Durch Kreisel gedriftet

Angeklagter in Sachen Autorennen: „Wollte nur Polizei provozieren“ – das Urteil ist kurios

  • Arne Roller
    vonArne Roller
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Illegale Autorennen gelten als Straftat. Doch reicht dafür schon ein ausbrechendes Heck bei der Fahrt durch einen Kreisverkehr? Darüber musste jetzt ein Gericht entscheiden.

  • Der Angeklagte war vor den Augen von Polizeibeamten durch einen Kreisverkehr gedriftet
  • Die Staatsanwaltschaft war ihm ein „illegales Autorennen“ vor
  • Nach dem Führerscheinentzug ging er in Berufung

Zweibrücken – Wer ein Rennen auf öffentlichen Straßen fährt, muss mit empfindlichen Strafen rechnen. Doch das Driften durch einen Kreisverkehr müssen Gerichte nicht unbedingt als Rennen werten. Das zeigt ein Urteil (Az.: 1 OLG 2 Ss 34/20) des Pfälzischen Oberlandesgerichts Zweibrücken, auf das der ADAC hinweist.

In dem Fall ging es um einen Mann, der innerorts mit seinem Auto mit hohem Tempo auf einen Kreisverkehr zugefahren war. In dessen Mitte standen Personen, darunter auch Polizeibeamte. Der Fahrer sah das. Bei der Einfahrt in den Kreisel ließ er den Motor seines BMW-Cabrio aufheulen und bretterte mit ausbrechendem Heck hindurch (Verkehrsrecht im Ausland: Regeln, Vorschriften und Bußgelder – die wichtigsten Unterschiede).

Angeklagter in Sachen Autorennen: „Wollte nur Polizei provozieren“

Es folgte eine Anzeige wegen illegalen Autorennens. Der Mann bekam eine Geldstrafe, der Führerschein wurde entzogen. Doch dagegen ging er in Revision. Seiner Ansicht nach ist er kein Autorennen gefahren. Er habe vielmehr lediglich die Polizeibeamten durch sein Manöver provozieren wollen.

Das Pfälzische Oberlandesgericht Zweibrücken als Revisionsinstanz konnte kein illegales Autorennen erkennen und sprach den Mann frei. Ein einzelner Fahrer kann demnach zwar durchaus illegales Autorennen fahren – auch ohne Kontrahenten. (JP Kraemer: Muss er nach Vollgas-Fahrt für zwei Jahre in den Knast?). Doch sei das hier nicht der Fall gewesen (Bußgeldkatalog-Chaos: Darum raten Experten, sofort Einspruch einzulegen).

Angeklagter in Sachen Autorennen: Kein Höchsttempo durch Driften

Das Gericht sah keine Indizien dafür, dass der Fahrer sein Auto nicht hätte beherrschen können. Zudem sei es dem Mann nicht darum gegangen, die höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen. Dagegen sprächen das Durchdrehen der Reifen und das Driften (Kein Führerschein: So viele Jahre war eine Rentnerin ohne Fahrerlaubnis unterwegs).

Angeklagter in Sachen Autorennen: Kreisverkehr ist nicht immer Kreisverkehr

Die Arten und Formen von Kreisverkehren sind nicht immer einheitlich, vor allem international gibt es viele Sonderformen:

  • Magic Roundabout (dabei sind die Anschlüsse der Knotenarme ebenfalls als Kreisverkehr ausgebildet)
  • Unechter Kreisverkehr (kein Kreisverkehrsschild, wird durch Vorfahrtsschilder geregelt)
  • Turbokreisverkehr (mit Vorsortierung für besonders starke Verkehrsströme)
  • Squareabout (erhöhter, gepflasterter Kreisverkehr)
  • Throughabout (Innerhalb der beiden Hälften funktioniert er als Kreisverkehr, zur Hauptrichtung ist er mit Ampeln geregelt)
  • Tropfenform (Kreisverkehr, dessen spitzes Ende die Hauptverkehrsrichtung ist)

Ein besonderes Stück deutschen Einfallsreichtums ist der „Ostkreisel“ in Karlsruhe – kein Kreisverkehr, sondern vielmehr eine „runde Kreuzung“:

Also immer aufpassen, ob das Rondell vor einem tatsächlich ein Kreisverkehr ist oder ob man gegebenenfalls als Einfahrender Vorfahrt gewähren muss. (Mit Material der dpa)

Rubriklistenbild: © Uli Deck/dpa

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