Big Brother als Beifahrer

Telematik-Tarife: Nur wenn diese Kriterien zutreffen, lässt sich wirklich Geld sparen

Ein Smartphone mit Telematik-App auf dem Bildschirm
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Wer weniger als 130 km/h auf der Autobahn fährt, wird belohnt.
  • Jan Schmidt
    vonJan Schmidt
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Einige Kfz-Versicherungen bieten Autofahrern sogenannte Telematik-Tarife – auch „Pay as you drive“ genannt – an. Im Austausch für Daten zum Fahrstil locken dabei günstigere Prämien. Für wen lohnt sich das?

  • Bei Telematik-Tarifen wird das Fahrverhalten aufgezeichnet und an die Versicherung gesendet
  • Gerade bei Fahranfängern ist der Telematik-Rabatt besonders groß
  • Versicherungsnehmer zahlen bei Telematik-Tarifen nur die gefahrenen Kilometer

München – Achtsames Fahren zahlt sich aus – mit diesem Argument werben diverse Versicherungen für ihre Telematik-Tarife („Pay as you drive“). Via Tele(kommunikation) und (Infor)matik sammeln die Unternehmen laufend Informationen über das Fahrverhalten ihrer Kunden.

Technisch geht das über eine im Auto installierte Blackbox, eine App oder einen Datenstick mit GPS-Übermittlung. Die Daten werden an die Versicherung übermittelt, dort gespeichert und bestimmen die Prämie nach dem konkreten Fahrverhalten. Bewertet werden unter anderem Tempo, Bremsverhalten, Beschleunigung, Kurvenfahrweise und Fahrtzeiten. (Auto im Urlaub gestohlen? So gehen Sie jetzt Schritt für Schritt vor)

Telematik-Tarife: Für Fahranfänger eine Überlegung wert

Doch die Versicherer werten die Daten ganz verschieden aus. Im Vergleich stellt Michael Bruns von der Stiftung Warentest fest: „Was in den Score einfließt, ist je nach Versicherer unterschiedlich, jede App gewichtet die Daten anders.“ Ein Telematik-Tarif lohne sich in erster Linie für Fahranfänger in den ersten Jahren am Steuer. Bei Älteren würden dagegen so viele Parameter bei einem Versicherungsabschluss abgefragt, „dass man vergleichsweise wenig einsparen würde“. (Wegfahrsperre: Schnittstelle für Alkoholtest kommt 2022 ins Auto)

„Wir sagen pauschal, dass es sich für Fahranfänger lohnt, da hier die prozentuale Einsparung von bis zu zehn Prozent deutlich mehr bringt, davon ausgehend, dass die Grundprämie bei einem jungen Fahrer wesentlich höher ist“, sagt Sören Heinze vom Auto Club Europa (ACE). (Das erste eigene Auto für Fahranfänger: Auf diese Sache sollten Sie ganz besonders achten)

Telematik-Tarife: Man bezahlt für die gefahrenen Kilometer

Finanziell entscheidend seien, so Heinze, die tatsächlichen Zahlen: „Ohne eine spezielle Versicherung zu empfehlen, ist bei den
Telematik-Tarifen das Charmante, dass wirklich für die Kilometer bezahlt wird, die gefahren werden.“

Doch Michael Wortberg von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz bekommt häufig Rückmeldungen von unzufriedenen Versicherungsnehmern: „Nach dem, was ich höre, schaffen es die Versicherten nicht, tatsächlich Beiträge zu sparen, indem sie besonders schonend oder sparsam fahren. Wenn sie beispielsweise irgendwo wohnen, wo sie morgens schon steile Kurven fahren, bremsen und Gas geben müssen, verderben Sie sich damit direkt den Schnitt.“ (Sie fahren kaum Auto wegen Corona? Dann können Sie jetzt richtig viel Geld sparen)

Der Verbraucherschützer sorgt sich vor allem um den Datenschutz. „Natürlich werden die Daten offiziell ausschließlich und anonymisiert gesammelt und ausgewertet an die Versicherer gegeben, doch wer kontrolliert oder gewährleistet das?“, fragt sich Wortberg.

Telematik-Tarife: Zu welcher Technik raten die Experten?

Wenn es um die Technik geht, rät Warentester Bruns zur App: Sie sei die einfachste Variante und zeichne nur dann auf, wenn sie aktiviert sei: „Man sollte immer darauf achten, dass man sie nach der Fahrt ausschaltet, damit sie nicht, wie bei mir geschehen, beispielsweise eine U-Bahn-Fahrt wertet und dadurch einen schlechteren Score ermittelt.“ Denn Fahrer können nach jeder Fahrt die Punkte prüfen und man kann laut Bruns in Einzelfällen den Versicherer anrufen, um eine Fahrt mit Taxi oder U-Bahn wieder löschen zu lassen. (Marderschaden am Auto: So verhindern Sie teure Reparaturkosten)

Telematik-Tarife: Was hilft für eine gute Bewertung?

Was bei Telematik-Tarifen für das Auto idealerweise zu tun ist und welche Kriterien vorteilhaft sind, um vom Versicherer besonders günstig bewertet zu werden, fasst Michael Wortberg von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz so zusammen: Am besten lebt man auf dem verkehrsarmen Land und nutzt ein neueres Auto. Man fährt nicht zu Stoßzeiten oder nachts und meidet bergige, kurvenreichen Straßen – und fährt grundsätzlich nicht sportlich und überhaupt sehr wenig. Kurven nimmt man besser grundsätzlich langsam, bremst sehr frühzeitig und sanft und hält sich konstant an alle Beschränkungen. (Mit Material der dpa)

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