Erhebung von Consumer Reports

Kostenfalle Auto-Reparatur: Die deutschen Premium-Hersteller langen kräftig zu

  • Sebastian Oppenheimer
    vonSebastian Oppenheimer
    schließen

Eine US-Verbraucherorganisation hat die Kosten für gängige Auto-Reparaturen untersucht – bei den Preisen langen die deutschen Premium-Hersteller teilweise kräftig zu.

New York – Wer sich einen Gebrauchtwagen zulegen will, liebäugelt vielleicht auch schon mal mit einem Oberklasse-Fahrzeug. Ins Visier des Käufers gerät dann schnell ein Auto, das man sich neu vielleicht nicht leisten könnte – aber als Gebrauchtfahrzeug durchaus. Was man dabei leicht aus den Augen verliert, sind die Reparaturkosten. Tendenziell mögen teurere Fahrzeuge von Premium-Marken qualitativ hochwertiger sein – doch gern wird verdrängt, dass auch hier über kurz oder lang Teile ersetzt werden müssen. Dann kann es unter Umständen richtig teuer werden und das vermeintliche Schnäppchen entpuppt sich als Fass ohne Boden. Die US-Verbraucherorganisation Consumer Reports (CR) hat nun sogenannte „Deal Breaker“ unter die Lupe genommen – Reparaturen (genauer gesagt Reparaturkosten), die über einen Autokauf entscheiden können. Die deutschen Premium-Hersteller schnitten mit ihren Preisen dabei nicht besonders gut ab.

Kostenfalle Auto-Reparatur: Bei diesen deutschen Herstellern wird’s richtig teuer

Dass die Reparatur eines Premium-Fahrzeugs mehr kostet als die eines Autos eines Volumenherstellers, ist natürlich wenig überraschend. Dennoch ist an der CR-Studie interessant, wie eklatant die Preisunterschiede zum Teil sind. Die Daten des CR-Berichts basieren auf geschätzten Reparaturkosten von RepairPal, einem großen Anbieter von Autoreparatur- und Wartungsinformationen für Verbraucher in den USA.

Ein gebrauchtes Oberklasse-Fahrzeug kann bei fälligen Reparaturen enorme Summen verschlingen (Symbolbild).

Kostenfalle Auto-Reparatur: Komponenten sind oft schwer zugänglich verbaut

Laut dem Bericht sind es beileibe nicht nur die Teilekosten, die bei Oberklasse-Fahrzeugen für hohe Reparaturkosten sorgen. Mitunter ist selbst für den Tausch gängiger Teile wie Anlasser, Batterie oder Zündkerzen ein enormer Zeitaufwand erforderlich. Unter anderem kann dies mit einem größeren Motor zu tun haben oder mit Komponenten, die an schwer zugänglichen Stellen verbaut werden, um die Gewichtsverteilung im Fahrzeug zugunsten eines guten Handlings zu beeinflussen. „Diese Entscheidungen erschweren den Mechanikern den Zugang zu den Teilen“, erklärt CR-Chefmechaniker John Ibbotson, „und können eine einfache 2-Stunden-Reparatur in eine 6-Stunden-Tortur verwandeln.“ Wenn man also ein gebrauchtes Luxusauto mit einem überraschend niedrigen Kaufpreis sehe, könne eine teure anstehende Reparatur der Grund sein.

Untersucht wurden die Kosten von Reparaturen, die besonders häufig auftreten würden – etwa der Tausch eines Klimakompressors. Im Durchschnitt werden laut CR dafür 1.211 US-Dollar (1001 Euro) fällig. Bei einem BMW 750Li koste diese Reparatur jedoch 4.453 US-Dollar (3666 Euro) – also weit mehr als das Dreifache. Auch der Lexus GS450h (3.693 US-Dollar) und der Mercedes-Benz E 400 (3.684 US-Dollar) liegen hier deutlich über dem Durchschnitt. (Massive Kritik an BMW-Grill: So regiert der Designchef auf die Fan-Wut)

Bei der Lichtmaschine sieht das Bild ähnlich aus: Hier liegt der Reparaturpreis im Schnitt bei 825 US-Dollar (682 Euro). Beim Porsche Cayenne schlägt der Tausch jedoch mit 2.810 US-Dollar (2.323 Euro) zu Buche, beim BMW M760 iXDrive immerhin noch mit 2.669 US-Dollar (2206 Euro).

Der Tausch des Anlassers kommt laut CR die Besitzer eines Audi RS5 am teuersten. (Symbolbild)

Kostenfalle Auto-Reparatur: In einer Kategorie liegt auch ein Japaner vorne

Muss der Anlasser getauscht werden, müssen Fahrer eines Audi RS5 mit 2.708 US-Dollar (2238 Euro) am tiefsten in die Tasche greifen. Besitzer eines Mercedes-Benz GL63 AMG kommen mit 2.695 US-Dollar (2227 Euro) nicht wirklich billiger weg. Fast schon ein Schnäppchen ist der Anlasser-Tausch beim Porsche Panamera für „nur“ 1.376 US-Dollar (1137 Euro). Doch auch das ist mehr als doppelt so teuer wie der Durchschnittspreis von 630 US-Dollar. (Porsche-Fahrer ohne Winterreifen bleibt auf Autobahn stecken – seine Ausrede ist einmalig)

Immerhin: Beim Thema Stoßdämpfer und Federbeine liegt preislich ein Japaner an der Spitze. Zwar mag der Nissan GT-R in der Anschaffung billiger sein als viele andere Supersportwagen – doch an dieser Stelle langt Nissan kräftig hin: 5.867 US-Dollar (4848 Euro) werden hier bei einem Tausch fällig. Das ist mehr als sechsmal so viel wie der Durchschnitt mit 937 US-Dollar (774 Euro). Auf den zweiten Platz hat es der Porsche Panamera geschafft, ein Tausch schlägt hier mit 4.808 US-Dollar (3973 Euro) zu Buche. (Porsche Panamera werden alle vier Räder geklaut – obwohl er von Stacheldraht umzäunt war)

Wer also den Kauf eines gebrauchten Premium-Fahrzeugs plant, sollte sich vorher gründlich über einen möglichen Wartungsstau informieren – und möglicherweise das Auto auch von einem Experten untersuchen lassen. Auch wenn das ein paar Euro kostet – am Ende kann dieses Gutachten ein kleines Vermögen sparen.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Westend61

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare