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Fahrangst überwinden: Hilfe gegen Panik und Angstschweiß hinterm Lenkrad

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Von: Jasmin Pospiech

Autofahren ist für viele Menschen völlig normal. Doch für manche wird es zur puren Tortur. Eine Expertin gibt Tipps, wie sich Fahrangst überwinden lässt.

Düsseldorf – Manche fahren für ihre Arbeit kilometerweit von A nach B und denken kaum darüber nach, weil es für sie selbstverständlich ist, jeden Tag hinterm Steuer zu sitzen. Wer allerdings schon schlechte Erfahrungen im Straßenverkehr gemacht oder sogar einen Unfall erlebt hat, dem fällt es manchmal schwer, sich wieder ins Auto zu setzen. Einige von ihnen entwickeln sogar eine richtige Phobie, die sogenannte Amaxophobie – im Volksmund Fahrangst.

Fahrangst überwinden: Hilfe gegen Panik und Angstschweiß hinterm Lenkrad

Für Menschen mit Fahrangst wird das Autofahren zur psychischen Qual, weshalb sie oft versuchen, es im Alltag zu vermeiden. Stattdessen nehmen sie lieber Umwege mit Bahn, Bus oder zu Fuß auf sich, um nicht den eigenen Pkw nutzen zu müssen. Wenn sie allerdings abseits von größeren Städten auf dem Land leben, wird es schwierig, mobil zu bleiben, etwa um Einkäufe zu erledigen.

Und es sind mehr Leute als gedacht, die unter Fahrangst leiden: Laut Forschern der Uni Würzburg soll Amaxophobie zu den drei am häufigsten vorkommenden Phobien zählen, gleich nach der Höhenangst (Akrophobie) und der Angst vor Spinnen (Arachnophobie). Insgesamt sollen etwa eine Million Deutsche davon betroffen sein, die Dunkelziffer liege allerdings höher.

Eine Frau ist hinterm Steuer eines Wagens zusammengesackt. (Symbolbild)
Wenn einen die Panik hinterm Lenkrad überkommt, ist es besser, kurz innezuhalten und durchzuatmen. (Symbolbild) © imagebroker/Imago

Doch die wenigsten wollten es sich selbst oder vor anderen eingestehen, die meisten würden sich für ihre Angst schämen, erklärt auch Simone Morawietz gegenüber RTL.de. Der Fahrangst-Coach aus Düsseldorf, der auch bei MPU-Vorbereitungen berät, behandelt etwa vier bis fünf Betroffene pro Tag. (Mann fällt 192-mal durch Führerschein-Prüfung – Fahrlehrer geht auf Barrikaden)

Fahrangst überwinden: Panik und schwitzige Hände? Kann auch Vielfahrer betreffen

„Die Allgemeinheit hat auf dem Schirm: Man macht mit 18 den Führerschein und danach fährt man für den Rest des Lebens Auto – kein Problem. Es gibt aber Menschen, denen geht es anders“, so die Expertin. Wer allerdings zu seiner Fahrangst stehen würde, habe meist schon den ersten Schritt in Richtung Besserung getan. Schließlich sei das Erlebnis hinterm Steuer für Betroffene sehr unangenehm: Viele bekämen Panikattacken, Herzrasen und schwitzige Hände. (Paar fährt im Schneckentempo über Autobahn – warum nur? Die Ausrede ist kaum zu glauben)

Doch das würde nicht nur Fahranfängern so gehen, sondern auch geübten Vielfahrern, die plötzlich und ohne bestimmte Auslöser, etwa auf dem täglichen Weg zur Arbeit, Angst verspürten. Das sei besonders gefährlich, wenn diese sich gerade bei erhöhtem Tempo auf einer Autobahn befänden. Manche seien dann von dem Erlebnis so schockiert, dass sie sich gar nicht mehr hinters Steuer trauten. Ein fataler Fehler! Denn dadurch entwickle man Angst vor der Angst und es werde nur noch schlimmer, klärt Fahrangst-Coach Morawietz auf. (Ehemaliger VW-Mitarbeiter gibt freiwillig Führerschein ab: „Zu viele Egoisten am Steuer“)

Fahrangst überwinden: Panik und schwitzige Hände? Therapie nur in Ausnahmefällen

Und wer zudem auf das Auto angewiesen sei, weil er es eben für die Arbeit brauche, habe nur einen Grund mehr, um sich der Phobie zu stellen. Zugleich begebe man sich in eine Spirale der Abhängigkeit, da der Betroffene schließlich auf andere Personen aus seiner Umgebung, etwa Partner oder Partnerin, angewiesen sei. Aber: „Die gute Nachricht ist, dass die leichteren Fälle schnell zu lösen sind“, macht die Expertin Mut. Hier reiche es bereits, wenn man in sich hineinhorche und sich der Frage stelle, warum man das Autofahren meide. Ist es nur die Unsicherheit im Straßenverkehr oder wirklich eine tief steckende Angst, sich hinters Steuer zu setzen? (Das bringt Ihnen ein Fahrsicherheitstraining beim ADAC wirklich – und was es kostet)

In letzterem Fall werde schließlich eine Therapie nötig. Die bedeute allerdings nicht, sich auf eigene Faust mit der Angst zu konfrontieren und besonders viel Auto zu fahren. „Das führt im Zweifel nur zu erneuten negativen Erlebnissen, die die Angst verfestigen“, so Simone Morawietz. Stattdessen sollten sich Betroffene langsam vorantasten. Das bedeutet konkret: Zunächst die Denkmuster der Angst erkennen und Hilfspunkte finden, damit ein Umdenken stattfinden könne. Wenn das geschehen sei, gehe es darum, wieder am Straßenverkehr teilzunehmen, allerdings stets im eigenen angemessenen Tempo.

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