Experte klärt auf

Strafe für zu langsames Fahren – geht das überhaupt?

  • Arne Roller
    vonArne Roller
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Rasern droht die Straßenverkehrsordnung eine Vielzahl von Sanktionen an. Doch wie ist das Ganze im umgekehrten Fall: Kann auch bestraft werden, wer mit dem Auto zu langsam fährt?

München – Thorsten Peter, stv. Technischer Leiter der Sachverständigen-Organisation KÜS, steht Rede und Antwort auf die Frage, ob zu langsames Fahren unter Umständen ebenfalls geahndet werden kann:

Bei einer Schleichfahrt während einer Parkplatzsuche hat mir ein genervter Hintermann mit einer Anzeige gedroht. Kann denn langsames Fahren überhaupt bestraft werden?“
„In diesem Fall muss die Antwort ‚Ja und Nein‘ lauten. § 3 Absatz 2 der Straßenverkehrsordnung besagt, dass Tempolimits ohne triftigen Grund nicht deutlich unterschritten und dabei andere Verkehrsteilnehmer behindert werden dürfen. Im Fall einer grundlosen Schleichfahrt kann ein Bußgeld fällig werden und dann müsste die Antwort auf Ihre Frage also ‚Ja‘ lauten.“
Gibt es denn keine Ausnahmen?
„Doch, es gibt auch erlaubte Gründe für langsames Fahren. Die von Ihnen erwähnte Parkplatzsuche oder auch technische Probleme, der Transport sperriger Ladungen oder gar eine umweltfreundliche Fahrweise gelten als legitime Gründe für eine langsame Fahrt. Auf Ihr konkretes Beispiel bezogen lautet deshalb die Antwort ‚Nein‘.“

Strafe für zu langsames Fahren – geht das überhaupt?

Notwendig kann langsames Fahren aber auch bei schlechten Witterungsverhältnissen sein. In § 3 in Absatz 1 der Straßenverkehrsordnung heißt es dazu: „Die Geschwindigkeit ist insbesondere den Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnissen sowie den persönlichen Fähigkeiten und den Eigenschaften von Fahrzeug und Ladung anzupassen.“ (Angeklagter in Sachen Autorennen: „Wollte nur Polizei provozieren“ – das Urteil ist kurios)

Wer zum Beispiel auf verschneiten Straßen unterwegs ist, sollte (ungeachtet des jeweils vorgegebenen Tempolimits) seine Geschwindigkeit den Verhältnissen anpassen. Dann darf man also auch mal auf der Autobahn mit 30 km/h „dahinschleichen“ – man macht das schließlich, um sich und andere Verkehrsteilnehmer in dieser Ausnahmesituation nicht zu gefährden. (Bußgeldkatalog: Die größten Verkehrsrowdys fahren diese Autos – eine Marke ist heftig)

KÜS
RechtsformEingetragener Verein
SitzLosheim am See
Gründung 1980
GeschäftsführerPeter Schuler

Apropos Autobahn: Weitverbreitet ist die irrtümliche Meinung, dass es Mindestgeschwindigkeiten vor allem auf Autobahnen und Kraftstraßen gibt. Zwar dürfen Autobahnen nur von Fahrzeugen befahren werden, die bauartbedingt mindestens 60 km/h schnell fahren können. Doch dürfen alle Fahrzeuge auf der Autobahn dieses Mindesttempo praktisch auch unterschreiten, sofern ein triftiger Grund dafür vorliegt. (Rettungsgasse: So wird die Fahrspur für Einsatzkräfte korrekt gebildet)

Strafe für zu langsames Fahren – geht das überhaupt?

Sind aber solche besonderen Umstände nicht ersichtlich, ist die Polizei dazu angehalten, im „Schneckentempo“ fahrende Verkehrsteilnehmer zu kontrollieren. So geschehen zum Beispiel 2015 mit diesem Google-Testfahrzeug in Kalifornien:

Ist der Grund für die langsame Fahrt nicht stichhaltig, droht ein Bußgeld. Mit 20 Euro fällt dieses allerdings noch moderat aus. Teurer kann es hingegen werden, wenn ein anderer Verkehrsteilnehmer mit nicht ausreichender Geschwindigkeit überholt wird. Dann drohen 80 Euro und ein Punkt in Flensburg. Sollte es aufgrund eines zu langsamen Überholvorgangs zu einem Unfall kommen, sind sogar 120 Euro und ein Punkt beim KBA in Flensburg vorgesehen. (Von Mario Hommen/SP-X)

Rubriklistenbild: © Patrick Pleul/dpa

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