigen, denn das Einlenken ist zwar präzise, doch das Gewicht des Elektro-SUV schiebt beim (An-)Bremsen nach wie vor mächtig.

Blick in den Innenraum eines Audi e-tron Sportback S.
Nobles Ambiente: im Innenraum des Audi e-tron Sportback S geht es eher elegant als sportlich zu. © Tobias Sagmeister/Audi

Audi e-tron Sportback S: Motorleistung und Elektronik kaschieren geschickt das hohe Gewicht

Ist man im Normalmodus lässiger und flotter als bisher unterwegs, sieht das im Dynamikprogramm ganz anders aus, denn hier geben die Assistenzsysteme dem Piloten und insbesondere dem Audi e-tron S eine etwas längere Leine. Wer will kann über alle vier Räder driften oder man stellt nur kraftvoll das Heck aus. Wer meint, dass das alltäglichen Fahrgebrauch nur einen eingeschränkten Nutzen hat, liegt dabei keinesfalls falsch.

Anders sieht es jedoch auch, wenn man auf einer kurvenreichen Bergstrecke, Landstraße oder nur dem Ein- / Ausfahren in einen Kreisverkehr unterwegs ist. Hier verschiebt sich die Motorleistung an der Hinterachse derart schnell, dass es einen nennenswerten Dynamikzugewinn und schlicht mehr Fahrspaß gibt. Zudem wird das opulente Gewicht des Audi e-tron S – zu bekommen als SUV und Coupé namens Sportback – so geschickt kaschiert. Fehlt für geringe Tempi wie beim Ein- oder Ausparken nur noch eine mitlenkende Hinterachse. Die können die insgesamt drei Elektromotoren nicht komplett ersetzen.

Audi e-tron Sportback S: vieles an dem Auto beeindruckt – bis auf eine Sache

Und wer sich für derart viel Fahrdynamik und Spaß im Grenzbereich nicht begeistern kann, den lockt das Doppelpack aus Audi e-tron S und Audi e-tron Sportback S ggf. mit seinem Leistungsnachschlag und der nachgeschärften Optik mit um jeweils 23 Millimeter verbreiterten Radhäusern, optionalen 22-Zöllern und ein paar weiteren Dreigaben. Die Motorleistung dürfte dabei mit 320 kW (435 PS) und 808 Nm keine Wünsche offenlassen. Im bis zu acht Sekunden dauernden Elektroboost sind es sogar 370 kW (503 PS) und gigantische 973 Nm maximales Drehmoment sind schlicht beeindruckend.

Das gilt leider nicht für die Höchstgeschwindigkeit, denn die wird alles andere als sportlich bei 210 km/h abgeriegelt. Immerhin geht es aus dem Stand in 4,5 Sekunden. Das Batteriepaket ist mit dem des normalen Audi e-tron identisch und leistet 95 kWh (netto nutzbar 86,5 kWh). Das Nachladen dauert für 80 Prozent der Akkuleistung an einer Schnellladesäule rund 30 Minuten. Preislich dürfte der Audi e-tron S Sportback rund 100.00 Euro kosten (Stefan Grundhoff / press-inform).

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